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BMD-3: Mehr Feuerkraft für Luftlandetruppen – Part 1

Bei Armored Warfare ist der BMD-4 ein Schützenpanzer des 6. Tiers, der selbstverständlich einen eigenen Artikel verdient hat. Bevor wir uns jedoch dem BMD-4 in der Serie „Fahrzeuge im Fokus“ zuwenden, sollten wir einige Worte über seinen Vorgänger verlieren – den BMD-3.

Der BMD-3 ist aktuell nicht im Spiel, könnte in Zukunft aber durchaus als separates Fahrzeug eingeführt werden. Also, legen wir los!

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BMD-3

Ende der 1970er-Jahre war so ziemlich jedem der Beteiligten klar, dass das Aufwertungspotenzial der BMD-1-Plattform weitgehend ausgeschöpft war. Natürlich wäre es immer noch möglich, die Bewaffnung zu ändern, was im Falle des BMD-2 auch geschah, dessen 73-mm-Kanone „Grom“ in den 1980er-Jahren durch eine modernere 30-mm-Maschinenkanone vom Typ 2A42, die auch fliegende Ziele ins Visier nehmen konnte. Es wäre außerdem möglich, das bestehende Waffensystem durch ein neueres Modell zu ersetzen, wie das mit dem Raketenwerfer des BMD-2 in der Variante BMD-2M geschehen ist. Das Problem jedoch war die Wanne selbst.

Sie war schlichtweg zu klein und zu dünn gepanzert, um bedeutende Kampfwertsteigerungen mitmachen zu können. Der Innenraum war zum Bersten gefüllt und es war rein technisch nicht möglich, einen größeren Turm anzubringen, der den Entwicklern die Möglichkeit gegeben hätte, ein stärkeres Waffensystem als die oben genannte 30-mm-Maschinenkanone zu installieren. Etwas anderes musste her – eine gänzlich neue Plattform.

Dieser Gedanke reichte bis 1976 zurück und knüpfte an ein Projekt namens „Basnja“ an, einen weiteren Versuch, einen universellen SPz zu produzieren, der sowohl den Luftlandetruppen, als auch der Infanterie dienen würde.

Auch dieser Versuch scheiterte an den strengen Gewichtsanforderungen der Luftlandeeinheiten, die nicht mit den Schutzanforderungen der Infanterie vereinbar waren. Die Entwicklungsergebnisse flossen ein Jahrzehnt später in die Entwicklung des BMD-2 ein, bei dem das Fahrgestell des BMD-1 für das Waffensystem mit der 30-mm-2A42-Kanone adaptiert wurde.

Die Entwicklung des BMD-2 wurde durch den sowjetisch-afghanischen Krieg enorm beschleunigt und nahm nur 6 Monate in Anspruch. Die größten Sorgen bei der Installation der 30-mm-2A42-Kanone machte der erwartete Gewichtsanstieg. Man ging davon aus, dass dadurch die Anfälligkeit des Fahrgestells erhöht werden würde. Die sowjetischen Ingenieure hatten auch für dieses Problem eine Lösung und so wurde das umgerüstete Fahrzeug bereits 1983 eingesetzt (noch bevor es offiziell in den Dienst der Sowjetarmee gestellt wurde).

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Von links: BMD-3, BMD-2, BMD-1

Jede weitere Erhöhung der Feuerkraft würde unweigerlich zu einer Überschreitung der Größen- und Gewichtsbeschränkungen führen. Das Aufwertungspotenzial der Plattform war damit erschöpft, die Luftlandeeinheiten aber benötigten größere mobile Feuerkraft.

Zu Beginn der 1980er-Jahre schickte man eine Liste mit Anforderungen an einen SPz der Zukunft (SPz im Allgemeinen, nicht speziell für die Luftlandeeinheiten) an die folgenden großen Panzerhersteller:

  • Wolgograder Traktorenwerk (WgTS), in dem der BMD-1 produziert wurde
  • Kurganmaschsawod (KMZ), in dem u.a. der BMP-3 produziert wurde
  • Charkower Traktorenwerk

Die Liste umfasste unter anderem Vorgaben zur zukünftigen Bewaffnung eines neuen SPz:

  • 100-mm-Kombinationsgeschütz, das lasergeführte ATGMs über das Kanonenrohr abfeuern könnte
  • 30-mm-Maschinenkanone mit erhöhter Leistung
  • Koaxiales 7,62-mm-Maschinengewehr

Ein derartiges Waffensystem (das zu diesem Zeitpunkt bereits von dem Konstruktionsbüro Tula entwickelt wurde) würde die Feuerkraft eines jeden sowjetischen SPz deutlich steigern. Daneben wurden weitere Optionen in Betracht gezogen (darunter eine 45-mm- oder gar 76-mm-Kanone), schließlich befand man jedoch die „100+30“-Lösung als den vielversprechendsten Entwurf.

