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In Entwicklung: ZBD-86

Im Update 0.22 wird es einige Fortschrittsmodelle an Fahrzeugen geben, darunter die langersehnten chinesischen Top-Tier-Kampfpanzer. Es enthält ebenso einige neue Premiumfahrzeuge wie den PTZ-89, den wir schon früher eingeführt haben, aber auch einen Schützenpanzer niedrigen Tiers namens ZBD-86 (oder Type 86 SPz). Jetzt denkt ihr vielleicht, dass „kennen wir doch schon längst“ - und ja, ihr habt Recht, da die Geschichte des ZBD-86 wie so oft bei älteren chinesischen Fahrzeugen in Russland beginnt - oder sogar noch früher in den Vereinigten Staaten, je nachdem, wie ihr die Sache betrachtet.

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ZBD-86

In den 60er und 70er Jahren war das chinesische Miltär ziemlich am Boden, immer noch taumelnd von den Schlägen, die ihm während der Kulturrevolution zugefügt wurden und den Verlusten, die es während des Koreakrieges erlitten hatte. Allein letzterer kostete die Chinesen mehr als Hunderttausend Soldaten. Es gibt sogar Schätzungen, die diese Zahl um ein Vielfaches höher angeben.

Die Volksbefreiungsarmee war entgegen der gängigen Meinung wder blind noch inkompetent. Die Kommandanten kümmerten sich um die Gesundheit ihrer Soldaten und waren nicht bereit, deren Leben grundlos zu opfern. China beobachtete die militärischen Entwicklungen und Doktrine, welche die Sowjets und Amerikaner in den 50er und 60er Jahren einsetzten, ganz genau - besonders die Entwicklung der gepanzerten Truppentransporter.

Die Russen setzten generell Rad-TPzs wie den BTR-152 ein, während die Amerikaner eine Reihe von Ketten-TPzs entwickelten, die letztendlich im in westlichen Ländern am meisten verbreitetsten TPz, dem M113 mündeten. Den Chinesen gefiel der Ansatz der Amerikaner besser, da er erhöhte Geländefähigkeiten aufweist. Die Russen waren der Meinung, dass ihr als nächstes anvisiertes Schlachtfeld - Europa - eine gut entwickelte Infrastruktur haben würde, aber in China war dies nicht gegeben und Geländefähigkeiten waren essentiell notwendig. Deswegen beschlossen die Chinesen, einen einfachen in Massenfertigung hergestellten TPz zu übernehmen, der sich gut in der Rolle als klassisches "Schlachttaxi" machen würde, für die auch die Amerikaner ihre TPzs bauten.

Diese Fahrzeuge sind nur sehr leicht gepanzert und nicht dazu vorgesehen, den Feind direkt anzugreifen. Sie liefern die Infanterie in die Schlacht (bei angemessener Sicherheit vor Angriffen kleiner Waffen) und wenn sie auf reelen Widerstand treffen, geben sie eine Infanterieeinheit ab und bringen sich in Sicherheit oder unterstützen bestenfalls die Truppen aus der Entfernung, um sich selbst nicht zu sehr zu exponieren. Alles. was größer als ein Geschoss ist, würde ihre Panzerung durchbrechen, weswegen sie nur eine sehr begrenzte Anzahl an Feuerkraft (normalerweise nur Maschinengewehre) mit sich führten, um keine unnötige Aufmerksamkeit zu erregen.

Das Ergebnis der chinesischen Entwicklung eines solchen Fahrzeuges war der Type 63 gepanzerte Personaltransporter. Es war ein einfaches, billiges und robustes Fahrzeug - mehr wie ein Stahlgehäuse mit Kettenantrieb. Es erfüllte jedoch seinen Zweck und im Laufe der Jahre wurde eine große Menge dieser Fahrzeuge hergestellt. Tausende davon wurden nach Afrika und in den Nahen Osten exportiert, wo sie aufgrund einer großen Lieferung in den Irak in den 80er Jahren tatsächlich nach wie vor im Einsatz sind.

