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In Entwicklung: Char Leclerc Prototyp

Heute wenden wir uns endlich dem KPz zu, auf den die meisten von euch gewartet haben – oder, besser gesagt, dessen Prototypen. Die Rede ist natürlich von der französischen Panzerikone Char Leclerc.

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Der Leclerc gehört auch heute noch zu den modernsten Kampfpanzern der Welt, gleichwohl sich seine Wurzeln in eine Zeit zurückverfolgen lassen, in der die ersten AMX-30-Panzer die Produktionshallen verließen – die 1960er-Jahre. Bei dem AMX-30 handelte es sich um einen durchweg konventionellen Panzer und auch wenn die Franzosen mit ihm generell zufrieden waren, kannten sie gleichzeitig die Berichte der NATO-Aufklärung über die vermeintliche Zerstörungskraft der neuen sowjetischen KPz.

Die Berichte zeichneten in der Tat ein finsteres Bild und die Franzosen waren davon überzeugt, dass sie sogar mit der Unterstützung der Militärmacht USA und Westdeutschlands keine Chance gegen die modernen KPz der Sowjets haben würden. Die legendäre personelle Stärke der Roten Armee würde ihr Übriges tun, indem sie Verluste hinnehmen könnte, die der französischen Armee das Genick brechen würden. Die Franzosen grübelten über dieses Problem nach und ersannen ein Konzept namens EPC.

EPC steht dabei für "Engin Principal de Combat" – "Hauptkampfwagen." Im Rahmen des Programms sollte ein Waffensystem entstehen (es war zunächst nicht explizit von einem Panzer die Rede), das mit einem Maximum an modernster Technologie aufwarten sollte, um bei einem einzigen Einsatz möglichst viele gegnerische Panzerfahrzeuge zu eliminieren. Frankreich war nicht das einzige NATO-Land, das in diese Richtung dachte, denn auch das MBT-70/KPz-70-Programm war in diesem Geist angesetzt. Wo andere Länder jedoch scheiterten und auf kostengünstigere Lösungen ausweichen mussten, konnten die Franzosen das Programm erfolgreich zu Ende führen.

Das Programm war zu Beginn nur sehr vage definiert und die Diskussionen über die unterschiedlichsten Ausführungen einer derartigen Kampfplattform nahmen mehr als ein Jahrzehnt in Anspruch. So zog man an einem Punkt den Bau eines hochmodernen Kapfhubschraubers anstelle eines Panzerfahrzeugs vor, was jedoch unter anderem an den gogantischen Kosten scheiterte, sodass sich die Franzosen schließlich für den Bau eines Panzers entschieden, um gegen die sowjetische Bedrohung gewappnet zu sein. Und es war auch höchste Zeit, denn in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre lag der AMX-30 in Sachen Kampfleistung weit abgeschlagen hinter den neuesten sowjetischen Modellen.

Wie zu jener Zeit übilch, versuchten sich die Franzosen zunächst an einem gemeinsamen Projekt mit der BRD. Die Deutschen steckten da bereits mitten in der Entwicklung des Leopard 2 und boten den Franzosen im Wesentlichen eine Beteiligung an der Entwicklung bestimmter Komponenten an, einschließlich eines Geschützturms. Am Ende lief es jedoch darauf hinaus, dass die Franzosen einen in Deutschland gebauten deutschen Panzer verwenden sollten. Man muss kein Experte in der damaligen Weltpolitik sein, um sich zu denken, wie dieses Konzept in Frankreich aufgenommen wurde.

Irgendwann im Verlauf der kurzzeitigen Annäherung müssen die Verantwortlichen von AMX jedoch die Gelegenheit gehabt haben, einen Blick auf die Entwürfe des Leopard 2 zu werfen. Vor allem die Panzerung muss es ihnen angetan haben, deren Luftspalten denselben Effekt hatten, wie Verbundpanzerung.

