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In Entwicklung: KTO Rosomak

Der KTO Rosomak ist aktuell der Standard-Schützenpanzer der polnischen Armee. KTO steht dabei für Kołowy Transporter Opancerzony (Rad-Transportpanzer), während Rosomak auf Polnisch Vielfraß bedeutet. Der Name wurde im Zuge einer Umfrage der Militärzeitschrift Nowa Technika Wojskowa ausgewählt.

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KTO Rosomak

Das Modell wurde im Dezember 2002 als Gewinner eines Wettbewerbs zur Wahl des zukünftigen polnischen SPz gekürt, nachdem es sich gegen zwei Kontrahenten behaupten konnte - den Pandur II von Steyr-Daimler-Puch (Österreich) und den Piranha IIIC von MOWAG (Schweiz).

Der Rosomak ist im Kern ein modifizierter finnischer Patria AMV (Armored Modular Vehicle), der auch unter der Bezeichnung XC-360 bekannt ist. Die Wurzeln des XC-360 liegen im Mannschaftstransportwagen Sisu Defence XA-180, der wiederum in den frühen 1980ern entwickelt wurde, um den BTR-60PB im finnischen Dienst zu ersetzen.

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XA-180, Foto von Ville Paavolainen

Der erste XA-180-Prototyp wurde im Dezember 1983 ausgeliefert und die Serienmodelle wurden bereits 1984 als Teil des finnischen Kontingents bei der UN-Friedensmission auf den Golanhöhen im Norden Israels eingesetzt. Sisu Defence Oy schloss sich 1997 mit vier anderen Unternehmen zur Patria Public Limited Company zusammen und setzte die Entwicklung der Sisu-Panzerfahrzeuge unter dem Firmennamen Patria weiter fort.

Der XC-360 wurde als Nachfolger des exzellenten, jedoch in die Jahre gekommenen XA-180 konzipiert. Die Voraussetzungen für einen Nachfolger der finnischen SPz wurden 1999 festgelegt und legten besonderen Wert auf die modulare Natur des Fahrzeugs. Kurzum sollte der nächste SPz höchst individualisierbar sein und das möglichst unter Feldbedingungen. Als weitere Voraussetzung wurden verringerte Energieemissionen genannt, was die Tarnfähigkeiten des Fahrzeugs erhöhen sollte. Das erste Vorführmodell war 2000 fertig und der erste Prototyp des Fahrzeugs wurde 2001 vorgestellt. Zur selben Zeit begann die polnische Regierung mit der Suche nach einem Ersatz für die in die Jahre gekommene Flotte von OT-64 und BWP-1.

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XA-360

Pläne für einen neuen polnischen Schützenpanzer kursierten da schon seit längerer Zeit. Die standardmäßigen OT-64-SKOT-Varianten waren zu diesem Zeitpunkt schon längst ausgemustert, übriggeblieben waren nur spezialisierte Plattformen und technische Unterstützungsfahrzeuge. Zunächst wollte man nur eine kleine Anzahl moderner Fahrzeuge für Auslandseinsätze (vor allem UN-Friedensmissionen) erwerben. Mit der Zeit wurden die Pläne auf die gesamte SPz-Flotte ausgeweitet, die mit modernen Fahrzeugen ersetzt werden sollte. Auch die Anforderungen an die Bewaffnung änderten sich, man wollte weg von einzelnen Maschinengewehren und hin zu voll bewaffneten TPz- und MTW-Varianten.

Der erste, für Testzwecke vorgesehene XC-360 erreichte Polen am 20. Mai 2002 und wurde ohne den Delco-Turm geliefert, der in Siemianowice Śląskie von WZM (Wojskowe Zakłady Mechaniczne, offizieller Patria-Partner) angebracht werden sollte. Der Turm war mit der amerikanischen 25-mm-Maschinenkanone M242 Bushmaster ausgerüstet.

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KTO Rosomak

Das Fahrzeug wurde zwei Tage später den verantwortlichen Militärs und Vertretern der Presse vorgestellt, woraufhin am 24. Mai 2002 Testreihen mit zwei unterschiedlichen Türmen begannen (dem Delco-25 und dem OTO Melara Hitfist-25). Der Prototyp legte während der Tests 2700 km zurück und wurde anschließend zurück nach Finnland geschickt, um mit amphibischer Ausrüstung ausgestattet zu werden. Er kehrte im September nach Polen zurück und wurde der Öffentlichkeit währen der Militärmesse MSPO 2002 vorgestellt, dieses mal mit der unbemannten Waffenstation des Typs PML 127 OWS. Im selben Monat wurde der Prototyp zum Testgelände in Sulejówek für weitere Versuchsreihen gebracht (die sich auf die amphibischen Fähigkeiten konzentrierten).

Patria konnte den zweiten Prototypen Ende 2002 fertigstellen. Alles in allem verliefen die Tests zufriedenstellend und am 20. Dezember 2002 bestimmte das für die Vergabe des SPz-Auftrags verantwortliche Komitee des polnischen Verteidigungsministerium Patria als offiziellen Lieferanten des neuen Transportpanzers für die polnische Armee. Der am 15. April 2003 unterschriebene Vertrag bestimmte die Lieferung von 690 Fahrzeugen zwischen 2004 und 2013. Es war ein allgemein gehaltener Vertrag, in dem keine Einzelheiten des Fahrzeugaufbaus artikuliert wurden. Die polnische Konfiguration des XC-360, genannt XC-360P, würde zu einem späteren Zeitpunkt kommen, sobald die von Polen verlangten Änderungen an dem finnischen Originalmodell vorgenommen wären. Der Vertrag mit Patria wurde explizit mit dem Gewicht auf lizensierte Produktion in Polen abgeschlossen, um so den positiven Effekt auf die polnische Wirtschaft zu maximieren.

