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In Entwicklung: M108

Das Modell M108 ist eine selbstfahrende Haubitze, die im Update 0.19 von Armored Warfare als Teil von Zhang Fengs SFL-Linie ins Spiel kommen wird.

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Die Entwicklungsgeschichte des M108 reicht zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, als man zu der Einsicht kam, dass die zu jener Zeit standardmäßig von Panzerwagen oder gar Pferden gezogene Artillerie extrem anfällig für feindlichen Beschuss war. Problematisch war auch die dürftige Geländetauglichkeit (eine Ausnahme bildeten die sogenannten Gebirgsgeschütze) und eingeschränkte Schwenkfähigkeit, sowie das Unvermögen, mit den mechanisierten Einheiten schrittzuhalten.

Im Verlauf des Krieges entwickelte nahezu jede beteiligte Nation eine eigene Version von mechanisierter Artillerie, bei der ein großkalibriges Geschütz auf das Fahrgestell eines Kettenfahrzeugs montiert wurde. Besonders die Amerikaner waren auf diesem Feld sehr aktiv und die Entwicklung wurde auch nach dem Ende des Krieges fortgesetzt, was in der M109-Serie selbstfahrender Geschütze gipfelte, die seit den 1960er-Jahren bis heute produziert wird.

Die Basisanforderungen an die nächste Generation amerikanischer Selbstfahrlafetten wurden bereits in den späten 1940er-Jahren formuliert. Sie umfassten:

  • Komplett mit Ketten ausgerüstetes Fahrgestell (idealerweise einer bereits existierenden Plattform)
  • Auf einen Turm montiertes Geschütz (dabei sollte der Turm geschlossen sein, um Schutz gegen Beschuss zu bieten)
  • Vollständige Turmschwenkung (die Fahrzeuge sollten in der Lage sein, schnell zwischen den Zielen wechseln zu können)

Weitere Anforderungen bezogen sich auf die damals modernste Technologie, wie etwa ballistische Artillerieradare zur Feindortung.

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M108

Was das Geschützkaliber betrifft, so hatte man die Idee, zwei Arten von mechanisierter Artillerie einzuführen:

  • leichte Artillerie mit 105-mm-Kaliber
  • schwere Artillerie mit 155-mm-Kaliber

In den frühen 1950er-Jahren gab es den Vorschlag, ein spezielles Kaliber (110 mm statt 105 mm bzw. 156 mm statt 155 mm) und leistungsfähigere Geschosse einzuführen, doch die Artilleristen und Quartiermeister waren nicht gewillt, sich mit einer weiteren, separaten Versorgungskette herumschlagen zu müssen, weshalb die Idee recht schnell wieder verworfen wurde.

Im April 1953 autorisierte das Ordnance Tank-Automotive Command die Entwicklung zwei neuer Artilleriefahrzeuge, der selbstfahrenden Haubitzen T195 und T196, deren Produktion 1960 beginnen sollte. Auf das Modell T195 sollte ursprünglich eine 110-mm-Haubitze montiert werden, aus der relativ schnell (1956) eine 105-mm-Haubitze wurde, während für den T196 eine 156-mm-Haubitze geplant war (später geändert in eine 155-mm-Variante).

Der T195 sollte ein selbstfahrendes Geschütz der nächsten Generation werden. Seine Hauptaufgabe sollte darin bestehen, überall auf der Welt einsatzbereit zu sein, um angemessen auf die Gefahren des Kalten Krieges reagieren zu können, weshalb das Fahrzeug leicht zu transportieren sein sollte, vor allem nach Europa, wo am ehesten ein Angriff der Sowjets erwartet wurde.

Das Design war kompakt und dank der Aluminiumwanne relativ leicht. Es gab auch Ideen, das Fahrzeug amphibisch zu gestalten, was jedoch nicht mit dem Modell selbst erreicht wurde, sondern durch die Installation relativ sperriger Schwimmkörper, die schwer anzubringen waren, oft kaputt gingen und von den Besatzungen mit Leidenschaft gehasst wurden.

