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In Entwicklung: T-80B

Obgleich er nicht den ikonischen Status des allgegenwärtigen T-72 besitzt, war der Kampfpanzer T-80 ein überaus wichtiger Teil der sowjetischen Kriegsmaschine. Und auch wenn die beiden Fahrzeuge das typische Aussehen russischer Kampfpanzer so weit verinnerlichten, dass sie für den Laien kaum zu unterscheiden waren, stellten sie doch zwei grundlegend verschiedene Modelle dar. Schließlich wurde der T-80 im Gegensatz zum T-72 explizit für den alleinigen Einsatz in der Sowjetunion entworfen.

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T-80B

In den 1960er-Jahren waren die Sowjets in Sachen Panzertechnologie die unangefochtenen Vorreiter. Kein westlicher Panzer konnte es mit der Feuerkraft und Panzerung des T-64 aufnehmen. Die Sowjets waren sich allerdings der Tatsache bewusst, dass eine Antwort der NATO nicht lange auf sich warten lassen würde, weshalb man sich daran machte, einen noch potenteren Nachfolger zu entwickeln. Eine Methode bestand darin, die Mobilität des Panzers signifikant zu erhöhen, indem man einen neue Art von Motor in den Gebrauch der sowjetischen Panzertruppen einführte - die Gasturbine.

Während sich die frühesten Versuche der Sowjets, einen Panzer mit einen Turbinenmotor auszustatten, in die späten 1940er-Jahre zurückdatieren lassen, liegen die Ursprünge des T-80 in dem 1963 in den Charkiw-Werken gebauten Prototyp T-64T mit GTD-3TL-Motor (700 PS). Im Jahr 1964 reagierte man bei Uralwagonsawod in Nischnij Tagil mit einem eigenen, turbinengetriebenen Panzer - dem von N. L. Kartsew entwickelten "Objekt 167T" mit 800-PS-Turbine des Typs GTD-3T. Diese frühen Turbinenpanzer hatten allesamt mit ähnlichen technischen Problemen zu kämpfen: Die Turbinen überhitzten sich leicht und waren extrem empfindlich gegen Staub. Auch die Filtersysteme waren Dauerthema bei einem Panzer, der 5 bis 6 Kubikmeter Luft pro Sekunde benötigte und potenziell für Einsätze in staubiger Umgebung vorgesehen war.

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Object 167T

Es dauerte mehr als ein Jahrzehnt, bis adäquate Lösungen für diese Probleme gefunden wurden. Am 16. April 1968 wurde das Konstruktionsbüro SKB-2 der Kirow-Werke von der Sowjetführung damit beauftragt, eine verbesserte T-64-Variante zu bauen, wobei eine der Anforderungen darin bestand, den klassischen Dieselmotor durch einen Turbinenmotor zu ersetzen. Daraufhin entstand im Jahr 1969 ein Prototyp namens Objekt 219SP1. Äußerlich kaum von dem älteren T-64T zu unterscheiden, bestand sein Antrieb aus einem aufgewerteten 1000-PS-Turbinenmotor vom Typ GTD-1000T. Insgesamt wurden 31 Einheiten dieses Modells gebaut.

Man forderte weitere Verbesserungen bei Mobilität und anderen Kampfeigenschaften, sodass ein weiterer Prototyp namens Objekt 219SP2 entstand. Neben dem Geschützturm behielt das Fahrzeug die 125-mm-Kanone des T-64A mitsamt Ladeautomatik, erhielt jedoch ein anderes Laufwerk. In diesem Sinne stand der T-80 dem T-64A relativ nahe, was sich erst im weiteren Verlauf änderte.

Es wurden etwa 127 Einheiten der frühen Objekt-219SP2-Variante gebaut und eingehend getestet. Der gesamte Entwicklungsprozess dauerte sieben lange Jahre, bis das Fahrzeug am 6. Juni 1976 unter der Bezeichnung T-80 in den Dienst akzeptiert wurde.