Andererseits teilte es einige Nachteile mit anderen Fahrzeugen seiner Klasse, die schnell zum Vorschein kamen, da der Vietnamkrieg gerade in eine heiße Phase überging, als dieses Fahrzeug in China in Betrieb genommen wurde.

Während des Krieges wurden zahlreiche amerikanische M113s auf dem Schlachtfeld eingesetzt, sowohl von den Südvietnamesen wie auch von den Amerikanern selbst. Die Ergebnisse waren zwiespältig. Während die Fahrzeuge einen gewissen Schutz gegen Kugeln gewährten, boten sie extrem wenig Schutz gegenüber Minen und unkonventionellen Sprengvorrichtungen (was soweit ging, dass sich die Soldaten auf dem Dach sicherer fühlten als im Inneren) und konnten auch leicht von RPGs außer Gefecht gesetzt werden. Im Gegensatz zu ihrer ursprünglichen Doktrin gerieten sie regelmäßig in Feuerkämpfe mit dem Feind, wobei ihre Bewaffnung (die üblicherweise lediglich aus einer Maschinenpistole bestand) und Panzerung sich als äußerst unzureichend für solch eine Rolle erwiesen.

Für die Amerikaner waren die optimierten ACAV-Fahrzeuge mit mehr Maschinengewehren, Geschützschilden und weiteren Verbesserungen die Anwort auf dieses Problem, aber für die Chinesen wurden die Mängel der Doktrin offensichtlich.

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BMP-1

Zwischenzeitlich nahm die Sowjetunion 1966 den BMP-1 in Dienst. Zu sagen, die Chinesen wären beeindruckt gewesen, wäre eine Untertreibung. Das Fahrzeug war elegant und bot mehr Schutz (besonders in der Front) als das alte "boxartige" Design. Aber was es besonders auszeichnete, war seine Feuerkraft. Während seiner Einführung prahlten die Sowjets damit, dass sie nun einen mit einer Kanone ausgestatteten SPz hätten, dessen Feuerkraft mit einem KPz vergleichbar wäre. Zusätzlich wurde das Fahrzeug mit dem Lenkflugraketenwerfer Maljutka ausgestattet. Wie effektiv dieses System sein konnte, zeigte sich 1973 während des Jom-Kippur-Krieges, als die ägyptischen Maljutka-Einheiten und verschanzte BMP-1s die israelischen Panzereinheiten im Sinai merklich dezimieren konnten. Die amerikanischen Patton-Panzer haben sich als besonders anfällig gegenüber ATGMs erwiesen.

Die Realität war natürlich etwas anders. Der BMP-1 hatte seine Nachteile - einer war, dass das Geschütz nicht wirklich präzise oder effektiv gegen die feindliche Panzerung einsetzbar war. Es war ein mehr oder weniger zuverlässiges Gerät, um HE-Geschosse zu liefern, aber seine Leistung gegenüber gepanzerten Zielen war am besten. Das Fahrzeug war außerdem eng und hatte eine lausige Schutzfunktion, vor allem in urbanen Gebieten. Dies wussten die Chinesen und Amerikaner aber damals natürlich nicht und selbst in den Händen der arabischen Armeen brachte es halbwegs ordentliche Leistung.

Also entschieden die Chinesen, dass sie auch solch ein Fahrzeug wollten. Natürlich war das in der Zeit der chinesisch-sowjetischen Spaltung nicht unproblematisch. Beide Länder, die jeweils eine unterschiedliche kommunistische Ausprägung verfolgten, hatten fast zwei Jahrzehnte Schwierigkeiten miteinander, die 1969 im chinesisch-sowjetischen Grenzkonflikt mündeten, während dem die Chinesen ihren ersten T-62 erwarben. Sie analysierten ihn sorgfältig und verbesserten ihre eigene Panzerflotte mit vielen von ihm abgeleiteten Elementen.

