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Der französische Skorpion

Seit dem Zweiten Weltkrieg favorisiert man in Frankreich den Bau leichter und schneller Kampffahrzeuge. Auch die Kampfpanzer der AMX-30-Reihe entstammen diesem Ansatz, ebenso wie der deutsche Leopard 1 - bei beiden geht die hohe Mobilität mit Abstrichen beim Schutzfaktor einher. Ein weiteres Beispiel ist der französische AMX-13, einer der weltweit populärsten und erfolgreichsten Leichtpanzer der Nachkriegszeit.

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Jaguar EBRC, Grafik von Nexter/RTD/Thales

Der mobile Ansatz beeinflusste natürlich auch die Entwicklung gepanzerter Radfahrzeuge in den letzten vierzig Jahren, darunter solcher exzellenten Modelle, wie den ERC 90 Sagaie oder den AMX 10 RC. Es ist daher nur verständlich, dass die französische Armee der Tradition höchst mobiler Panzerstreitkräfte treu bleiben will. Da die oben genannten Fahrzeuge langsam in die Jahre kommen, wurde ein Programm gestartet, das die alte Flotte mit neuen Modellen ersetzen soll. Das Projekt fungiert unter dem Namen „Scorpion“.

Das Scorpion-Programm basiert auf dem Plan des französischen Verteidigungsministeriums zum Bau einer neuen Familie höchst mobiler Fahrzeuge, die sich für schnelle Eingreiftruppen eignen und problemlos in weite Teile der Welt versendet werden können, um an Kriegshandlungen unterschiedlicher Intensität teilzunehmen. Diese Familie umfasst neben gepanzerten Truppentransportern auch Feuerunterstützungsfahrzeuge, die sich selbst im Einsatz gegen modernste Panzer sehen lassen können.

Die Finanzierung des Programms ist durchaus großzügig, das Verteidigungsministerium investiert bis zum Jahr 2025 fünf Milliarden Euro in Entwicklung und Bau der ersten Fahrzeuge (weitere 5 Milliarden sind für das darauffolgende Jahrzehnt angesetzt). Im Vergleich dazu investiert Großbritannien 4,4 Milliarden Euro (3,5 Milliarden GBP) in die neuen 589-Ajax-SPz.

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Griffon VBMR, Grafik von Nexter/RTD/Thales

Die leitende Entwicklungsgruppe des Programms nennt sich GME (Groupement Momentané d'Entreprises) und besteht aus drei französischen Großfirmen - Nexter, Renault Trucks Defense (RTD) und Thales. Nexter und RTD sind für Fahrgestelle und Waffen zuständig, während Thales sich für die Elektronik, die Sensoren und die Kommunikationssysteme verantwortlich zeichnet. Das Programm teilt sich in zweit Hauptgruppen von Fahrzeugen:

  • EBRC (Engin Blindé de Reconnaissance et de Combat), Aufklärungs- und Feuerunterstützungsfahrzeuge
  • VBMR (Véhicule Blindé Multi-Role), multifunktional einsetzbare Radfahrzeuge

Die EBRC-Reihe wird durch den Jaguar repräsentiert. Der andere Kandidat in dieser Baureihe - der SPHINX von Panhard - scheint den Wettkampf gegen den Jaguar verloren zu haben und wird nicht über das Prototypenstadium hinausgehen.

EBRC Jaguar

Ähnlich wie der SPHINX ist auch der Jaguar ein 6x6-Schützenpanzer mit Drei-Mann-Besatzung (Kommandant, Richtschütze und Fahrer). Er wiegt 25 Tonnen und wird von einem 490-PS-Motor angetrieben (20 PS/t Leistungsgewicht). Seine Reichweite mit internen Treibstofftanks beträgt 800 Kilometer. Beachtenswert ist die Tatsache, dass die Hinterachse gelenkt werden kann, was den Lenkradius des Fahrzeugs erheblich verbessert.

Die Bewaffnung besteht aus einer 40-mm-CT-40-Maschinenkanone (gemeinsam mit einer Zuführung und FCS formt es das Cased Telescoped Armament System) und MMP-Lenkflugkörpern in einem optimierten Turm. Die Kanone ist kompakt und kann es selbst gegen modernste SPz aufnehmen, zum Beispiel mit ihren APFSDS-Projektilen mit Wolframkern, die Panzerung mit einem Wert von 140 mm RHAe auf 1500 Meter durchschlägt. Wem das nicht genug ist, kann auf die MMP-Lenkflugkörper des Jaguar zurückgreifen, die bis zu 1000 mm RHAe durchschlagen und eine Reichweite von 4000 Metern bieten.

Die Rohrsenkung und -hebung des Jaguar liegt bei -10/+45 Grad und dank dem modernen Stabilisierungssystem ist er in der Lage, bewegliche Ziele auch in schwierigem Gelände ins Ziel zu nehmen. Die Feuerrate der Kanone beträgt 200 Schuss pro Minute.