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T-80

Von dem ersten Modell wurden zwischen 1976 und 1978 ca. 250 Exemplare in den Kirow-Werken bei Leningrad gebaut, was den T-80 zum ersten serienmäßig produzierten Panzer mit einem Gasturbinenantrieb machte. Er wog 42 Tonnen und besaß einen Klimow GTD-1000T 1000-PS-Turbinenmotor mit mechanischem Planetengetriebe, der den Panzer auf bis zu 70 km/h beschleunigte. Ähnlich wie andere Dieselmotoren, die in Panzern eingesetzt wurden, war er mit unterschiedlichen Treibstofftypen kompatibel, darunter den Flugkraftstoffen TS-1 und TS-2, Diesel und selbst gewöhnlichem Pkw-Benzin. Der Turbinenmotor war um einiges leiser, als gewöhnliche Dieselmotoren, was die Chance erhöhte, dass der Panzer während der Fahrt unentdeckt blieb.

Aufgrund des neuen Laufwerks mit individuellen Torsionsstäben, dass eher an den T-72 erinnerte, als an den T-64A, sowie des modifizierten Turms, verwechselten westliche Beobachter den T-80 zunächst mit dem T-72, dem er klar überlegen war. Die Frontalpanzerung des frühen T-80 war um 68 Grad angewinkelt und ihre Zusammensetzung mit der des T-64A identisch. Sie bestand aus folgenden Schichten:

  • 80 mm Stahl
  • 53 mm Textolit
  • 53 mm Textolit
  • 20 mm Stahl

Von 1982 an wurden die Wannen aller T-80 (und T-80B) mit einer zusätzlichen 30-mm-Panzerungsplatte an der oberen Seite verstärkt.

Der Turm des T-80 bestand aus Verbundpanzerung, die der des T-64A ähnelte und wechselweise aus Walzstahl und gehärtetem Stahl bestand. Der ursprüngliche T-80 verfügte noch über keine explosive Reaktivpanzerung.

Die Bewaffnung des T-80 bestand aus einer vollstabilisierten 125-mm-Kanone des Typs 2A46-1, wie sie auch beim T-64A und beim T-72 eingesetzt wurde, auch wenn die bei diesen Fahrzeugen eingesetzten Varianten nicht austauschbar waren - sie verwendeten unter anderem unterschiedliche Autolader. Das Kanonenrohr konnte sich um -5 Grad senken und +14 Grad heben. In der ursprünglichen Form konnte sie keine Lenkflugkörper abfeuern. Der Richtschütze verwendete das Richtschützenvisier TPD-2-49.

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T-80B

Das Problem mit dem T-80 bestand darin, dass das dem Fahrzeug zugrunde liegende Konzept in den 1960er-Jahren zwar durchaus Sinn machte, sich aufgrund der langen Entwicklungszeit bei seiner Einführung jedoch als weniger aufregend herausstellte, als von den Entwicklern erhofft. Die späten 1960er waren die Ära des M60A1 Patton, während die Amerikaner bereits ein Jahrzehnt später die ersten Prototypen des M1 Abrams testeten. Als ob das nicht genug wäre, war der T-80 selbst einigen russischen Konstruktionen unterlegen (so wie dem T-64B verbesserter Turmpanzerung und Feuerleitanlage).

Die Sowjets fürchteten um ihre Vormachtstellung und begannen umgehend mit der Entwicklung des Objekt 219R, der eine verbesserte Version des T-80 darstellte und nur zwei Jahre nach dem T-80 den Dienst unter der Bezeichnung T-80B antrat. Die Fertigungslinien des T-80 in den Kirow-Werken wurden umgehend auf die Herstellung des T-80B umgestellt, während der Prototyp T-80A (auch bekannt als Objekt 219A) 1982 in den Charkiw-Werken gebaut wurde.

Der T-80B von 1978 besaß gegenüber dem T-80 einige Vorteile. Zum einen wurde die Zusammensetzung der Verbundpanzerung an der Wanne geändert, um den Schutz des Fahrzeugs zu erhöhen. Die neue Komposition bestand aus folgenden Schichten:

  • 80 mm Stahl
  • 50 mm Textolit
  • 50 mm Textolit
  • 45 mm Stahl

Auch der Turm wurde mit Keramikeinlagen aufgewertet und die Schutzstufe an die des T-64B angeglichen. Das Fahrzeug wurde durch die Nebelmittelwurfanlage 902A Tucha geschützt, was ebenfalls eine Änderung gegenüber dem T-80 darstellte. Auf der anderen Seite fehlte es auch diesem Modell an einem ERA-Set, was sich in der Zukunft als problematisch herausstellen sollte.

