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In Entwicklung: T-55M1

Die T-54/55-Panzerfamilie umfasst ohne Zweifel einige der bekanntesten Panzerfahrzeuge aller Zeiten. Die charakteristische Silhouette gehörte zu den ikonenhaften Symbolen des Kalten Krieges, das die Macht der sowjetischen Panzertechnologie repräsentierte und sich diesen Rang auch von moderneren Fahrzeugen nicht streitig machen ließ. Mit ungefähr hunderttausend gebauten Fahrzeuge gehört die T-54/55-Serie zu den meistgebauten Panzerserien aller Zeiten. Die Panzer wurden in großen Mengen exportiert und von zahlreichen Ländern betrieben.

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Der T-55 selbst wurde als Kampfwertsteigerung des in die Jahre gekommenen T-54 entwickelt, der wiederum aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammte. Der erste Prototyp erhielt die Bezeichnung Objekt 155. Er wurde im Sommer 1957 im Werk Nr. 183 in Nischnij Tagil von einem Team unter der Führung von L.N. Kartsew entwickelt. Sein Hauptvorteil gegenüber Konkurrenzprojekten innerhalb der Sowjetunion bestand in den relativ geringen Kosten einer Kampfwertsteigerung im Vergleich zum Aufwand eines komplett neuen Panzermodells.

Das Programm basierte auf dem T-54B und umfasste einige wesentliche Verbesserungen, darunter:

  • Die Kapazität der mitgeführten Projektile erhöhte sich von 34 auf 43
  • Die 12,7 mm Flugabwehr-MG DSchKM wurde entfernt
  • Neue, verbesserte Nachtsichtausrüstung wurde installiert
  • ABC-Schutz (die Wann konnte unter Druckluft gesetzt werden)
  • Die neue Feuerlöschanlage Rosa wurde installiert
  • Eine Nebelanlage zur Sichtblendung wurde eingebaut, die 2-4 Minuten lang einen 250-400 Meter großen Nebelschirm kreieren konnten
  • Die Leistung des Motors wurde von 520 auf 580 PS gesteigert
  • Die Kapazität des externen Treibstofftanks wurde erhöht
  • Weitere kleinere Optimierungen wurden umgesetzt

Der Panzerungsschutz wurde im Vergleich zum T-54 nicht wesentlich geändert - um Gewicht einzusparen, verringerte man die Panzerungsstärke am Heck von 45 auf 30 mm (oberes Heck) und von 30 auf 20 mm (Motor), wobei die Stärke des Motordecks selbst von 20 auf 15 mm reduziert wurde. Auch die Luke des Ladeschützen wurde im Zusammenhang mit dem Wegfall des Maschinengewehrs am Turm umgestaltet. Dank des V-55-Motors mit 580 PS war der Panzer zwar relativ schnell (bis zu 50 km/h), die Bewaffnung allerdings blieb gleich (100 mm D-10T2S Zugrohrkanone) und trug ihren Teil dazu bei, dass das Modell schnell als überholt galt und durch den T-62 ersetzt wurde.

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Zwei Prototypen wurden gebaut und zwischen dem Winter 1957 und dem Frühling 1958 getestet. Die Tests verliefen erfolgreich und das Fahrzeug wurde im Mai 1958 unter der Bezeichnung T-55 in den Dienst akzeptiert.

In den 1960er und 1970er Jahren galt der T-55 immer mehr als überholt, was für die Sowjetunion und den gesamten Warschauer Pakt zusehends zum Problem wurde, dessen Panzerflotten von der T-54/55-Serie dominiert war. Man erkannte dies in allen Ländern des Warschauer Paktes und arbeitete jeweils an eigenen Verbesserungen, was in einer ansehnlichen Zahl nationaler und sowjetischer Varianten des T-54 und T-55 resultierte, die mehr oder weniger gleich aussahen und ähnlich funktionierten. Die Verbesserungen bezogen sich hauptsächlich auf:

  • Panzerung (oft in der Form von zusätzlichen Platten an Turm und Wanne oder durch Installation eines ERA-Pakets)
  • Feuerkraft (durch die Entwicklung von kanonenlancierten Raketen und die Installation neuer Feuerleitanlagen)
  • Mobilität (Aufwertung des bestehenden Motors bzw. Einführung eines kräftigeren Motors)

Der sowjetische T-55M gehörte zu diesen kampfwertgesteigerten Varianten. Seine Entwicklung wurde am 25. Juli 1981 beschlossen und das (ziemlich optimistische) Ziel bestand darin, den Schutz und die Feuerkraft des T-55 auf eine Stufe mit dem T-64A/T-72 zu bringen.

Die von KTBM in Omsk entwickelte Version wurde im April 1983 fertig und bestand aus einem Modernisierungspaket für die T-55-Varianten - der aufgewertete T-55 erhielt die Bezeichnung T-55M, aus dem aufgewerteten T-55A wurde der T-55AM.

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T-55M

Die Panzerung des Panzers wurde verbessert, indem man BDD-Zusatzpanzerung an der oberen Wannenfront anbrachte und BDD-Panzerpaneele an besonders anfälligen Frontbereichen montierte, die in manchen westlichen Publikationen "Iljitschs Augenbrauen" genannte werden.

