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In Entwicklung: M113 ACAV mit rückstoßfreiem Geschütz M40

Der gepanzerte Mannschaftstransportwagen M113 ist eines der gängigsten westlichen Fahrzeuge seiner Klasse, wird von rund einem Dutzend Armeen in der ganzen Welt verwendet und verrichtet seit mehr als fünfzig Jahren einen soliden Dienst. Im Laufe der Jahre wurde eine Vielzahl von Varianten gebaut und der M113 nahm an zahlreichen bewaffneten Konflikten teil.

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M113 ACAV im vietnamesischen Kriegsmuseum in Saigon

Zum Beispiel im Vietnamkrieg, wo er in großen Zahlen zum Einsatz kam und wo seine kastenartige Form zu einem der Symbole des brutalen Konflikts avancierte. Trotz seiner Allgegenwart, war der M113 nicht an den Kampf im Dschungel und in urbaner Umgebung angepasst, der für den Vietnamkrieg so typisch war. Seine Aluminiumpanzerung bot keinen ausreichenden Schutz, selbst schweres Maschinengewehrfeuer konnte den Schutzmantel durchschlagen und die Besatzung verletzen oder töten. Was die Sache noch gefährlicher machte, war die Verwendung des drehzapfengelagerten schweren Browning-Maschinengewehrs M2, das in der Originalversion keinerlei Schutzvorrichtung besaß.

Die findigen südvietnamesischen und amerikanischen Truppen ließen sich einiges einfallen, um die Situation zu verbessern, was zur Entwicklung mehrerer Varianten führte, darunter den M113 ACAV.

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M113 von einer RPG getroffen, Vietnam

ACAV steht dabei für Armored Cavalry Assault Vehicle ("Angriffsfahrzeug der gepanzerten Kavallerie"), was den Übergang von der traditionellen Rolle als "Schlachttaxi" zu einem regulären Schützenpanzer markierte. Der M113 sollte nicht länger ausschließlich dazu eingesetzt werden, Truppen in der Gegend herumzufahren und sich zurückzuziehen, sobald es heiß wurde, sondern die Infanterie mit seinen Waffen aktiv im Kampf unterstützen.

Streng genommen wurden die ersten ACAV-Fahrzeuge nicht von den Amerikanern, sondern von ihren südvietnamesischen Verbündeten entworfen, die den M113 aktiv im Kampf einsetzten. Um das Problem mit der ausgesetzten Position des Kommandanten zu beheben, wurde das Fahrzeug mit einem gut geschützten 12,7-mm-Maschinengewehr aufgerüstet. Oft wurden zusätzlich leichte Maschinengewehre (7,62 mm M60) am hinteren Teil des Fahrzeugs montiert. Auch die Panzerung wurde durch die Anbringung zusätzlicher Platten verstärkt, speziell am unteren Bereich, um die Insassen vor Minenexplosionen zu schützen, wobei neben Stahl auch andere Materialien zum Einsatz kamen.

Die ersten vietnamesischen ACAV tauchten im Jahr 1963 auf. Zu diesem Zeitpunkt gab es keine einheitlichen Standards, jede Einheit bediente sich der Ressourcen, die sie vorfand und stellte die zusätzlichen Panzerungsplatten aus Wrackteilen anderer Panzerfahrzeuge her. Diese Modifikationen stellten sich als äußerst erfolgreich heraus und viele, wenn nicht alle vietnamesischen M113 wurden auf diese Art und Weise aufgewertet. Die Überlebensrate der M113-Besatzungen erhöhte sich spürbar. Das zusätzliche Gewicht beeinträchtigte die Offroad-Fähigkeiten des Fahrzeugs.

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M113 ACAV in Vietnam

Die Amerikaner übernahmen die Idee der zusätzlichen Schilde, sodass um 1965 die Produktion eines ACAV-Sets (passend für alle M113-Varianten, auch wenn die meisten an der M113A1-Variante angebracht wurden) in den Vereinigten Staaten und auf Okinawa anlief. Diese Sets wurden anschließend von den Truppen im Feld anmontiert, später stattete man die M113-Einheiten bereits in den USA mit den Erweiterungen aus. Im großen Stil wurde die ACAV-Variante erstmals während der Operation Cedar Falls im Januar 1967 von der 11th Armored Cavalry eingesetzt. Viele dieser Modelle wurden später als Begleitfahrzeuge für Konvois eingesetzt.