Diese und andere Erkenntnisse flossen in das EPC-Programm ein, das daraufhin zwei Panzermodelle hervorbrachte:

  • AMX-32 (bei dem es sich im Grunde um einen aufgerüsteten AMX-30B mit neuem Turm handelte)
  • AMX-40 (ein komplett neu entwickeltes Fahrzeug)

Beide Panzer waren auf den Export hin ausgerichtet (ihre AMX-30B-Panzer brachten die Franzosen auf AMX-30B2-Standard). Vor allem der AMX-40 stellte im Vergleich zum AMX-30B einen großen Entwicklungsschritt dar, was neben diversen neuen Komponenten vor allem der NATO-kompatiblen französischen 120-mm-Glattrohrkanone geschuldet war. Leider konnten beide Fahrzeuge kein Interesse bei potenziellen Käufern wecken. Doch ihr wahrer Wert bestand für die Ingenieure von AMX darin, ihnen Gelegenheit zur Entwicklung und Erporbung diverser Lösungen und Elemente zu bieten, die später beim Leclerc Verwendung finden sollten.

Derweil brachen die 1980er-Jahre an – eine turbulente Zeit, geprägt von schneller technologischer Entwicklung, bei der auch das EPC-Programm keine Ausnahme machte. In der ersten Hälfte der 1980er-Jahre entwickelten die Franzosen einen brandneuen Geschützturm namens TSC. Dieser zeichnete sich im Vergleich zu anderen NATO-Modellen vor allem durch die Präsenz einer automatisierten Lademechanik aus, die auch die Besatzung des Turms durch den Wegfall eines Ladeschützen auf zwei Mann reduzierte. Im Gegensatz zu den Deutschen bevorzugten die Franzosen den automatisierten Ladevorgang. Die Gründe dafür lagen in dem bereits erwähnten Personalmangel (derweil die Deutschen auf die Zuverlässigkeit eines menschlichen Ladeschützen setzen), sowie in der Größe und dem Gewicht der 120-mm-Projektile, die das Geschütz des zukünftigen Panzers füttern sollten.

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Im Jahr 1986 wurde das EPC-Programm in "Leclerc" umbenannt, zu Ehren von Philippe François Marie Leclerc de Hauteclocque, eines berühmten, 1947 verstorbenen französischen Panzerkommandanten aus der Ära des Zweiten Weltkriegs.

So entstand der erste Prototyp der Leclerc-Reihe – der MSC (Mulet Systéme Complet, bzw. Komplettes System-Versuchsmodell). Diese Studie unterschied sich noch wesentlich von dem späteren Leclerc-Modell der Produktionsserie und diente, wie der Name bereits andeutet, vor allem als Versuchsmodell für diverse Leclerc-Technologien, allen voran die automatisierte Ladeautomatik, die das Geschütz aus einem Magazin im Trumheck heraus bediente. Unser Modell bei Armored Warfare orientiert sich an diesem ersten Prototypen.

Der Panzer wog 52,7 Tonnen und verfügte über eine 3er-Besatzung. Die Verbundpanzerung mit Schichten aus Stahl und Aluminium bot einen Schutz, der dem des frühen Leopard 2 entsprach. Die vorderen Flanken wurden zusätzlich durch fragmentierte Schürzen geschützt, die in älteren Quellen als ERA-Segmente bezeichnet werden, auch wenn es wahrscheinlicher ist, dass es sich um NERA-Segmente handelte. Zusätzlicher Schutz wurde durch zwei Nebelmittelwurfanlagen des Typs GALIX gewährleistet.

Die Bewaffnung bestand im Wesentlichen aus der 120-mm-L/52-Glattrohrkanone GIAT CN 120-26, die von einem Creusot-Loire-Autolader bedient wurde und eine Kadenz von 10 Schuss pro Minute aufwies (und kurzzeitig auf 12 Schuss pro Minute erhöht werden konnte). Der Panzer führte insgesamt 40 Projektile mit sich, von denen sich 24 im Turmheck zum Direktzugriff des Autoladers befanden. Das Geschütz besaß ein Mündungskontrollsystem, eine Schutzummantelung und war voll stabilisiert. Der maximale Höhenrichtwert betrug +15 bzw. -8 Grad.

Es standen mehrere Geschosstypen aus französischer Produktion zur Verfügung, darunter:

  • OFL 120 G1 APFSDS-Projektil mit Wolframkern und einer Durchschlagsrate von 550 mm auf 2000 m bei 60 Grad
  • OECC 120 F1 HEAT-Mehrzweckprojektil mit einer Durchschlagsrate von 450 mm auf 2000 m bei 60 Grad
  • OE 120 F1 HE-Projektil

Das Fahrzeug verfügte über modernste Elektronik mit Laserentfernungsmesser, Panoramavisier, Wärmebildkamera für den Kommandanten und digitaler Feuerleitanlage. Spätere Prototypen wurden um den Vorläufer eines Schlachtfeldkontrollsystems erweitert.

