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BMD-3: Mehr Feuerkraft für Luftlandetruppen – Part 2

Das Komitee, das die Wolgograder Traktorwerke besuchte, entschied zugunsten von Objekt 950. Die Entwicklung konnte jetzt trotz der ablehnenden Haltung des GBTU fortgesetzt werden, was die Spannungen zwischen den Luftlandetruppen und dem Heer noch verstärkte. Drei Prototypen wurden gebaut und ab 1985 ausgiebig getestet.

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Objekt 950 - Fallschirmsprüfungen

Die Tests verliefen mehr oder weniger erfolgreich, auch wenn einige kleinere Probleme ans Tageslicht kamen, die zusätzliche Reparaturen erforderlich machten. Potapows GBTU nutzte jeden Vorwand, um das Projekt zum Scheitern zu bringen, was den gesamten Entwicklungsprozess ziemlich erschwerte. Dessen ungeachtet konnten die Probleme bis 1986 behoben werden, anschließend fanden weitere Testreihen statt, diesmal mit Militärbesatzungen und Abwürfen an Fallschirmen. Diese Tests verliefen äußerst erfolgreich; das Fahrzeug war robust genug, um der Belastung eines Luftabwurfs standzuhalten. Ganz anders sah es bei den Probeläufen des BMP-3 aus, die zur selben Zeit durchgeführt wurden, was den Unmut des GBTU nach sich zog – das Heer unter Potapows Kommando tat alles daran, dem Modell zum Durchbruch zu verhelfen.

Problematisch wurde es am Ende, als das Gewicht der Fahrzeuge im Gegensatz zu den Originalplänen 190 bis 290 Kilogramm über den technischen Voraussetzungen lag (das zulässige Gesamtgewicht lag bei 12,5 Tonnen). Die Gewichtsüberschreitung wurde zu einem echten Problem, sodass der Chefentwickler A.W. Schaljabin zu einem ungewöhnlichen Mittel greifen musste: Er bot jedem Ingenieur einen Gehaltsbonus an, der das Gewicht des Fahrzeugs reduzieren würde und sei es nur um ein halbes Kilogramm.

Die Versuche hatten allesamt keinen Erfolg – Objekt 950 war bereits auf das Grundlegende reduziert, nichts konnte mehr entfernt oder anders konfiguriert werden. Die schließlich gefundene Lösung war unorthodox – statt das Gewicht des Fahrzeugs weiter zu verringern, wurde das Ladegewicht des IL-76MD und des IL-76MD um 1200 kg erhöht, indem man deren Treibstoffladung verringerte. So konnten die Testläufe des Objekt 950 auch bei einem Gewicht von 12,9 Tonnen fortgesetzt werden.

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Objekt 950 - Schwimmversuche

Im Oktober 1986 lenkte der GBTU schließlich ein und das Fahrzeug konnte endlich an offiziellen Tests teilnehmen. Diese fanden zwischen Oktober 1986 und Oktober 1987 in unterschiedlichen Umgebungen statt, einschließlich Wüstengebieten und Gebirgslandschaften. Dabei traten zahlreiche Probleme an den Tag:

  • Das Fahrzeug war bei Schusstests mit echter Munition nicht gegen 12,7-mm-Geschosse gewappnet
  • Der Widerstand gegen Minen und Explosionen unter dem Fahrzeug war nur unzureichend
  • Treffer an einigen Bereichen, wie den Luken, führten zu erhöhter Splitterbildung
  • Auch der Schutz vor Flammenwerfern, Molotow-Cocktails und ähnlichen Brandverursachern war eher zweifelhaft
  • Der Einsatz älterer Visiertechnik ermöglichte keinen Anti-Laser-Schutz
  • Ungeachtet der ausgewiesenen Fähigkeit des 2V-06-Dieselmotors, unterschiedliche Arten von Treibstoff zu verwenden, funktionierte die Sache mit leichteren Treibstoffarten nicht ganz einwandfrei
  • Der Innenraum war in staubiger Umgebung nicht gut gefiltert

Und einige weitere kleinere Schwierigkeiten. Ein weiteres Problem bestand darin, dass die Entwicklung eines Abwurfsystems für den BMD parallel zu der Entwicklung des Fahrzeugs lief und bei dessen Fertigstellung nicht bereit waren. Zu den positiven Entwicklungen gehörte, dass ein IL-76M-Transportflugzeug während der Testläufe erfolgreich mit drei Fahrzeugen an Bord in die Luft steigen konnte, was für die Luftlandetruppen extrem wichtig gewesen ist.

Ungeachtet aller Probleme lautete die Empfehlung des Prüfungskomitees unter der Leitung des WDW-Stabchefs Generalmajor N.I. Serdjukow) die Massenproduktion und Einführung des Fahrzeugs in Angriff zu nehmen (vorausgesetzt, die oben genannten Probleme würden gelöst werden).

Die im Verlauf der Testläufe aufgetretenen Probleme wurden größtenteils zwischen Oktober 1987 und Juli 1988 behoben, als die drei Prototypen abermals bei einer neuen Testreihe auf Herz und Nieren geprüft wurden. Diese Testläufe gaben dem Erfolg der vorgenommenen Korrekturen recht. So erhöhte sich die Zuverlässigkeit der Federung um 60 Prozent und die des Getriebes um mehr als das Dreifache. Die durchschnittliche Zuverlässigkeit des Fahrzeugs (gemessen an Komponentenversagen pro 100 km) war nur geringfügig schlechter als in den Voraussetzungen formuliert, dafür aber doppelt so gut wie beim BMP-3-Prototyp, der an ähnlichen Tests teilnahm.