Bei der BDD-Panzerung handelt es sich nicht um ein simples Zusatzpanzerungsset - die Stahlplatten an der Außenseite sind ca. 3 cm dick (6 cm am Turm) und das Innere besteht aus dünnen (5 mm), angewinkelten Stahlplatten und einer Polyurethan-Füllung. Die BDD-Panzerung der Wanne war ca. 15 cm dick und die Panzerungsstärke des geschwungenen betrug ca. 20 cm.

Auch wenn diese Panzerung relativ viel Platz einnahm, erhöhte sie den Schutz gegen HEAT-Projektile. Im Endergebnis betrug der frontale Panzerungsschutz gegen HEAT-Projektile 450-490 mm, gegen APFSDS-Projektile - 320-380 mm. Der Anstieg des Schutzfaktors war mit dem der frühen Varianten der Chobham-Panzerung vergleichbar. Für sich genommen betrug das Gewicht des BDD-Panzerungspakets ca. zwei Tonnen.

Neue Anti-HEAT-Gummipaneele wurden an den Seiten einiger Fahrzeuge angebracht, auch wenn diese Aufrüstung rein optional war. Schließlich wurde auch der vordere Teil der Unterseite aus Gründen des Minenschutzes mit einer zusätzlichen 20-mm-Panzerungsplatte ausgerüstet.

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Zu den weiteren Schutzmaßnahmen gehörte einen neue 81-mm-Nebelmittelwurfanlage vom Typ 902B Tucha und das Anti-Napalmsystem Soda.

Eine weitere große Änderung betraf die Feuerkraft. Das Fahrzeug behielt seine 100-mm-Kanone vom Typ D-10T2S (mitsamt neuer Hitzeummantelung), die um die Feuerleitanlage Volna erweitert wurde, bestehend aus:

  • Laserabstandsmesser KTD-5
  • Ballistischer Computer BV-62
  • Kanonenvisier TShSM-32PB
  • Stabilisierung Ciklon M1

Das erhöhte die Präzision bereits erheblich, doch die Zerstörungskraft des Fahrzeugs wurde noch durch eine weitere Komponenten erweitert - das Raketensystem Bastion 1K116-1, mit dem das Fahrzeug Lenkflugkörper mit dem Hauptgeschütz abfeuern konnte. Das Bastion-System verwendete spezielle 3UBK10-1-Munition und verschoss 9M117-Raketen, die bis zu 750 mm Stahl durchschlagen konnten. Die Mindestreichweite betrug 100 Meter, die Höchstreichweite 4000 Meter und die durchschnittliche Geschwindigkeit der 9M117-Raketen 370 m/s.

Das einzig problematische an dem Bastion-System war nicht dessen Effizienz (es konnte praktisch jeden zeitgenössischen Panzer außer Gefecht setzen), sondern der Preis. Zwei Lenkflugkörper kosteten nahezu so viel, wie ein ganzer Panzer.

Das Gewicht des Fahrzeugs erhöhte sich aufgrund der Änderungen von ursprünglich 36 auf nunmehr 40,9 Tonnen. Um diesen Gewichtsanstieg zu kompensieren, wurde das Fahrzeug mit einer modernisierten Variante des klassischen V-55 Motors mit der Bezeichnung V-55U, der 620 statt 580 PS Leistung aufbrachte. Auch beim Laufwerk wurden einige Änderungen vorgenommen und der Antriebsritzel erhielt eine Schutzvorrichtung, die die Kette davor bewahrte, von ihm abzufallen. Das Fahrzeug erhielt auch neue Gelenke, was die Geländetauglichkeit des Panzers erhöhte.

Es gab vier Untertypen des T-55M:

  • T-55M (wie oben beschrieben)
  • T-55M1 (das gleiche Fahrzeug ohne Bastion-System)
  • T-55M-1 (T-55M mit 690 PS V-46-5M statt dem V-55U)
  • T-55M1-1 (T-55M ohne Bastion-System mit V46-5M-Motor)

Die einzelnen Varianten sind visuell nur schwer von anderen modernisierten Versionen zu unterscheiden, sodass viele der kursierenden Fotografien des T-55M in Wirklichkeit polnische oder tschechoslowakische Versionen darstellen. Der sowjetische T-55M wurde zum T-55MV mit Kontakt-ERA weiterentwickelt.

Es lässt sich nur schwer nachvollziehen, wie viele sowjetische T-55 tatsächlich zum M/AM-Standard aufgerüstet wurden. Die Schätzungen reichen an einige Tausend, die ihren Weg teilweise auch in andere Länder gefunden haben. Einzelheiten zu ihren Kampfeinsätzen sind ähnlich nebulös, sie wurden nachweislich in Afghanistan eingesetzt.

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Zerstörter T-55MV IN Syrien

Eine ansehnliche Zahl von T-55 (einschließlich der T-55MV-Modelle) wurde nach Syrien verkauft und einige hundert T-55M-Varianten fanden ihren Weg nach Angola, Kuba, Finnland, Georgien, in den Sudan, Somalia und Uganda, auch wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass einige von ihnen aus Polen und der Tschechoslowakei stammen.

Bei Armored Warfare wird der T-55M1 den exklsuiven Objekt 155 auf Tier 4 ersetzen. Alle Objekt 155 Besitzer erhalten den T-55M1, während der Objekt 155 selbst später auf einer niedrigeren Stufe wiederkehren kann.

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