Die größten Änderungen gab es bei der Bewaffnung. Die modifizierte 125-mm-Kanone 2A46-2 war dank des 9K112-1 Kobra-Systems jetzt in der Lage, Lenkflugkörper abzufeuern (die Bezeichnung der Raketen lautete 9M112). Das Kobra-System ermöglichte es dem Richtschützen, Raketen auf bis zu 4 Kilometer Entfernung mit einer achtzigprozentigen Ersttrefferchance abzufeuern. Auch die Feuerleitanlage wurde auf das Modell 1A33 aufgewertet, unter anderem bestehend aus:

  • Laserabstandsmesser 1G42
  • Ballistischer Computer 1V517
  • Stabilisator 2E26M

Die neue Feuerleitanlage verbesserte die Präzision des Fahrzeugs während der Fahrt erheblich.

Der Antrieb der 1978er T-80B-Variante bestand aus dem 1000-PS-Turbinenmotor des T-80. Das Gewicht erhöhte sich um 500 kg auf 42,5 Tonnen, was 1980 durch die Einführung eines kräftigeren Motors wieder wettgemacht wurde - des 1100 PS-starken GTD-1100F.

Das Modell wurde in den darauf folgenden Jahren kontinuierlich verbessert. Im Jahr 1982 erhielt der T-80B, ebenso wie der T-80, eine zusätzliche, 30 mm starke Zusatzpanzerungsplatte an der oberen Wannenfront, sowie eine neue Kanone (die 2A46M-1).

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T-80BV

1985 wurden die T-80B-Einheiten mit der neuen explosiven Reaktivpanzerung Kontakt-1 ausgestattet, was in der Variante T-80BV mündete, die einen erhöhten Schutz gegen HEAT-Geschosse bot. Eine Reihe älterer T-80B wurde zum T-80BV-Standard aufgewertet, auch wenn die Komposition der T-80BV eine eigenständige optimierte Entwicklung darstellte. Die Panzerung der oberen Frontalplatte setzte sich nunmehr wie folgt zusammen:

  • ERA-Set
  • 50 mm Stahl
  • 35 mm Textolit
  • 50 mm Stahl
  • 35 mm Textolit
  • 50 mm Stahl

Diesen Aufbau teilten auch die frühen Modelle des T-80U. Die Geschütztürme der neuen T-80BV verwendeten wiederum eine neue Art Verbundpanzerung, die der des T-72A ähnelte.

1985 wurde die Produktion der T-80B auf die modernere Variante T-80U umgestellt. Wie viele T-80 und T-80B/BV insgesamt zwischen 1976 und 1985 gebaut worden sind, kann nur geschätzt werden, man geht aber von einer Zahl zwischen zwei und drei tausend aus.

Angesichts der Tatsache, dass der T-80 in erster Linie für den heimischen Gebrauch entworfen und kaum exportiert wurde (bis auf die ehemaligen Sowjetrepubliken), ist es nicht verwunderlich, dass die Liste seiner Einsätze überschaubar ist. Neben einigen kleineren Episoden im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion, ist der erste und einzige größere Kampfeinsatz des T-80 und des T-80B (T-80BV) der Erste Tschetschenienkrieg gewesen, wo die sowjetischen Panzer während der schicksalshaften Schlacht um Grosnyj ohne Unterstützung der Infanterie in die Stadt einfuhren und starke Verluste durch tschetschenische Geschützstellungen einstecken mussten.

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T-80BV

Die ungeschützte Oberseite des Fahrzeugs stellte sich als extrem anfällig heraus und konnte selbst von alten reaktiven Panzerbüchsen durchsiebt werden, wofür Dutzende ausgebrannte Wracks Zeuge standen, die die russische Militärführung geschockt zurückließen. Es war nicht die alleinige Schuld des T-80, denn der T-72 schnitt nicht wesentlich besser ab (wie übrigens auch der Rest der russischen Panzerfahrzeuge), doch die bitteren Erfahrungen machten die Konstruktionsprobleme der älteren T-80 offensichtlich, darunter die Anfälligkeit des Autoladers, die zu heftigen Explosionen führte und den Besatzungen keine Überlebenschancen ließ.

Die Modelle T-80, T-80B und T-80BV waren (anders als die späteren T-80U) nicht für den Export bestimmt und sind deshalb auch nicht im Ausland anzutreffen.

Wie bereits angekündigt, wird der T-80 als Teil der Änderungen beim Balanceupgrade 2.0 von Armored Warfare in einen T-80B auf Tier 6 und einen T-80U auf Tier 7 geteilt. Weitere Informationen zum Balance 2.0 folgen in Kürze!

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