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In Entwicklung: Objekt 187

Es ist hinlänglich bekannt, dass die sowjetische – oder besser russische – Notwendigkeit, den alternden T-72 zu verbessern, dazu führte, dass eine modernisierte Weiterentwicklung dieses Panzers, auch bekannt als Objekt 188, das Licht der Welt erblickte: der Kampfpanzer T-90. Allerdings – wie so oft wenn es um die Entwicklung von Panzern geht – existierten mehrere Programme gleichzeitig, die ein ähnliches Ziel hatten. Objekt 187 war eines dieser Projekte.

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Objekt 187 sb5 oder sb6

Wie bei so vielen sowjetischen Konzeptionen sind auch in diesem Fall die zur Verfügung stehenden Informationen eher rar gesät. Die Entwicklung begann im Juni 1986 unter der Leitung von Uralwagonsawod als Teil eines Forschungs- und Entwicklungsprogramms, das den Namen "Verbesserung des T-72B" trug. Den Auftrag hierfür erhielt Uralwagonsawod seitens des sowjetischen Verteidigungsministeriums am 19. Juni 1986. Die Entwicklung des Objekt 187 verlief praktisch parallel zu der des Objekt 188. Wie der Name des Projekts vermuten lässt, war es das Ziel, einen sinnvollen Ersatz für den T-72B zu entwickeln.

Während beide Konzeptionen auf dem T-72 basierten, stellte der Objekt 187 eine modernere Variante dar. Im Gegensatz zu seinem Bruder war der Objekt 187 allerdings das Resultat einer Initiative, die von einer Firma und nicht vom Militär ausging. Dies war während der Sowjetzeit etwas Ungewöhnliches, da die Gelder für neue Projekte begrenzt waren. Jedoch konnte sich Uralwagonsawod als Produzent des T-72 Projekte leisten, die anderen Werken und Entwicklungsbüros versagt blieben. Das Designteam wurde dabei von V. I. Potkin angeführt, der infolge des T-90 "Vladimir", der nach ihm benannt wurde, zu einiger Berühmtheit kam. Kontrolleur und Aufsichtsperson des Projekts war hingegen A. S. Sheglachev.

Auf den ersten Blick sieht der Objekt 187 wie ein weiterer gewöhnlicher Panzer der Sowjetzeit aus. Unter seinem klassischen Äußeren verbergen sich jedoch einige signifikante Unterschiede. Zum Einen wurde die frontale Wanne wesentlich überarbeitet. Bei vorherigen Panzern (bis zurück zum T-64) saß der Fahrer stets rechts unterhalb der oberen Frontplatte, samt seiner Luke und seinen optischen Anzeigeinstrumenten. Die Wanne des Objekt 187 war verlängert und der Fahrer wurde weiter hinten platziert – seine Luke und seine optischen Anzeigeinstrumente waren nun nicht mehr länger Teil der oberen Frontalplatte, sondern des Dachs der Frontalwanne. Diese Lösung erlaubte eine Neukpnzeption der oberen Frontplatte selbst, wodurch diese widerstandsfähiger gegen Geschosse wurde, die in den 1980er Jahren Verwendung fanden.

Das Fahrzeug erhielt außerdem einen neuen, geschweißten Geschützturm. Dies war zwar ein modernes Feature, aber keines, dass diesem Fahrzeug eigen war. Zur gleichen Zeit wurden geschweißte Türme für den Objekt 188 (durch Uralwagonsawod) und für den T-80UD (in Kharkov) entwickelt. Die Turmvariante des Objekt 187 fiel allerdings größer aus als jene, die für andere Panzer entwickelt wurden. Neben den Kompositstahlplatten wurde der Geschützturm ferner durch eine ERA-Panzerung der neusten Generation geschützt. Angeblich handelte es sich um einen direkten Vorgänger des modernen Relikt-ERA-Kits mit der Designation Malakith. Zusätzlicher Schutz wurde letztendlich durch eine Shtora-soft-kill-APS sowie ein 902B Rauchgranatenwerfersystem gewährleistet.

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Objekt 187 sb5 oder sb6

Das Fahrzeug war mit einer neuen 125 mm 2A66 Glattrohrkanone ausgestattet, die wesentlich mehr Feuerkraft als die ältere 2A46M des T-72B besaß. Der größte Unterschied dieser Kanonen im Vergleich zu anderen sowjetischen 125 mm Sturmgeschützen war allerdings das Vorhandensein einer Mündungsbremse. Eigentlich handelte es sich nicht wirklich um eine Mündungsbremse. Es lag vielmehr ein Instrument vor, um die Gase abzuleiten, die infolge eines kanonenlancierten Lenkflugkörpers entstehen. Eine neue mächtige ZBM-"Anker"-APFSDS-Granate (abgereichertes Uranium) wurde speziell für diese Kanone entwickelt. Somit war es dem Panzer möglich, jede Bedrohung auf dem Schlachtfeld auszuschalten. Die Kanone wurde dabei durch eine neuartige Feuerleitanlage kontrolliert. Diese galt während der Zeit ihrer Fertigstellung als die weltweit beste ihrer Art. Was die Mobilität anbelangt, so wurden verschiedene Motoren- und Getriebekombinationen beim Objekt 187 ausgetestet, einschließlich eines Turbinenmotors. Letztendlich entschied man sich für den aussichtsreichen Chelyabinsk-A-85-2-Motor (1200 PS).