Am 17. November 1988 wurde über die Produktion der ersten 10 Objekt-950-Einheiten der Vorproduktion für Militärtests entschieden und am 10. Februar 1990 wurde das Fahrzeug unter der offiziellen Bezeichnung BMD-3 in den Dienst gestellt.

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BMD-3

Die endgültige Version des BMD-3 wog 13,2 Tonnen und konnte 7 Mann transportieren – 2 Besatzungsmitglieder (Fahrer und Richtschütze/Kommandant) und 5 Truppen im Heck. Das Gewicht steigerte sich von den 12,9 Tonnen im letzten Stadium der Entwicklung aufgrund der anmontierten Fallschirmvorrichtung. Die Bodenfreiheit des Fahrgestells konnte je nach Bedarf eingestellt werden (von 10 bis 50 cm, mit 42 cm als Standardwert).

Die Wanne bestand aus geschweißtem Aluminium und der Turm wurde vom BMP-2 übernommen. Das Fahrzeug war frontal gegen schweres Maschinengewehrfeuer und panzerbrechende 12,7-mm-Geschoisse auf 75 Meter geschützt, die übrige Wanne gegen 7,62-mm-Geschosse (einschließlich panzerbrechender Munition).

Der BMD-3 war komplett amphibisch und wurde von einem 450-PS-Diesel-Mehrstoffmotor des Typs V2-06-2 angetrieben. Die Höchstgeschwindigkeit an Land betrug 70 km/h, die Schwimmgeschwindigkeit 10 km/h.

Die Bewaffnung bestand aus:

  • 30-mm-Kanone 2A42, voll stabilisiert mit einem 2E36-4-Stabilisator und variabler Feuerrate (200-300 oder 550 Schuss pro Minute); Höhenrichtwert von -5/+75 (Angriffe gegen Hubschrauber möglich); 500 Schuss Munition (160 AP-T-Geschosse, 272 HE-I-Geschosse, 68 HE-T-Geschosse)
  • 7,62-mm-Maschinengewehr PKT, koaxial, 2000 Schuss Munition
  • 9P135M ATGM-Werfersystem für Lenkflugkörper vom Typ 9M113 Konkurs oder 9M113M Konkurs-M mit einer Reichweite von 75 bis 4000 Metern; 4 Raketen an Bord
  • Leichtes 5,45-mm-Maschinengewehr RPKS74 an der rechten Wannenseite (225 Schuss Munition)
  • Automatischer 30-mm-Granatwerfer AGS-17 an der linken Wannenseite (29 Schuss Munition)

Der ursprüngliche Produktionsplan sah 700 Fahrzeuge pro Jahr vor (parallel dazu sollten 5000 2V-06-Motoren und 700 Luftabwurfsysteme des Typs PBS-950 produziert werden, die für den BMD-3 entwickelt wurden), doch der Traum von tausenden BMD-3-Einheiten sollte sich nicht erfüllen. Das Problem bestand darin, dass der Herstellungsprozess des neuen Fahrzeugs komplexer war, als zunächst angenommen (allein die Produktion des 2V-06-Motors verschlang 50 Prozent mehr Arbeitsstunden, als im Falle des BMD-1-Motors 5D20).

Drei Werke sollten in die Produktion eingebunden werden (zwei in Wolgograd und eines in Tscheljabinsk, dass für den Bau der Motoren verantwortlich war). Das Durcheinander in der letzten Phase der Sowjetunion führte zu Verzögerungen und organisatorischen Schwierigkeiten, die bis zur Auflösung des Staates im Dezember 1991 anhielten. Das Chaos hielt auch im darauffolgenden Jahr an, als man in der nunmehr neu gegründeten Russischen Föderation versuchte, an das Erbe der Sowjetunion unter neuen Vorzeichen anzuknüpfen. Die Entwicklung des BMD-3 kam aufgrund fehlender Finanzierung ins Stocken, ähnlich wie die anderer Militärprojekte der späten Sowjetära.

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BMD-3

Das Projekt überlebte nur deshalb, weil sich die Wolgograder Traktorfabrik mehrere Bankdarlehen sichern konnte. Der Produktionsplan wurde auf 120 Fahrzeuge pro Jahr reduziert, am Ende wurden zwischen 1990 und 1997 insgesamt nur 137 BMD-3 gebaut.

Das Fahrzeug wurde aller Wahrscheinlichkeit nach zu keinem Zeitpunkt exportiert. Mancherorts wird behauptet, einige wären nach Angola gelangt, doch diese dubiose Information stammt aus nicht weiter genannten westlichen Quellen und wurde in Wikipedia übernommen, was zu deren weiteren Verbreitung führte.

In russischem Dienst nahm der BMD-3 vermutlich an keinem bewaffneten Einsatz teil. Seine Leistung in Friedenszeiten ließ sehr zu wünschen übrig, was sich mit den drastischen Kürzungen des militärischen Etats in den 1990er-Jahren erklären lässt. Diese führten zu einem Rückgang des Ausbildungsniveaus der Truppen und zogen unzureichende Fahrzeugwartung nach sich. Die russische Armee wiederum machte Mängel bei der Produktion für die schlechte Leistung verantwortlich, was zu einer Serie von Konflikten mit dem Wolgograder Traktorfabrik führte. Eine in Auftrag gegebene Analyse bestätigte den Zusammenhang zwischen der mangelhaften Leistung und schlechter Wartung bzw. falscher Handhabung.

Das Schicksal des Fahrzeugs spiegelte die Situation des gesamten russischen Militärs wieder, das in den 1990er-Jahren einen Schatten der einstigen Glorie darstellte. Seitdem ist es um einiges besser geworden und auch die Ausrüstung des WDW hat sich deutlich verbessert. Aber das ist ein Thema für sich, und wir heben uns diese Geschichte für später auf.

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