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Die Entwicklung der Modelle T195 und T196 lief Hand in Hand. Zwischen 1953 und 1956 wurden mehrere Konzeptstudien für den T195 und T196 vorgestellt, woraufhin im Oktober 1956 die eigentliche Entwicklungsphase am Detroit Tank Arsenal begann. Der erste Prototyp des T195 wurde im Oktober 1958 ausgeliefert und auf dem Testgelände in Fort Knox getestet, wobei kritische Probleme mit der Federung und Fahrzeugführung zu Tage traten, die die Entwicklung zwar erheblich verzögerten, am Ende jedoch behoben werden konnten.

Gleichzeitig erhielten die Fahrzeuge statt der älteren Benzinmotoren moderne Dieselmotoren (entsprechend dem Wechsel vom M48 zum M60), die ihnen eine größere Reichweite verliehen, den Treibstoffverbrauch senkten und die Wartung verbesserten. In dieser Konfiguration erhielt der 105-mm-Prototyp die Bezeichnung T195E1. Die Testläufe wurden 1960 fortgesetzt und verzögerten sich abermals durch Probleme mit der Federung und dem Fahrverhalten,

die auf Produktionsschwächen zurückzuführen waren, woraufhin im Jahr 1961 zwei weitere Prototypen gebaut und in Aberdeen getestet wurden. Dieses Mal funktionierten die für den T195E1 neu entwickelten Module einwandfrei, sodass die Prototypen T195E1 und T196E1 bei den Tests eine gute Figur machten. Die U.S.-Army gab im Dezember 1961 eine limitierte Produktion des Fahrzeugs in Auftrag. Diese startete 1962 und im Juli 1963 erhielt der T195E1 seine offizielle militärische Bezeichnung: M108, 105mm, Howitzer, Self-Propelled (M108, 105 mm, Haubitze, Selbstfahrend - der T196E1 erhielt die Bezeichnung M109).

Der M108 hatte eine Fünf-Mann-Besatzung (Sechs Mann beim M109) und wog 20,96 Tonnen. Wie bei dem niedrigen Gewicht nicht anders zu erwarten, war das Fahrzeug nicht sonderlich schwer gepanzert. Seine 32-mm-Aluminiumplatten der Kategorie 5083 waren dafür ausgelegt, Artilleriefragmente und Kleinkaliberwaffen abzuwehren, nicht jedoch schweren direkten Beschuss (trotz des Eindrucks, den die gewinkelte Frontalpanzerung erweckt). Angesichts seiner designierten Rolle als indirektes Feuerfahrzeug fiel diese schwache Panzerung nicht ins Gewicht.

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Die Hauptbewaffnung des Fahrzeugs bestand aus der 105 mm M103 Haubitze, die auf einem vollständig schwenkbaren Turm montiert wurde. Dank dieser Eigenschaft konnte das Fahrzeug seine Ziele schneller und effektiver ins Visier nehmen, als die älteren Kasemattenmodelle. Der Turm besaß keinen Schwenkmechanismus und musste von Hand gedreht werden. Das Kanonenrohr konnte sich um +75 Grad heben und -6 Grad senken, während die maximale Feuerrate bei 10 Schuss pro Minute lag. Dank des teleskopischen M118-Visiers war der M108 zu direktem Feuer fähig.

Das Fahrzeug wurde von einem 9,3 Liter Detroit Diesel 8V71T Supercharger V8 Dieselmotor angetrieben, der 340 PS aufbrachte. Das verlieh dem M108 ein Leistungsgewicht von 16 PS/t, sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 56 km/h.

Generell gesagt war der M108 kein sonderlich erfolgreiches Modell, vor allem im Vergleich zum M109. Die Produktion lief bis 1963 und umfasste bloß 355 Fahrzeuge.

Zu diesem Zeitpunkt entschied sich die U.S.-Armee dazu, das Artilleriekaliber der mechanisierten Divisionen auf 155 mm zu vereinheitlichen. Man einigte sich auf das größere Kaliber, weil man angesichts der Bedrohung durch sowjetische Panzer in Europa der Meinung war, die Artillerieeinheiten mit größerer Feuerkraft ausstatten zu müssen, sodass das 105-mm-Kaliber als überholt ausgemustert und der M108 die letzte amerikanische Selbstfahrlafette mit 105-mm-Geschütz sein würde.