Die Sowjets waren unter solchen Umständen naturgemäß nicht wirklich scharf darauf, ihr neuestes Spielzeug zu teilen und obwohl der Vorfall in einem unsicheren Frieden mündete und sich die Beziehungen zwischen den beiden Mächten letztendlich normalisierten, stand jede Art von militärischer Kooperation außer Frage. Dadurch verblieben die Chinesen ohne Schützenpanzer und nahmen bis 1979 die SPz-Doktrin nicht an, als das Thema plötzlich dringlich wurde.

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Type 63

Die Beziehungen zwischen China und Vietnam waren nie einfach. Ende der 70er Jahre wurden beide Länder von den Kommunisten regiert. Aber der Sieg über die Amerikaner stärkte die vietnamesischen Anführer und verlieh ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Moral einen Wahnsinnsschub, sehr zur Verärgerung der chinesischen Regierung, die mehr an Vassallen als an Partnern auf Augenhöhe interessiert war. 1978 intervenierten die Vietnamesen in Kambodscha, um die Bewegung der Roten Khmer zu entmachten. Die Roten Khmer wurden von den Chhinesen unterstützt und diesen gefiel der Gedanke, dass ihre Schützlinge (so bösartig sie auch waren), niedergeworfen werden sollten, überhaupt nicht. Also beschlossen sie, den Vietnamesen eine Lektion zu erteilen und griffen Vietnam von Norden an.

Obwohl beide Seiten nach drei Wochen schwerer Gefechte in den Bergen und im Dschungel den Sieg für sich proklamierten, war es in Wahrheit ein vietnamesischer Sieg, der das Land weiter stärkte. Viele Lektionen wurden aus dem Krieg gelernt, aber die für diesen Artikel wichtigste Tatsache betrifft die chinesischen SPzs.

Als der Krieg begann, nutzte die chinesische Infanterie Type 63 SPzs, Lastwagen und bei besonders schwierigem Gelände musste die Infanterie manchmal auch einfach zu Fuss gehen. Es war eine Katastrophe - die vietnamesischen Angriffe dezimierten sie. Sowohl der Type 63 wie auch der M113 hatten sich als äußerst anfällig und unfähig, ihre taktische Rolle zu erfüllen, erwiesen. Ihre Mobilität war ebenso unzulänglich, da viele Type 63 SPzs so tief versanken, dass sie nicht wieder in Gang gebracht werden konnten.

Dies war ein ernsthafter Weckruf für die chinesischen Militärkommandanten: ein neues Kampffahrzeug für die Infanterie musste dringend organisiert werden. Die Entwicklung des neuen SPzs begann kurz danach, in den 80ern unter der Bezeichnung WZ-501.

Um das Problem der unzureichenden Erfahrung mit solchen Fahrzeugen zu überwinden, wurde entschieden, sich wieder einmal auf die alte und bewährte Strategie des Kopieren von bereits existierender Baupläne zu verlassen. Der BMP-1 - zu dieser Zeit ein weit verbreitetes Fahrzeug - wurde als Grundlage verwendet. Die Chinesen hatten schon von irgendwoher einen BMP-1 bekommen und ihn zwischen 1980 und 1985 einfach kopiert. 1986 wurde das Fahrzeug offiziell unter der Bezeichnung ZBD-86 in chinesischen Dienst gestellt und ab 1992 - mehr als zweieinhalb Jahrzehnte nach seiner Einführung in den sowjetischen Dienst - ging es in die großflächige Produktion.

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ZBD-86

Sowohl was Design als auch Komponenten anbelangt, war das Fahrzeug nahezu identisch zum sowjetischen BMP-1. Die Besatzung bestand aus drei Mann und es konnte bis zu 8 Infanteristen transportieren.

Die Panzerung war aus Stahl und hatte folgende Stärken (basierend auf deutschen Messungen):

  • Obere Frontalplatte: 9-12 mm (bei 80 bis 84 Grad)
  • Untere Frontalplatte: 19 mm (bei 57 Grad)
  • Seiten: 16 mm (bei 14 Grad)
  • Heck: 4 mm (die Türen sind 17 mm dick)
  • Turmfront: 23 mm (bei 45 Grad)
  • Turmheck: 13 mm (bei 22 Grad)
  • Turmdach: 6 mm
  • Boden: 9 mm
  • Dach: 12 mm
  • Motorraum: 6 mm

In den 1966ern war dies akzeptabel, aber nach heutigen Standards ist es unzureichend. Einigen Berichten zufolge war die Panzerung in Wirklichkeit noch dünner, obwohl die meisten Quellen behaupteten, dass sie identisch zum BMP-1 sei.