Auch wenn das Programm insgesamt ein Erfolg war, kam es doch manchmal zu Situationen, in denen ein "Extrakick" benötigt wurde. Während die Kriege im Nahen Osten schon damals unter Einsatz zahlreicher Panzer und Truppentransporter geführt wurden, war der vietnamesische Dschungel für den großangelegten Einsatz gepanzerter Fahrzeuge eher ungeeignet.

Und doch gab es Situationen, in denen Gefechte mit der Feuerkraft einiger Panzereinheiten hätten entschieden werden können, weshalb man einige ACAV-Fahrzeuge mit dem rückstoßfreiem 106-mm-Geschütz M40 ausstattete.

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M113 ACAV feuert mit einem M40, Cambodia, 1974

Ähnlich wie andere Geschütze seiner Klasse, basierte auch das in den frühen 1950er-Jahren entwickelte Modell M40 auf den im Verlauf des Zweiten Weltkriegs gemachten Erfahrungen und sollte den Infanterieeinheiten eine Möglichkeit geben, feindliche Panzer und gepanzerte Stellungen anzugreifen. Das Gewicht der Waffe sollte dabei auf ein Minimum reduziert werden. Rückstoßfreie Geschütze sind viel leichter, mobiler und einfacher zu bedienen, als klassische Sturmgeschütze oder leichte Feldgeschütze, besitzen aber auch einige Nachteile - ihre Reichweite ist begrenzt, die Mündungsgeschwindigkeit relativ klein und sie sind nicht in der Lage, panzerbrechende Munition zu verwenden. Stattdessen kommen HEAT-Geschosse zum Einsatz und die massive Explosion beim Abschuss (gefolgt von einer Staubwolke in trockener Umgebung) machte das Fahrzeug für den Feind gut sichtbar, sodass im Gefecht ständig die Position geändert werden musste.

Das M40 kam erstmals im Koreakrieg zum Einsatz, wo es erfolgreich gegen die nordkoreanischen T-34 eingesetzt wurde. Ähnlich wie der M113 blieb es mehrere Jahrzehnte im Gebrauch und fand den Weg in viele Armeen rund um den Globus, wo es mancherorts immer noch im Einsatz ist - in den letzten Jahren tauchte die (immer noch produzierte) iranische Kopie in Syrien und Libyen auf.

Das M40 ist primär in der Lage, HEAT- und HE-Munition zu verschießen, auch wenn einige Spezialgeschosse mit dem Geschütz kompatibel sind (wie z.B. Flechette-Geschosse). Die Mündungsgeschwindigkeit beträgt ca. 500 m/s und die maximale effektive Reichweite für HEAT-Geschosse 1,3 bis 2 km. Man sollte dabei nicht vergessen, dass die HEAT-Munition der Vietnam-Ära weitaus weniger effektiv war, als die heutigen Modelle, die bis zu 700 mm Panzerung durchbrechen, während es damals gerade mal 400 mm gewesen sind.

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M113 ACAV in Vietnam

Bei den ACAV-Fahrzeugen wurde das M40 am hinteren Teil des Wagens montiert. Das für die Bedienung des Geschützes verantwortliche Besatzungsmitglied musste sich dafür zwar in eine exponierte Stellung begeben, trotzdem ermöglichte es den Einsatz schwerer Geschütze in Umgebungen, die für reguläre Panzer unzugänglich waren. Die Hauptaufgabe bestand dabei nicht darin, gegnerische Panzer außer Gefecht zu setzen (die Mengen der nordvietnamesischen Panzerfahrzeuge hielten sich in Grenzen), sondern die zahlreichen gepanzerten Stellungen und Barrikaden aus dem Weg zu räumen. Das M40 machte dabei einen exzellenten Job.

Es gab viele unterschiedliche M40-Konfigurationen des ACAV, von denen die meisten nach dem Ende des Vietnamkriegs von der Bildfläche verschwanden. Manche wurden den kambodschanischen Khmer-Truppen vermacht. Hunderte von M113-Einheiten landeten in den Händen der Nordvietnamesen, viele von ihnen in der ACAV-Variante. Wie viele von ihnen mit rückstoßfreien Geschützen ausgestattet waren, ist unbekannt, es mögen mehrere Dutzend gewesen sein.

Bei Armored Warfare wird der ursprüngliche Tier-1-M113 zwar durch den M48 ersetzt, doch die Plattform selbst wird in etwas abgeänderter Form weiterhin erhältlich sein. Mehr Informationen dazu folgen in Kürze!

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