Das Fahrzeug wurde von dem 16,47 Liter V8 Turbolader-Dieselmotor UNIDIESEL V8X 1500 mit 1500 PS angetrieben, der von einem Konzern namens Wärtsilä entwickelt wurde. Es ist im Grunde dasselbe Modell, das auch beim Serienmodell des Leclerc verwendet wurde, allerdings mit anderem Turbolader und einer anderen Bezeichnung. Der Motor wurde mit einem automatischen Getriebe des Typs SOMA Minerva ESM 500 gekoppelt und brachte das Fahrzeug auf bis zu 70 km/h (50 km/h im Gelände). Das Fahrzeug verfügte über eine konventionelle Torsionsstabaufhängung.

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Alles in allem war es ein gut bewaffneter und kompakter Panzer, im Vergleich zu anderen westlichen Panzern deutlich kleiner und relativ leichter, was dank des laistungsstarken Motors zu einer exzellenten Mobilität und Geländetauglichkeit führte.

Das Fahrzeug wurde zwischen 1986 und 1989 in unterschiedlichen Konfigurationen eingehend getestet, was zur Entwicklung der ersten echten Leclerc-Prototypen führte, die in einem noch größeren Ausmaß mit moderner Elektronik augestattet wurden. Diese Entwicklung verdeutlichte den größten Unterschied zwischen dem Leclerc und anderen westlichen KPz – den Einsatz digitaler Technologien. Der Leclerc verfügte bereits als Prototyp über eine Vielzahl von digitalisierten Systemen, mit deren Hilfe die Besatzung Systemmeldungen in Echtzeit erhalten konnte (erstes modernes Schlachtfeldkontrollsystem).

Die ersten drei im Jahr 1989 gebauten Prototypen erhielten die Spitznamen Arés, Bayard und Carnot. Drei weitere entstanden im darauffolgenden Jahr – Duroc, Estienne und Foch. Die Namen wurden bewußt mit Bezug auf die französische Kriegsgeschichte gewählt und bezogen dich vor allem auf die Kavallerie (Bayard war zum Beispiel ein legendärer Ritter). Alle sechs Prototypen durchliefen anspruchsvolle Testreihen (vor allem der Bayard wurde ordentlich in die Magel genommen) und wurden in deren Verlauf ständig modifiziert, um sie für alle potenziellen Bedrohungslagen zu wappnen. Parallel dazu wurden die Prototypen der Öffentlichkeit als die Zukunft der französischen Panzertruppen vorgestellt und große Produktionsmengen propagiert, wobei die ursprüngliche Planung nicht weniger als 1400 Fahrzeuge vorsah, die den AMX-30B im Einsatz der französischen Armee schnellstmöglich ersetzen sollten. Der Panzer erfüllte sämtliche Voraussetzungen und in den Augen der französischen Armee lief alles nach Plan – bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion. Aber das ist ein Thema für eine weitere Folge von "In Entwicklung".

Bei Armored Warfare wird der Leclerc Prototype ein Kampfpanzer auf Tier 7 sein. Ähnlich wie sein Vorgänger in der Fortschrittslinie wird auch er ein wendiger und mobiler KPz mit einem Panzerungsupgrade in Form der modularen Seitenschürzen sein. Er wird mit einer mächtigen 120-mm-Kanone ausgerüstet sein und sich vor allem durch die fortschrittliche Feuerleitanlage auszeichnen, mit der Gegner auf dem Schlachtfeld markiert werden können.

Alle paar Minuten wird er sämtliche gegnerischen Panzer in einem Umkreis von 100 Metern markieren können. Die markierten Ziele werden im Anschluss höheren Schaden nehmen (ähnlich wie bei der vergleichbaren Fähigkeit der SPz-Klasse). Dank dieser Eigenschaften wird sich der Panzer extrem gut für die Rolle als Speerspitze eines Angriffs eignen – oder um massenhaft gegnerische Ziele auszuschalten. Ein einziger Leclerc Prototype, der sich an eine Gruppe von Gegnern heranpirscht, kann den Ausgang der Schlacht bestimmen, indem er den durch sein Team verursachten Schaden gegen die markierten Ziele signifikant erhöht.

Wir hoffen, dass euch dieses Fahrzeug gefällt und sehen uns auf dem Schlachtfeld!

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