Der einzige Kampfeinsatz des M108 fand im Zuge des Vietnamkriegs statt, wohin einige M108 und M109 verschickt wurden. Das dortige Gelände machte die Fortbewegung für Radfahrzeuge extrem schwierig, sodass die M108 und M109 aufgrund ihrer Fähigkeiten geschätzt wurden, den allgegenwärtigen Schlamm zu bewältigen, den Besatzungen ausreichenden Schutz gegen leichte vietnamesische Artillerieangriffe zu bieten und dank der uneingeschränkten Turmschwenkung Ziele in jeder Richtung anzugreifen, wozu gezogene Artillerie nicht in der Lage gewesen ist.

Auf der anderen Seite konnten die traditionellen Geschütze mit Hubschraubern transportiert und an entlegenen und schwer zugänglichen Orten eingesetzt werden, wozu die SFL natürlich nicht fähig waren. Sie blieben meist stationär als Teil amerikanischer Basen und boten indirektes Feuer oder verteidigten die Basen selbst.

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M108 in Vietnam

Desweiteren dienten die Fahrzeuge als Plattformen für direkte Feuerunterstützung oder wurden bisweilen zur Eskorte der ihnen zugewiesenen Einheiten eingeteilt. Und während die Feuerkraft der 105-mm-Haubitze nicht ausreichte, um gepanzerte Ziele auszuschalten, hatte sie gegen improvisierte vietnamesische Panzerstellungen oder Infanterieformationen leichtes Spiel. Solche Einsätze waren natürlich nicht ohne Risiko.

Die erste M108-Einheit wurde im Juni 1966 nach Vietnam verschickt und Mitte 1968 waren 36 M108 im Einsatz, die dort bis zum Rückzug der amerikanischen Truppen verblieben.

Nach dem Vietnamkrieg wurde der M108 kaum noch eingesetzt, einige Fahrzeuge passte man 1974 an die Anforderungen der OPFOR-Truppe an. Die Fahrzeuge wurden kurz nach dem Ende des Vietnamkriegs ausgemustert und anschließend an mehrere Länder verkauft, darunter:

  • Belgien (18 Fahrzeuge, ausgemustert in 1985)
  • Brasilien (72 Fahrzeuge, je nach Quelle immer noch im Einsatz oder kürzlich ausgemustert)
  • Spanien (48 Fahrzeuge, ausgemustert)
  • Taiwan (117 Fahrzeuge, ausgemustert)
  • Türkei (24 Fahrzeuge, vermutlich ausgemustert)

Eine belgische Nutzung des M108 soll noch kurz erwähnt werden, bei der die M108-Türme nach deren Ausmusterung mit M109A2-Wannen gepaart wurden und eine Variante mit dem Namen M108A2B ergaben. Dieses hybride Fahrzeug war nicht für den Kampfeinsatz gedacht, sondern für Trainingszwecke der belgischen Armee, die im Besitz großer Mengen 105-mm-Haubitzenmunition war. Auch Taiwan konvertierte seine M108, indem es den Turm entfernte und zwei unterschiedliche 155-mm-Haubitzenmodelle direkt auf das Fahrgestell montierte.

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M108 in Brasilien

Bei Armored Warfare wird die Panzerhaubitze M108 ein Direktfeuer-SFL-Fahrzeug (ehemals Artillerie) auf Tier 3 sein. Als erste ihrer Klasse wird sie in der Lage sein, mit ihrer 105-mm-Haubitze Ziele auf mittlere und weite Distanzen anzugreifen. Der für diesen Rang massive Schaden pro Schuss wird durch die relativ dünne Panzerung kompensiert, die von vielen Fahrzeugen überwunden werden kann, darunter jenen, die ausschließlich mit Maschinenkanonen bewaffnet sind. Vorsichtiges Spiel und geschickte Positionierung sind das A und O für die gesamte überarbeitete SFL-Klasse.

Weitere Informationen zu der überarbeiteten Artillerie findet ihr in unseren Artikeln zum Thema Balanceupgrade 2.0.

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