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In Entwicklung: T-72B

Es gibt viele berühmte Panzer, doch nur wenige reichen an den legendären T-72 heran. Dieses in großen Stückzahlen und mehreren Ländern produzierte, allgegenwärtige Arbeitspferd des Warschauer Paktes nahm an unzähligen bewaffneten Konflikten teil und wurde zu einem der erfolgreichsten Exportfahrzeuge der Ära des Kalten Krieges. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf das Modell T-72B.

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T-72B Modell 1985

Die Entwicklung des T-72B basierte auf einer Entscheidung der sowjetischen Führung vom 5. Juli 1981 und wurde von Uralwagonsawod als Teil eines großangelegten Kampfwertsteigerungsprogramms des T-72A durchgeführt, in dessen Verlauf eine Vielzahl unterschiedlicher Prototypen als Upgradeversionen des T-72A-Kampfpanzers entwickelt wurden.

Eines der Projekte trug die Bezeichnung Objekt 184. Im Rahmen dieses Projekts wurden sechs unterschiedliche Turmdesigns mit jeweils unterschiedlicher Panzerung, Bewaffnung und anderen Feuerleitanlagen entwickelt. Mehrere Prototypen wurden zwischen 1981 und 1984 gebaut und ausgiebig getestet. Der Gewinner wurde am 27. Oktober 1984 unter der Bezeichnung T-72B offiziell in den Dienst der sowjetischen Armee gestellt. Diese Entscheidung wurde am 23. Januar 1985 durch eine Direktive des Verteidigungsministeriums verifiziert, was wohl der Grund dafür ist, dass das Einführungsjahres des T-72B in unterschiedliche Quellen mal mit 1984 und mal mit 1985 angegeben wird.

Im Vergleich zum T-72A gab es zwei große Bereiche, die aufgewertet wurden:

  • Der Schutzfaktor
  • Die Feuerkraft

Die Panzerung wurde durch die Einführung des explosiven Reaktivpanzerungssets Kontakt optimiert, das seinerzeit zu den modernsten Vertretern seiner Art gehörte. Es bestand aus 227 separaten Modulen, die an Front und Seiten der Turms und der Wanne angebracht waren und das Fahrzeug vor Lenkflugkörpern der ersten Generation schützten. Erwähnenswert ist, dass das ERA-Layout des T-72B im Vergleich zum T-72AV optimiert wurde (der Letztere eine T-72A-Variante mit demselben ERA-Paket). Die Kontakt-ERA der ersten Generation war in der Lage, Sprengköpfe von bis zu 700 mm Durchschlagskraft unschädlich zu machen. Um die Reaktivpanzerung zu überwinden, musste schon eine stärkere Rakete (oder ein Tandemsprengkopf) ran.

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T-72B in Georgien

Auch die Frontpanzerung des Turms wurde verbessert und die Form des Turms etwas geändert. Die charakteristischen Anbauten an der Turmpanzerung wurden aufgrund einer anderen Zusammensetzung des Panzerungmaterials noch erweitert. Die Amerikaner gaben dieser Turmvariante den Spitznamen Super Dolly Parton.

Auch die Zusammensetzung der Wannenpanzerung wurde geändert. Die obere Frontplatte des T-72A bestand ursprünglich aus folgenden Schichten (von außen nach innen):

  • 60 mm Stahlplatte
  • 53 mm Steltexolitschicht
  • 53 mm Steltexolitschicht
  • 50 mm Stahlplatte

Eine zusätzliche 16-mm-Stahlplatte wurde 1982 an dem T-72A angebracht (ebenso an der T-72M1-Variante). Die Steltexolitschicht wurde in späteren T-72A-Varianten und den frühen Ausführungen des T-72B entfernt.

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T-72B Schema der oberen Frontplatte von Artem Gavrilov

An ihrer Stelle setzte man Stahlschichten mit Hohlräumen ein:

  • 60 mm Stahlplatte
  • Drei 15-mm-Stahlplatten mit jeweils 15-mm-starken Hohlräumen
  • 50 mm Stahlplatte

Diese Struktur wurde in späteren T-72B-Modellen wie folgt geändert:

  • 60 mm Stahlplatte
  • Zwei 10-mm-Stahlplatten mit jeweils 10-mm-starken Hohlräumen
  • Zwei 20-mm-Stahlplatten mit jeweils 10-mm-starken Hohlräumen
  • 50 mm Stahlplatte

Dieser komplexe Aufbau entsprach einem RHA Wert von 460-480 mm gegen kinetische Geschosse und machte die obere Frontalplatte gegen den zerstörerischen Effekt von HESH-Projektilen immun. Erwähnenswert ist, dass der T-72S (die Exportvariante des T-72B) dasselbe Layout der Frontalplatte verwendet.

Zusätzliche Schutzmaßnahmen des T-72B umfassten:

  • Verbesserter Schutz vor Strahlung, sowohl für das gesamte Fahrzeug (Verkleidung), als auch für einzelne Besatzungsmitglieder.
  • Nebelmittelwurfanlage 902B Tucha
  • Anti-Napalm-System Soda
  • Brandunterdrückungsanlage 3 EC 13 Iney

Auch die Feuerkraft wurde mit der Einführung der neuen, modernisierten 125-mm-Kanone 2A46M und des Lenkflugkörpersystems 9K120 Svir erhöht, dank dem der Panzer 9M119-Lenkflugkörper mit seiner Kanone verschießen konnte. Der Lenkflugkörper Svir ist ein sogenannter Laserstrahlreiter, der feindliche Panzer auf 4000 Meter Entfernung mit einer Präzisionsrate von 80 Prozent trifft und zwischen 600 und 650 mm RHAe durchschlägt.