Insgesamt gab es 6 Prototypen, die zwischen August 1988 und April 1991 gebaut wurden. Der Bau erfolgte in drei Schüben, die sich alle voneinander unterschieden.

Die erste Serie enthielt 3 Prototypen (designierte Objekt 187, sb1, sb2 und sb3). Die Serie wurde zwischen Juni 1986 und 1989 entwickelt, wobei die Prototypen im August 1988 fertiggestellt wurden.

Die ersten beiden Fahrzeuge (designierte Objekt 188, sb1 und sb2) waren diejenigen, die dem Objekt 188 (dem zukünftigen T-90) in Sachen Entwurf am meisten ähnelten. Beide verfügten über einen Gussturm (ähnlich eines standardisierten T-72) verfügten allerdings im Vergleich zu existierenden sowjetischen KPz über eine verlängerte Frontwanne mit verbesserter Panzerungsneigung. Hierdurch stieg einerseits die Widerstandskraft stark an und andererseits wurde die Position des Fahrer, wie bereits erwähnt, in Richtung Hinterteil verlegt. Dies erlaubte es den Designer, die Fahrerluke von der oberen Frontalplate zu entfernen, wodurch eine weitere Schwachstelle beseitigt wurde. Die Fahrzeuge wurden ferner mit einem Kontakt-5 ERA-Kit ausgestattet.

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Objekt 187

Der erste Prototyp wurde durch einen V12-Dieselmotor des Typs V-84MS (840 PS) angetrieben, der von Tscheljabinsk entwickelt wurde. Der Motor als auch das Getriebe wurden später für den Objekt 188 übernommen, ohne allzu viele Änderungen vorzunehmen. Nach einigen Tests wurde der Prototyp wieder auseinandergenommen. Seine Wanne wurde für den späteren dritten Prototypen verwendet.

Der zweite Prototyp wurde von einem Turbodieselmotor des Typs V-85 V12 (1000 PS) angetrieben. Dessen Fähigkeit, bei hohen Temperaturen einwandfrei zu funktionieren, wurde in Turkmenistan ausgiebig getestet. Nach einigen Korrekturen wurde das Fahrzeug zunächst – wieder zurück in Russland – getestet und dann für Rüstungstests verwendet. Wie sich herausstellte, lag ein exzellentes Level an Schutz vor. Diese Tests sorgten allerdings dafür, dass das Fahrzeug hinterher nicht mehr zu gebrauchen war. Folglich wurde die Wanne entsprechend eingschmelzt, um als Schrott verwendet zu werden.

Der dritte Prototyp (designierte Objekt 187 sb3) wurde nie vollständig fertiggestellt. Im Prinzip handelte es sich um eine sb2-Wanne, die für verschiedene strukturelle Tests verwendet wurde. Im Gegensatz zu den beiden ersten Prototypen war dieser mit einem neuen Geschützturm ausgestattet, der mit 40 mm dicken Panzerungsplatten verschweißt wurde. Der Turm ähnelte dem Design der aktuellen T-90A-, T-90S- und T-90SA-Panzer. Es gab jedoch minimale Abweichungen. Die Wanne entsprach derjenigen, die beim sb2-Prototyp verwendet wurde. Das Fahrzeug wurde außedem aus experimentellen Gründen mit einem Prototyp-APS und, ebenso wie sein Vorgänger, einem Kontakt-5-ERA-Kit ausgestattet.

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Ferner wurde die Federung ein wenig verbessert – das Fahrzeug erhielt einen Stoßdämpfer, was die 5. Laufrolle anbelangt (vorherige Versionen wiesen stets nur einen solchen Dämpfer bei der ersten und sechsten Laufrolle auf). Der sb2-Motor wurde infolge eines Experiments durch die GTD-1250-Gasturbine eines T-80U ersetzt. Hierbei handelte es sich mehr oder weniger um eine politische Entscheidung – diejenigen, die zur damalign Zeit den Einsatz von Gasturbinen vertraten, waren (gemeinsam mit ihren Herstellern) auch diejenigen, die die Macht im Hinblick auf den Beschaffung von Fahrzeugen innehatten. Und Uralwagonzawod wollte beweisen, das auch sie in der Lage waren, Turbinenpanzer zu entwickeln. Allerdings war es mit Fahrzeugen – die beides besaßen, Turbinen und Dieselmotoren – möglich, die Vorteile von leistungsstarken Dieselgeneratoren als auch gleichzeitig die zahlreichen Nachteile von Panzern aufzuzeigen, die mit Turbinen angetrieben wurden. Das teilweise fertiggestellte Fahrzeug wurde zunächst in Nizhnij Tagil und später dann in Kubinka getestet.