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KTO Rosomak

Die wichtigste Forderung der Polen bestand in einer Reduzierung des Gewichts. Der ursprüngliche XC-360 wog ungefähr 26 Tonnen, was bis auf mindestens 22 Tonnen reduziert werden musste, um den Flugtransport mit NATO-Maschinen vom Typ C-130 Hercules zu ermöglichen und die amphibischen Eigenschaften des Fahrzeugs zu erhöhen. Um diese Zielvorgabe zu erreichen, wurde die Panzerung dünner gestaltet. Der Schutzfaktor wurde von STANAG 4569 Stufe 6 (Schutz vor 30 mm APFSDS oder AP auf 500 m) auf Stufe 4 (Schutz vor 14,5×114 mm AP auf 200m) reduziert und die Treibstofftanks verkleinert. Auch die Breite des Fahrzeugs musste um 70 mm reduziert und die standardmäßige hydraulische Rampe am Heck durch eine konventionelle Zweiflügeltür ersetzt werden. Auf der anderen Seite wurde der XC-360P 80 mm höher als das Original.

Ein einsatzfähiger Prototyp des XC-360P mit der Bezeichnung PS-0, der die oben genannten Änderungen aufwies, ist 2004 fertig gewesen und am 31. Mai desselben Jahres erreichten die ersten zwei Serienfahrzeuge dieser Reihe (PL-1 und PL-2, beide in Finnland gebaut) den Hafen von Gdynia. Von dort aus brachte man sie in das Werk Siemianowice Śląskie, wo die Endmontage stattfand. Das Modell PL-1 wurde dabei dem OTO Melara Hitfist-30-P-Turm ausgestattet. Beide Fahrzeuge wurden weiteren Testreihen unterzogen, die sie zur vollen Zufriedenheit abschlossen, sodass am 30. Juni 2004 beide Einheiten zum Übungsgelände in Sulejówek überführt werden konnten, wo sie den Vertretern der Streitkräfte übergeben wurden und die offizielle Bezeichnung Rosomak erhielten.

Eigenschaften

Die 'finale' Kampfversion (mit Turm) des Rosomak wiegt ungefähr 22 Tonnen. Er ist 7,77 Meter lang, 2,83 Meter breit und 2.99 Meter hoch und besitzt eine durchschnittliche Bodenfreiheit von 43 cm, die um ca. 20 cm angepasst werden kann). Angetrieben wird er von einem 490-PS-starken 11,7-Liter-Turbodieselmotor vom Typ Scania DI 12 56A03PE mit automatischem ZF 7HP 902S Ecomat 8-Gang-Getriebe (7 Vorwärtsgänge, 1 Rückwärtsgang), der ihn auf bis zu 100 km/h beschleunigt (die durchschnittliche Schwimmgeschwindigkeit betrug 10 km/h). Die Wanne besteht aus ARMSTAL-500-Verbundpanzerung.

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KTO Rosomak

Das Fahrzeug ist mit dem italienischen OTO Melara Hitfist-30P-Turm ausgerüstet. Es ist ein Zwei-Mann-Turm mit der amerikanischen 30-mm-Maschinenkanone Mk.44 Bushmaster II und dem koaxialen polnischen 7,62-mm-Maschinengewehr UKM-2000C. Beide Waffen können um +60 Grad gehoben und um -10 Grad gesenkt werden.
Der Turm besteht aus Aluminium und Keramikelementen, zusätzlichen Schutz bietet eine Nebelmittelwurfanlage vom Typ SSP-1 Obra-3. Er basiert auf dem älteren italienischen Hitfist-25-Turm.

Die größte Veränderung gegenüber dem Hitfist-25 besteht in der geringeren Höhe des Turms, was auf die polnische Forderung zurückgeht, das Fahrzeug an den Transport mit dem C-130 anzupassen. Der Turm kann darüberhinaus mit zwei israelischen ATGM-Werfern vom Typ Spike-LR ausgerüstet werden - den Spike-Lenkflugkörpern wird nachgesagt, 700-mm-RHAe zu durchschlagen.

Der Richtschütze sitzt auf der rechten Seite des Fahrzeugs und bedient die Waffensysteme mithilfe des Tag/Nachtsichtsystems Kolsman DNRS-288, dem italienischen Wärmebildgerät Galileo Avionica TILDE FC und einem Laserabstandsmesser. Das Kampfgewicht des Turmsystems beträgt 2850 kg.

Produktion

Ein von Wojskowe Zakłady Mechaniczne betriebenes Fertigungswerk wurde in Siemianowice Śląskie eröffnet, während die Herstellung der Türme von Bumar-Łabędy in Gliwice übernommen wurde. Eine Charge mit 690 Fahrzeugen wurde zwischen 2002 und 2013 geliefert. Die Lizenzvereinbarung zwischen Patria und Wojskowe Zakłady Mechaniczne wurde 2013 um weitere zehn Jahre verlängert, wobei das Verteidigungsministerium die Anschaffung weiterer Rosomak-SPz bis zum 31. Dezember 2023 anvisiert.

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KTO Rosomak

Das Fahrzeug wurde im Afghanistankrieg eingesetzt, wo zu verschiedenen Zeiten um die hundert Einheiten von den dort stationierten polnischen Truppen eingesetzt wurden. Sechzehn Fahrzeuge wurden zusammen mit ca. 400 polnischen Soldaten im Zuge der EUFOR Tchad/RCA-Mission im Tschad eingesetzt. Während die Mission im Tschad relativ friedlich verlief, kamen die Fahrzeuge in Afghanistan öfters unter Beschuss und ein Rosomak-Richtschütze wurde getötet, als das Fahrzeug über einen improvisierten Sprengsatz fuhr.

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