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In Entwicklung: BMD-1P

Der flugtransportfähige Schützenpanzer BMD-1P ist eine Variante des BMD-1, von der zwischen 1979 und 1987 ungefähr 1000 Fahrzeuge gebaut worden sind. Das Modell war mit dem BMD-1 nahezu identisch, unterschied sich jedoch in einem entscheidenden Punkt - dem Lenkflugkörpersystem. Das ursprüngliche Maljutka-System wurde beim BMD-1P durch das 9K111-System ersetzt, mit dem Ziele beschossen werden können, die mit 60 km/h unterwegs sind. Das System ist in der Lage, Lenkflugkörper der Modelle 9M111M Fagot und 9M113 Konkurs abzufeuern.

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BMD-1P

Die Entwicklung des Lenkflugkörpers 9M111 Fagot begann 1963 im Konstruktionsbüro CKB-14 in Tula unter der Leitung von A.G. Schipunow und N.F. Makarow. Die 120-mm-Rakete benötigte 11 Sekunden, um ihre Höchstreichweite von 2,5 Kilometern zu erreichen und konnte einen Gegenwert von bis zu 400 mm gewalzter homogener Panzerung durchschlagen. Die 9M111M-Variante ist eine verbesserte Version des Fagot-Lenkflugkörpers mit neuer Sprengkopf-Konstruktion die nunmehr 460 mm starke Panzerung durchschlagen konnte. Die Rakete benötigte 13,5 Sekunden, um ihre maximale Reichweite von 2,5 km zu erreichen.

Auch der Lenkflugkörper Konkurs wurde unter der Leitung von Schipunow im CKB-14-Konstruktionsbüro entworfen und 1974 in den Dienst gestellt. Im Vergleich zum älteren Fagot wurde die maximale Reichweite auf 4 Kilometer erhöht und die 135-mm-9M113-Rakete konnte nunmehr 600 mm starke Panzerung durchschlagen. Die Rakete benötigte 19,2 Sekunden, um ihre maximale Reichweite zu erreichen. Eine modifizierte Variante mit der Bezeichnung 9M113M Konkurs-M wurde 1986 vorgestellt. Die Durchschlagsrate erhöhte sich dabei abermals, dieses mal auf 800 mm. Die Höchstgeschwindigkeit der Raketen betrug ca. 250 m/s.

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Das Abschusssystem (die 9P135-Serie) bestand aus einem 9P56M-Werfer mit abnehmbarem Dreifuß und dem optischen 9S451M-Raketenlenksystem. Wenn es nicht gerade im Einsatz war, befand sich das System im Inneren des Fahrzeugs unter dem Sitz des Richtschützen. Im Gefecht wurde der Werfer auf eine spezielle Vorrichtung rechts von der Turmachse aufgesetzt. Der Werfer konnte 15 Grad nach links und 37 Grad nach rechts schwenken, was zum genaueren Zielen eingesetzt wurde - die generelle Ausrichtung des Werfers wurde durch die Stellung des Turms bestimmt. Die Hebungsrate des Werfers betrug +10 Grad, die Senkungsrate -5 Grad. Bei Bedarf konnte der Werfer abmontiert und auf den mitgeführten Dreifuß gestellt werden.

Es gab weitere, kleinere Änderungen, mit denen das Fahrzeug bedacht wurde. Darunter:

  • Reduzierung der mitgeführten MG-Munition auf 1500 Stück
  • Geänderter Aufbau des Munitionslagers
  • Etwas geänderte Wannenfront

Einige BMD-1P-Fahrzeuge wurden mit dem 82-mm-Nebelmittelwurfanlage 902V Tucha ausgerüstet. Der Rest konnte Rauch mithilfe der Abgasanlage produzieren. Von 1980 an wurden die 12ST-70M-Batterien durch leistungsstärkere Modelle des Typs 12ST-85R ersetzt. Auch die alten Rücklaufrollen wurden durch neue, gänzlich aus Stahl bestehende Modelle ersetzt und der Motor erhielt ein neues Drüsenheizsystem, das die Leistung bei kalter Witterung erhöhte.