Wieder einmal unternahm man den Versuch, eine universelle Lösung zu kreieren, die sich Boden- und Luftlandetruppen teilen könnten. Die weiteren Anforderungen umfassten eine im Vergleich zu den vorangegangenen SPz (BMP-1 und BMP-2, von den BMD ganz zu schweigen) höhere Mobilität und weitgehend verbesserten Panzerungsschutz. Das Forschungsprojekt bekam den Namen „Basnja-2“ und KMZ wurde mit der Entwicklung betraut.

Wie zu erwarten war, erhoben sich schon bald darauf berechtigte Zweifel, ob das Projekt die Anforderungen der russischen Luftlandetruppen (WDW) erfüllen würde. Man erinnerte sich im dortigen Führungsstab nur zu gut an den Ausgang des letzten Projektes dieser Art und auch jetzt sah die Sache nicht besser aus.

Um die Anforderungen des GBTU (Generalstab der Panzerverbände der Sowjetunion) bezüglich des Panzerungsschutzes zu erfüllen, hätte das Gewicht des Fahrzeugs die 18-Tonnen-Marke überschreiten müssen, womit kein Lufttransport und Abwurf mit Fallschirmen mehr möglich wäre. Parallel dazu lief die Entwicklung neuer Luftlandepanzer weiter, deren Fertigstellung jedoch erst für 1986 angesetzt war.

Der Konflikt zwischen den Luftlandetruppen und der Armee eskalierte im Herbst 1981 während eines Treffens zwischen dem Befehlshaber der WDW, General D.S. Suchorukow und dem Befehlshaber der GBTU, General J.M. Potapow. Bei den Gesprächen äußerte Suchorukow die Hoffnung auf einen leichten SPz mitsamt einer ganzen Familie von Leichtfahrzeugen für seine Luftlandetruppen, allesamt von KMZ gebaut.

Potapow antwortete mit einer wahren Schimpftirade und sagte Suchorukow, dass er sich glücklich schätzen konnte, einen regulären SPz zu bekommen, dazu noch eine Kommandoversion und, wenn alles glattlief, einen Bergepanzer, weil die KMZ damit ausgelastet wäre, SPz für die Bodentruppen zu produzieren.

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Objekt 950

Suchorukow gefiel diese Reaktion überhaupt nicht und er versuchte, dieses Verhalten bei seinen Vorgesetzten anzuprangern, die jedoch allesamt Potapow unterstützten. Suchorukow verließ das Treffen (gelinde gesagt) wütend, kehrte in seinen Stab zurück und ordnete nach einigen hitzigen Diskussionen an, alle Ressourcen des WDW-Kommandos zu bündeln und darauf zu verwenden, die Zusage für einen neuen, exklusiv für Luftlandetruppen vorgesehenen SPz zu bekommen. Nach zahlreichen Treffen und zähen Verhandlungen hatte der WDW schließlich Erfolg und die Arbeit an dem neuen SPz begann.

Die Anforderungen an das neue Fahrzeug sahen wie folgt aus:

  • Was das Gewicht angeht, sollte der Transportflieger IL-76M in der Lage sein, drei dieser Fahrzeuge zu transportieren und per Fallschirm abzusetzen (was das Gewicht auf 12,5 Tonnen beschränkte)
  • Der Besatzungsraum würde aus dem BMP-2 stammen (da die Zeit nicht ausreichte, um einen neuen zu entwickeln)
  • Die Eigenschaften sollten den Anforderungen des Basnja-2-Projekts entsprechen

Gleichzeitig hatte das Projekt des neuen Luftlandepanzers immer noch viele gewichtige Gegner, darunter Marschall Petrow und natürlich Potapow, der einst selbst bei den Luftlandetruppen gedient hatte und der Meinung war, ebenso wie der Kommandant zu wissen, was für die Luftlandeeinheiten das Beste war. Die wichtigsten Argumente gegen dieses neue Fahrzeug lauteten:

  • Es wäre unmöglich, ein derart leichtes Fahrzeug zu produzieren, das den Basnya-2-Anforderungen entsprechen würde. Diese setzten ein 18-Tonnen-Fahrzeug voraus und wurden in Form des Basnya-2 bereits umgesetzt
  • Drei im Flugzeugbauch zusammengepferchte 12-Tonnen-Fahrzeuge hätten geringere Feuerkraft, als zwei 18-Tonnen-Fahrzeuge, deren Gewichtsanstieg mit der Erhöhung eben jener Feuerkraft motiviert war

Mit der Erörterung dieser Fragen wurden neben dem KMZ und dem VgTZ einige weitere Entwicklungsbüros des sowjetischen Verteidigungsministeriums betraut. Das Ergebnis dieses Prozesses lautete:

  • Es wäre durchaus möglich, ein 12,5-Tonnen-Fahrzeug unter den gegebenen Voraussetzungen zu bauen
  • Drei 12,5-Tonnen-Fahrzeuge haben einen höheren Kampfwert, als zwei 18-Tonnen-Fahrzeuge

Petrow und Potapow waren immer noch nicht überzeugt, aber die Ergebnisse der Untersuchung bestärkten die Verantwortlichen beim Verteidigungsministerium darin, das Projekt fortzusetzen. Potapows feindliche Einstellung sollte den Ingenieuren und Herstellern des Fahrzeugs das Leben allerdings noch erschweren.