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Früher Jaguar klein-Maßstab-Modell von by Nexter

Die Panzerung besitzt Stufe 4 nach STANAG 4569, was einem Frontalschutz gegen 14,5-mm-AP-Geschosse und 155-mm-HE-Granatsplitter auf 30 Meter entspricht. Zu beachten gilt, dass die Vorderräder nicht mit ballistischen Kappen bedeckt sind, was die Offroad-Fähigkeiten des Fahrzeugs zwar auf Kosten der Sicherheit erhöht, gleichzeitig aber einen wichtigen Faktor für den Einsatz in Dritte-Welt-Ländern ausmacht. Der Boden des Fahrzeugs ist gegen Detonationen gewappnet, die einer Menge von 10 Kilogramm TNT entsprechen.

Eine der wichtigsten Eigenschaften des Jaguar ist seine Kompatibilität mit dem Kommando- und Kontrollsystem C4ISTAR, das der französischen Armee als eines der modernsten seiner Art zur Verfügung steht und den Kommandanten dank der modernsten Technologie einen exzellenten Überblick über das Geschehen auf dem Schlachtfeld bietet.

Das Modell befindet sich derzeit noch im Prototypenstadium, die ersten Fahrzeuge sollen die Fabrikhallen 2020 verlassen. Bis 2025 ist die Auslieferung von 110 Fahrzeugen geplant.

VBMR Griffon

Anders als der Jaguar, ist der Griffon ein relativ einfacher und kostengünstiger konzipiertes Fahrzeug. Auch wenn er offiziell als Multifunktionsfahrzeug bezeichnet wird, soll der Griffon hauptsächlich als Mannschaftstransportwagen eingesetzt werden. Das Design des Griffon ist einfach und geradlinig - eine kastenförmige Wanne mit 4x4- oder 6x6-Konfiguration. Auf den ersten Blick ähnelt er einem anderen Fahrzeug von Nexter, nämlich dem Titus (der in Zusammenarbeit mit dem tschechischen Hersteller Tatra entwickelt wurde), allerdings behauptet man bei Nexter, dass der Griffon ganz anders gestrickt ist und der Titus ein exklusives Exportmodell.

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VBMR Griffon bei der Eurosatory 2016, Foto von defence-blog.com

Der Griffon hat eine Drei-Mann-Besatzung und kann bis zu acht Soldaten transportieren (bzw. 10 in der aktuellsten, auf der Eurosatory 2016 vorgestellten Version).

Die Panzerung besitzt Stufe 4 nach STANAG 4569 und, die mit einem modularen Panzerungsset noch zusätzlich erhöht werden kann. Die Standardbewaffnung umfasst entweder Maschinengewehre (7,62 mm und 12,7 mm) oder einen 40-mm-Granatwerfer. Das Fahrzeug wiegt je nach Konfiguration ungefähr 25 Tonnen und wird von einem 400-PS-Volvo-Motor angetrieben.

Es ist geplant, bis 2018 insgesamt 1722 Griffons an die französische Armee auszuliefern, sowohl in der 4x4- als auch in der 6x6-Version. Es wird fünf Hauptvarianten des Griffon geben:

  • MTW (1022 bestellt)
  • Kommandofahrzeug (333 bestellt)
  • Ambulanzfahrzeug (196 bestellt)
  • Gepanzerter Artilleriebeobachtungsposten (117)
  • Bergepanzer (54)

Auch wenn mache dieser Varianten zukünftig in weitere Untergruppen geteilt werden, stellt diese übersichtliche Einteilung einen Fortschritt gegenüber der aktuell eingesetzten VAB-Reihe dar (über 30 Varianten). Ähnlich wie der Jaguar wird auch der Griffin mit dem Kommando- und Kontrollsystem C4ISTAR verknüpft, was einen Hauptpunkt des gesamten Scorpion-Programms ausmacht.

Schlussfolgerung

Das französische Militär bevorzugt Radfahrzeuge vor Kettenfahrzeugen. Auch wenn Kettenfahrzeuge bessere Geländefähigkeit aufweisen, sind sie insgesamt teurer in Anschaffung und Wartung und erfordern intensive Instandhaltungsmaßnahmen. Die Mehrheit der bewaffneten Konflikte, an denen das französische Militär seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs teilgenommen hat, fand in den ehemaligen französischen Kolonien statt, hauptsächlich in Afrika. Radfahrzeuge eignen sich für diese Art von Konflikt besser, da sie leichter zu transportieren sind und aus eigener Kraft weite Strecken zurücklegen können. Sie sind auch einfacher instandzuhalten und können auch unter widrigen Umständen kostengünstiger gewartet werden.

Die beschriebene Strategie wird mit dem Scorpion-Programm in der Zukunft weiter verfolgt und auch wenn der Jaguar es kaum frontal mit einem Großteil seiner Gegner aufnehmen kann, ist er ein exzellenter Aufklärer, eignet sich gut für Flankenmanöver und Angriffe aus dem Hinterhalt. Die Aufgaben eines regulären Kampfpanzers wird die modernisierte und ebenfalls auf der Eurosatory 2016 vorgestellte aktuelle Version des Leclerc übernehmen.

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