Der vierte Prototyp (Objekt 187 sb4) repärsentiert die zweite Serie des Projekts und stellt eine signifikante Verbesserung dar, die auf den erfolgreichen Jahren der Forschung 1989 und 1991 basierte. Das Fahrzeug wurde im Juni 1990 gebaut. Seine Hülle ähnelte der des dritten Prototyps (bis sb3 in ein Turbinenfahrzeug umgebaut wurde), es erhielt allerdings einen neuen, wesentlich größeren, geschweißten Turm. Als Antriebselement fungierte dabei ein Motor des Typs A-85-2 1200hp. Andere Änderungen umfassen:

  • Verbesserungen der Federung
  • Eine verbesserte Abgaskühlung, wodurch der thermische Fußabdruck des Panzers reduziert wurde
  • Ein neues ERA-Kit, das das ältere Kontakt-5-Kit ersetzte

Dieser Prototyp wurde ferner in Kubinka getest, bevor das Projekt die finale Phase erreichte.

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Der fünfte und sechste Prototyp (Objekt 187 sb5 und sb6) waren die letzten Versionen dieses Projekts. Sie stellen die dritte Serie dar. Sie wurden zwischen 1991 und Juni 1993 entwickelt und schließlich im April 1991 zusammengebaut. Die beiden Prototypen stellen die größte Abkehr der vorherigen Konzepte dar, weisen sie doch eine ganze Reihe an Veränderungen auf:

  • Weitere Erweiterungen der Frontalwanne sowie eine veränderte Form, die maxiamlen Schutz bot
  • Die Luke des Fahrers und seine optischen Anzeigen wanderten abermals nach hinten
  • Der Geschützturm wurde sogar noch größer angelegt (er war jetzt 3,12 m breit) Seine Seitenverteidigung wurde wesentlich gestärkt. Ferner wurde seine Rückseite breiter und mit großen Werkzeugkästen aus Aluminium erweitert
  • Das alte Kontakt-5-Set wurde (wie beim Prototyp 4) durch ein neues ERA-Set ersetzt
  • Die Seiten der Wanne wurden durch eine 4 mm dicke Käfigpanzerung beschützt
  • Eine große Anzahl kleiner Unterschiede so wie unterschiedliche Typen an Laufrollen

Wie der 4. Prototyp wurden beide Fahrzeuge durch einen A-85-2-Motor angetrieben (1200 PS), hatten allerdings verschiedene Getriebe. Der sb5 verfügte über ein mechanisches und der sb6 über ein experimentelles hydrostatisches Getriebe. Meist bezieht man sich auf diese Prototypen, wenn man über den Objekt 187 spricht. Sie verfügten über die neuste Kanone und waren visuell sehr spezifisch, und sei es auch nur dank der Mündungsbremse.

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Beide schlugen sich ziemlich gut und Uralwagonzawod investierte ziemlich viele Ressourcen in den Bau des Objekt 187, den nächsten standardisierten Sowjetpanzer. Am Ende scheiterte der Panzer allerdings nicht an der Bewaffnung seiner Feinde, sondern am Fluch aller russischen Superpanzer der 1980er und 1990er Jahre – dem Geld. Die Sowjetunion löste sich im Dezember 1991 auf und ihrem Nachfolger, der Russischen Föderation, mangelte es an den Ressourcen, um das kostspielige Wettrüsten mit den Vereinigten Staaten fortzusetzen. Es handelte sich um eine dunkle Stunde des russischen Militärs – viele Projekte wurden eingestampft.

So erging es Objekt 187. Der Panzer war ausgezeichnet jedoch entschied sich Russland für einen konventionelleren und günstigeren Nachfolger in Form des T-90. Bis heute existieren noch vier Prototypen, die langsam auf den ausgedehnten Feldern um die Kubinka-Militäranlage dahinrosten – ein trauriges Ende für diese ansonsten ausgezeichneten Maschinen.

Allerdings waren nicht alle Forschungen dieses Projekts vergeblich. Einige Elemente und Lösungen wurden später während der 2000er Jahre für den T-14-Armata-Panzer der nächste Generation verwendet. In Armored Warefare basieren die Modelle des Objekt 187 auf der dritten Serie (der Prototypen 5 und 6). Es wird sich um ein Premiumfahrzeug eines hochrangigen Tiers handeln und schon ziemlich bald mitsamt dem Update 0.20. veröffentlicht werden. Weitere Fahrzeuge, einschließlich vollständiger Fortschrittslinien, sind für die nähere Zukunft geplant.

Wir sehen uns auf dem Schlachtfeld!

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