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Die Geschichte des Sheridan: Teil 1

Die Sheridan-Reihe geht auf den M41 Walker Bulldog und die Notwendigkeit, ihn zu ersetzen, zurück. Der Bulldog war ein solider US-Leichtpanzer, aber als in den amerikanischen Berichten immer mehr schwerere sowjetische Panzer auftauchten, war es klar, dass sein 76 mm-Geschütz nicht mehr in der Lage war, mit der Bedrohung durch die neusten mittelgroßen Panzer der Sowjets fertigzuwerden.

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Der Walker Bulldog trat 1953 in den Dienst, aber schon bald danach, in 1954, begann die US-Armee die Entwicklung und das Testen seiner möglichen Nachfolger. Der Wunsch nach neuen Lösungen führte zur Entwicklung des Leichtpanzers T92, eines 17-Tonnen-Experimentalfahrzeugs, das mit einem hochleistungsfähigen 76 mm-Geschütz und einem 340hp-Motor ausgestattet war. Es wurde zwischen 1956 und 1958 ausgiebig getestet, aber letztendlich hatte diese Konstruktion keinen Erfolg. Sie hatte zwei große Mängel: Zum einen galt das 76 mm-Geschütz T185E1 nicht mehr als ausreichend, um mit möglichen Gefahren fertigzuwerden. Der zweite Hauptmangel bestand darin, dass das Fahrzeug nicht amphibisch war und nicht zu einem schwimmenden Fahrzeug modifiziert werden konnte. Diese Forderung wurde stark durch das Aufkommen des sowjetischen Panzers PT-76 beeinflusst, und von da an war sie immer wieder Teil sowjetischer und US-amerikanischer Fahrzeugprogramme. Taktisch gesehen war und ist diese Forderung nach wie vor von einem fragwürdigen Nutzen, und es ist überraschend, dass sie angesichts der Schwierigkeiten, die sie bei mehreren beachtenswerten Konstruktionen bereitete, nicht schon früher aufgegeben wurde und in gewisser Form auch heute noch existiert. Schließlich wurde das Projekt eingestellt, aber das Problem der ungenügenden Feuerkraft blieb bestehen.

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In den späten 1950er Jahren wurde klar, dass wegen der exzellenten geschwungenen Panzerung sowjetischer Fahrzeuge kein 76 mm-Geschütz in Frage käme. Selbst leichtere Fahrzeuge brauchten etwas, was sie der feindlichen Panzerung entgegensetzen konnten (oder zumindest dachte man damals so), doch die Konstrukteure waren einfach nicht in der Lage, Geschütze mittelgroßer Panzer in voller Größe an die Leichtpanzer-Geschütztürme anzupassen, zumindest nicht, ohne andere Eigenschaften dieser Fahrzeuge zu beeinträchtigen. Außerdem hatte das 76 mm-Geschütz ziemlich schlechte hochexplosive Fähigkeiten, die beim Bekämpfen feindlicher Infanterie wichtig waren. Auf der Suche nach alternativen Methoden zur Steigerung der Feuerkraft gab es sowohl vernünftige als auch aberwitzige Vorschläge, aber am Ende bot sich eine konventionelle Lösung an, die später große Auswirkungen auf die Konstruktion des zukünftigen Leichtpanzers der US-Armee hatte.

Von 1958 an entwickelte das Unternehmen Philco Ford ein neues Waffensystem mit dem 152 mm-Geschütz M81, das MGM-151 Shillelagh-Raketen abfeuern konnte. Insgesamt war der Raketenwerfer sehr leicht, da die dafür benötigten Geschosse ziemlich klein waren und der ganze Mechanismus deshalb nicht besonders robust sein musste. Der Rückstoß war ebenfalls sehr gering, weshalb das System auf einem relativ leichten Fahrgestell benutzt werden konnte. An diesem Punkt bot der Shillelagh-HEAT-Sprengkopf genug Feuerkraft, um jedes beliebige feindliche Fahrzeug aus einer Entfernung von bis zu 4 km zu treffen. Das bedeutete, dass ein damit ausgerüsteter Leichtpanzer feindliche Panzer aus Entfernungen treffen konnte, die die Reichweite ihrer Geschütze bei Weitem übertrafen. Die theoretische Mindestreichweite der Rakete lag zwischen 75 und 100 Metern, die tatsächliche Mindestreichweite lag aber bei 1000 Metern, was aber (zumindest theoretisch) kein Problem war, denn Schießereien gegen feindliche mittelgroße oder schwere Panzer aus einer Distanz unter 1 Kilometer galten ohnehin als selbstmörderisch.

Aber Raketen waren natürlich nur bei gepanzerten Zielen effektiv. Das Geschütz musste auch hochexplosive Munition abfeuern können - zum Glück war auch das kein großes Problem. Wenn man bedenkt, dass hochexplosive Muniton eine geringere Mündungsgeschwindigkeit als alles andere hat, war es vollkommen in Ordnung, geringere Ladungen davon abzuschießen, wie bei Raketen. Die hochexplosive 152 mm-Munition war langsam, aber massiv und absolut zerstörerisch beim Einsatz gegen weiche Ziele. Außerdem war das Geschossgehäuse halb-explosiv und beim Abschießen wurde nur der hintere Teil (der Ring) herausgenommen, was im leichten Geschützturm wertvollen Raum einsparte, theoretisch zumindest.