Das Projekt wurde jedenfalls fortgesetzt. Das offizielle grüne Licht kam in Form des Erlasses Nr. 451-159 des Zentralkomitees der kommunistischen Partei der Sowjetunion vom 20. Mai 1983, der die Entwicklung des zukünftigen Luftlandepanzers für die 1990eer-Jahre festlegte. Das Entwicklungsprogramm bekam den Codenamen „Bachtscha“ und die GABTU-Bezeichnung Objekt 950. Das Wolgograder Traktorenwerk wurde als Entwickler des Fahrzeugs bestimmt, auch wenn im Verlauf der Entwicklungsphase Ingenieure anderer Konstruktionsbüros und Experten des WDW hinzugezogen wurden. Die ersten technischen Entwürfe waren bereits im Juni 1983 fertig, also einen Monat nach Projektbeginn. Die Entwicklung war zwar ungewöhnlich schnell, aber nicht frei von Fehlern.

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Objekt 950

Eines der wichtigsten Elemente der Entwicklung war der Motorbereich. Der in Tscheljabinsk entwickelte 2V-06-Motor wurde als das vielversprechendste Modell ausgewählt. Allerdings hatte auch er Entwicklungsprobleme. Geplant war ein moderner 6-Zylinder-Dieselmotor, der sehr klein sein sollte und in Fahrzeugen der BMD- und BMP-Serie verbaut werden konnte. Seine Anfänge wurden durch fehlende Stahlgusstechnologie erschwert, die zunächst für 3 Millionen Dollar von den Vereinigten Staaten erworben werden musste. Ohne diese Technologie wäre der Motor zu schwer.

Das Modell wurde auch für den neuen BMP (BMP-3) vorgesehen, verlor die Ausschreibung jedoch gegen den UTD-29 Dieselmotor von Barnaultransmasch, was nur teilweise durch die Verzögerung der 2V-06-Entwicklung bedingt war. Der UTD-29-Motor wurde schlichtweg als passender für die BMP-Serie befunden. Ungeachtet dieser Rückschläge und Verzögerungen blieb der 2V-06 der Motor der Wahl für das Bachtscha-Programm und konnte 1985 endlich in Produktion gehen, nachdem die ersten Anlaufschwierigkeiten überwunden waren.

Objekt 950 war mit demselben Waffensystem ausgestattet, wie der BMP-2. Es bestand aus einer 30-mm-2A42-Maschinenkanone mit einem koaxialen 7,62-mm-Maschinengewehr. Das Fahrzeug hatte eine Zwei-Mann-Besatzung und konnte fünf Soldaten transportieren, ähnlich wie die vorherigen BMD-Versionen, was die Einführung des Fahrzeugs in den Dienst der WDW erleichterte.

Die Wanne bestand aus Aluminium und sollte frontal und seitlich genug Schutz gegen 12,7-mm-Maschinengewehrkugeln bieten. Diese Anforderung basierte auf Erfahrungen aus dem Afghanistan-Krieg. Trotz des angehobenen Schutzes war das Fahrzeug leicht und kompakt genug, um als Dreiergespann in einer IL-76M-Transportmaschine befördert zu werden, wie ursprünglich vorgesehen.

Alles in allem war Objekt 950 ein wirklich gutes Projekt, allerdings mit einem großen Nachteil: Es musste durch die GBTU abgesegnet werden, deren Befehlshaber General Ju.M. Potapow war, der das gesamte Projekt ohne weitere Diskussion beendete.

Nun war es die Führungsriege der Luftlandetruppen, die mit ungewöhnlichem Zorn gegen diesen Akt protestierte. Mehrere Beschwerden wurden verfasst und dieses Mal standen die meisten einflussreichen Kommandanten und Organisationen auf der Seite des WDW. Nach monatelangen Diskussionen bildete das Verteidigungsministerium der Sowjetunion ein Spezialkomitee und schickte es aus, um sich in den Wolgograder Traktorenwerken selbst ein Bild über den Fortschritt des Objekt 950 zu verschaffen. Dieser Besuch fand im November 1983 statt.

Wird fortgesetzt...

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