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Schließlich erhielten die Fahrzeuge von 1984 an ein neues Funksystem auf Basis der Halbleiter-Technologie (R-173 Abzac - R-173R für Sender, R-173P für Empfänger), das die Vakuumröhrensysteme der Modelle R-123M und R-124 ersetzte.

Bei der Kommandoversion des Fahrzeugs, dem BMD-1PK, wurde die Menge der mitgeführten Raketen auf 3 und die der MG-Munition auf 1250 Stück reduziert. Der dadurch gewonnene Raum wurde für die Installation einer zusätzlichen R-123M-Funkanlage verwendet. Desweiteren besaß das Kommandofahrzeug einen gyroskopischen Kompass vom Typ GPK-59.

Alles in allem erhöhte sich das Gewicht des BMD-1P gegenüber dem BMD-1 um ca. 400 kg und betrug nunmehr 7,6 Tonnen, wobei das Fahrzeug immer noch von demselben 240-PS-Motor des Typs 5D20-240 angetrieben wurde. Als Ergebnis des Gewichtsanstiegs sank das Leistungsgewicht von 33,3 bis 31,6 PS/t. Höchstgeschwindigkeit (60 km/h), Bewaffnung und Größe blieben dabei unverändert, ebenso wie die Offroad-Eigenschaften. Auch die Panzerung aus Militäraluminium war mit der des BMD-1 identisch:

  • Obere Frontalplatte: 15 mm (angewinkelt bei 75 Grad)
  • Untere Frontalplatte: 32 mm (angewinkelt bei 47 Grad)
  • Obere Seitenpanzerung Wanne: 23 mm
  • Obere Seitenpanzerung Wanne: 20 mm
  • Oberseite Wanne: 12 mm
  • Unterseite Wanne: 12 mm
  • Heckpanzerung: 15-20 mm
  • Turmfront: 22 mm (angewinkelt bei 42 Grad)
  • Turmseiten: 18 mm (angewinkelt bei 33 Grad)
  • Turmheck: 12 mm (angewinkelt bei 21 Grad)
  • Oberseite Turm: 5 mm

Der einzige Unterschied bei der Panzerung bestand in der Installation einer geriffelten Spezialplatte an der oberen Wannenfront, die Abpraller gegen das Fahrerperiskop verhindern sollte.

Theoretisch reichte die Panzerung aus, um die Besatzung vor panzerbrechenden 12,7-mm-Geschossen zu schützen, in Wirklichkeit jedoch widerstand sie nur Kleinkaliberwaffen und kleineren Splittern. Der niedrige Schutzfaktor war schon immer ein enormer Schwachpunkt der BMD-Serie und führte zu relativ hohen Verlusten, vor allem im Afghanistan-Krieg.

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Dieser hohe Preis wurde zugunsten der wahren Bestimmung der Fahrzeugs in Kauf genommen, nämlich als leichtes, flugtransportfähiges und mobiles Einsatzfahrzeug für die sowjetischen (und später russischen) Elite-Luftlandetruppen zu agieren. Der BMD-1 diente und dient bis heute in Russland, sowie in einigen ehemaligen Sowjetrepubliken, darunter der Ukraine und Weißrussland. Russland verfügt derzeit über etwa 100 modernisierte BMD-1-Einheiten, die mittlerweile jedoch allesamt als überholt gelten können. Circa 2000 weitere Fahrzeuge verweilen in russischen Reservebeständen.

Außer in Afghanistan wurden einige BMD-1 im Irakkrieg von 2003 gesichtet, sowie im jüngsten Konflikt in der Ukraine, wobei man getrost davon ausgehen kann, dass ihre Effektivität ähnlich wie die des BMP-1 mittlerweile sehr niedrig anzusiedeln ist.

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