Desweiteren wurde das Fahrzeug mit der neuen Feuerleitanlage 1A40-1 und der TPD-K1-Optik mit Laserabstandsmesser und automatischer Kompensation ausgestattet, was die Anpassung der Zielerfassung an Temperatur, atmosphärischen Bedingungen, die Geschwindigkeit des Ziels und einige andere Faktoren ermöglichte und die Chance auf einen Treffer beim ersten Schuss bedeutend erhöhte.

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T-72B

Die Kanone bekam außerdem einen neuen Stabilisator mit der Bezeichnung 2E42-2. Das Kanonenrohr konnte sich in Vorwärtsstellung und bei deaktivierten Stabilisator um +13 Grad heben und -6 Grad senken. Die Feuerrate betrug 8 Schuss pro Minute. Das Fahrzeug führte 45 Patronen mit sich (22 davon direkt im Autolader).

Schließlich erhielt das Fahrzeug auch ein neues Kommunikationssystem namens Abzac, das aus dem Funkgerät R-173, dem Empfänger R-713P und Zubehör bestand. Der Empfangsradius lag bei ungefähr 20 km.

Das Gewicht des Fahrzeugs erhöhte sich aufgrund der Änderungen von ursprünglich 41 auf nunmehr 44,5 Tonnen. Um die Mobilität des Fahrzeugs aufrechtzuerhalten, wurde der 780-PS-Dieselmotor V-46-6 des T-72A mit dem 12-Zylinder-Viertakt-Dieselmotor V-84-1 mit 840 PS ersetzt (manche Quellen verwenden die Bezeichnung V-84M).

Der T-72B wurde zwischen 1985 und 1992 produziert, ersetzte nach und nach den T-72 und stellt zusammen mit dem T-90 bis heute das Rückgrat der russischen Panzertruppen.

Es gab mehrere Versionen des Fahrzeugs:

  • T-72BK – Befehlsfahrzeug mit R-130-Funkanlage und dem Navigationssystem TNA-4
  • T-72B-1 – eine Variante ohne das Lenkflugkörpersystem 9K120 Svir

Das größte Upgrade der Produktionsreihe stellte das 1989er Modell des T-72B (bisweilen fälschlicherweise T-72BM genannt) - eine Variante mit verbessertem Schutz durch die Kombination des Kontakt-5-ERA-Sets und der optimierten Frontalpanzerung. Die Konstruktion der oberen Frontplatte wurde abermals modifiziert, indem man die reaktiven Elemente direkt in den Aufbau der Panzerung integrierte. Die innere Struktur wurde wie folgt geändert:

  • 25 mm Stahlplatte
  • 37 mm starker Hohlraum, teilweise mit Sprengmodulen versetzt
  • 50 mm Stahlplatte
  • 5 mm Gummischicht, gefolgt von 3 mm Stahl
  • 19 mm Hohlraum
  • 3 mm Stahlplatte, gefolgt von 5 mm Gummi
  • 60 mm Stahlplatte
  • 10 mm Strahlenschutz
  • 60 mm Stahlplatte

Dieser komplexe Aufbau verbesserte den Schutz gegen kinetische Projektile bis auf ca. 500-550 mm RHAe und 600-900 mm RHAe gegen HEAT-Projektile (die Angaben variieren je nach Quelle). Diese Angaben berücksichtigen nicht die Kontakt-5-Module, die zusätzlich an die Wanne angebracht wurden. Die so gestaltete obere Frontalplatte wurde auch bei den letzten Varianten des T-72 und bei frühen T-90 eingesetzt.

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T-72B (späteres Modell), zerstört in der Ukraine

Der T-72B wurde erst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in Form der 2001er-Variante T-72S exportiert. Nachdem die Produktion des T-72B eingestellt wurde, begann ein Modernisierungsprozess, der bis heute fortbesteht. Der T-72B3 ist die letzte serienmäßig produzierte Variante des T-72B, wird allerdings nicht für den T-72B von Armored Warfare Pate stehen, da unser Modell auf der 1985er-Variante basiert. Die späteren Versionen werden in einem gesonderten Artikel abgehandelt.

Anders als im Falle des T-72A und der Exportvarianten des T-72 beschränkte sich der Einsatz des T-72B auf die ehemaligen Sowjetrepubliken. Im russischen Dienst nahm der T-72B an dem misslungenen Angriff auf Grosnyj und im Ukraine-Konflikt teil.

Bitte beachtet, dass die folgende Information als "in Entwicklung" preisgegeben wird und sich eventuell ändern wird.

Bei Armored Warfare wird der T-72B den T-72A auf Tier 6 in Marat Shishkins T-Serie-Linie ersetzen. Der T-72A wiederum wird in seiner historischen Konfiguration auf Tier 5 auftauchen und der T-72 Ural auf Tier 4 neben dem T-64, der in eine separate Linie versetzt wird. Der T-64 wird später in einer parallel verlaufenden T-80-LInie münden.

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