Nachdem das Geschütz ausgewählt worden war, begann die Armee, danach zu suchen, wo man das Geschütz draufmontieren konnte. Wie üblich hatte die Armee mehrere widersprüchliche Forderungen:

  • Frontaler Rumpfschutz gegen sowjetische 14,5 mm-Geschosse
  • Frontaler Geschützturmschutz gegen sowjetische 20 mm-Geschosse
  • Schwimmfähigkeit
  • Gasschutz
  • Nachtkampffähigkeit
  • Luftlandefähigkeit
  • Maximale Mobilität im Gelände

Es gab noch ein paar andere Wünsche, und am Ende schien der Vorschlag von Cadillac (GM) am besten zu sein. Abgesehen von der Realisierbarkeit des Projekts hatte Cadillac auch ein Panzerproduktionswerk in Cleveland, in dem 600 qualifizierte Arbeiter die letzten Walker Bulldogs zusammenbauten.

Das von Cadillac vorgeschlagene Modell wurde vom Motor Detroit Diesel 6V-53T betrieben (der Motorcode steht für: 6 Zylinder, V-förmige Zylinderkonfiguration, 53 ist das Zylindervolumen in Kubikzoll, und T bedeutet "turbogeladen"), der bei einer Drehzahl von 2800 300 PS produzierte. Um das Verhältnis von Leistung zu Gewicht in vernünftigem Maße zu halten, entschiedenen sich die Entwickler für eine Rumpfpanzerung aus Aluminium anstelle des klassischen Stahls, um Gewicht einzusparen. Die Größe des Fahrzeugs wurde ferner durch die maximal zulässigen Abmessungen beschränkt, die von Militärtransport-Flugzeugen befördert werden konnten. Das machte es dem Fahrzeug praktisch unmöglich, "einfach so" amphibisch zu sein (nicht genug Verdrängung) - um das zu erreichen, wurden Schwimmkörper aus Gummi hinzugefügt. Um das Brandrisiko zu verringern und etwas Gewicht einzusparen, hat man die hydraulische Geschützturm-Traverse geopfert. Das Projekt erhielt 1960 die Bezeichnung "Gepanzertes Aufklärungs-/Luftangriffs-Fahrzeug" (AR/AAV), und 1961 testete man einen Geschützturm mit dem Prototyp des 152 mm-Geschützes XM81 auf einer M41-Walker-Bulldog-Federung (Shillelagh-Schießversuche). Die Entwicklung des XM81 verzögerte sich schließlich wegen des Debakels um den MBT-70, und dem Werk in Cleveland drohte einige Zeit die Schließung (die Lücke zwischen dem M41 und der zukünftigen AR/AAV-Produktion), bevor ein Produktionsvertrag für M114-Haubitzen die Rettung brachte.

Die Armee bestellte 1960 sechs Prototypen - dieses Fahrzeug wurde sehr schnell vorbereitet, da das Projekt zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen war; der erste Prototyp war noch im gleichen Jahr fertig und stand in Fort Knox für Fahrtests zur Verfügung. Später wurde die Anzahl der bestellten Prototypen von sechs auf zwölf, und dann auf zwanzig erhöht.

xm551

Der XM551 (wie er bereits genannt wurde) war eine komplett neue Konstruktion, von Grund auf neu gebaut - das brachte beim Zusammenbau des Prototyps einige Probleme mit sich, da jeder Prototyp etwas anders war, nachdem Entwickler und Ingenieure das Fahrzeug verbesserten und einige seiner Mängel behoben - und ja, es gab Mängel, viele Mängel.

Für den Anfang war die Motorkühlung schlecht, und der Motor überhitzte sich andauernd. Einige der inneren Aluminiumteile waren sehr zerbrechlich und gingen ständig kaputt. Eine andere Problemquelle war die Verkabelung und die Elektronik insgesamt, und das XM81-Geschütz war ebenfalls problematisch, so dass man sich (trotz der enormen getätigten Investitionen) ernsthaft überlegte, das ganze XM551-Projekt abzubrechen und die Produktionslinie in Cleveland auf etwas anderes umzustellen (möglicherweise auf M-60-Panzer). Am Ende gewannen die Befürworter des Projekts, die damit argumentierten, dass es bereits zu teuer war, um aufgegeben zu werden - und dass die US-Armee mit veralteten Fahrzeugen ausgerüstet war (was stimmte) und es deshalb klüger wäre, den XM551 zu produzieren und die Besatzungen auszubilden, sobald die ersten Panzer in den ausgewählten Einheiten eintrafen. Einer der Hauptgründe, weshalb der XM551 letztendlich massenhaft produziert wurde, waren auch die Spannungen in Südostasien, die schließlich zum Vietnamkrieg führten - unter diesen Umständen wurde 1965 die Massenproduktion bewilligt. Das Fahrzeug war aber bei Weitem noch nicht fertig, und es traten beinahe sofort zahlreiche Mängel auf.

Wie man diese Probleme löste, erzählen wir im nächsten Teil...

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