Die Hauptbewaffnung war eine Kopie der Grom 2A28 Glattrohrkanone, mit den selben Problemen wie sie die Originalwaffe hatte. Diese Waffe wurde automatisch geladen, ihre Feuerrate lag bei ungefähr 8 Schuss pro Minute und sie konnte ihre Ziele mit einer Präzision von ungefähr 700 bis 1300m treffen (die theoretische Reichweite lag bei 4000m). Als kurzes Glattrohr (L/29) feuerte sie HE-und HEAT-Geschütze, die eine ungefähr 300-350mm dicke Panzerung durchdringen (obwohl ihre Panzerabwehrleistung ziemlich unzuverlässig war) können. Das Kanonenrohr konnte sich um -3 Grad senken und +30 Grad heben. Das Fahrzeug führte 40 Projektile mit sich. Der Richtschütze hatte auch Laser-Entfernungsmesser und Tag/Nachtsichtgeräte zur Verfügung.

Die Zweitwaffe des Fahrzeugs war ein HJ-73 Roter Pfeil gelenktes Raketensystem. Die drahtgesteuerte Rakete war in ihrer Grundform eine Kopie der russischen Maljutka. Sie wurde verwendet, um gepanzerte Ziele innerhalb von 3000 Metern vom Fahrzeug zu zerstören. Ihre Reichweite war 500 bis 3000 Meter, wobei die neuesten, verbesserten Versionen eine maximale Reichweite von bis zu 5000 Metern hatten. Ihre Durchschlagsfähigkeiten waren nahezu mit denen des Maljutka-Systems vergleichbar (ungefähr 400mm Stahl). Das Fahrzeug führte insgesamt 4 Raketen mit sich. Und zu guter Letzt war einer der vier ZBD-86-SPzs mit einem HN-5 MANPAD-System ausgerüstet, um feindliche Flugzeuge und Hubschrauber abzuwehren.

Der ZBD-86 wurde durch einen Motor angetrieben, der eine Kopie des sowjetischen UTD-20 Motors 6V150 war. Es ist ein wassergekühlter Dieselmotor, der 293 PS erzeugt - völlig ausreichend für seine 13,3 Tonnen. Seine Höchstgeschwindigkeit beträgt 65 km/h und natürlich kann er wie sein sowjetisches Gegenstück auch schwimmen.

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Nach dem 1992 die Massenfertigung gestartet wurde, brauchte es mehrere Jahre bis das Fahrzeug in Umlauf kam. Als dies endlich der Fall war, war es komplett überholt. Die Produktionsmenge differiert und wird nach wilden Schätzungen mit zwischen 1000 bis zu 7000 gebauten Fahrzeugen beziffert. China versuchte später seine Nachteile durch Einführung einer großangelegten Reihe von Verbesserungen zu kompensieren, bevor es schließendlich zu einem anderen SPz überging. Aber das ist ein Thema für sich, und wir heben uns diese Geschichte für später auf.

Rein optisch ist es schwierig, den ZBD-86 auf den ersten Blick vom Original BMP-1 zu unterscheiden, was zu Unklarheiten hinsichtlich seines Einsatzes und seiner Exporte beitrug. Das Fahrzeug wurde anscheinend in verschiedene Länder wie Iran, Irak und Burma exportiert, aber, da es dem BMP-1 zu ähnlich ist, können diese Berichte nur schwer hundertprozentig bestätigt werden. Es gehen Gerüchte, dass die iranischen BMP-1s in Wahrheit chinesische Type 86 Spzs sind, aber eine Sache ist sicher - eine Reihe von ZBD-86 SPzs verrichtet bis heute ihren Dienst in China.

Bei Armored Warfare wird der ZBD-86 ein Premium-SPz des 3. Tiers sein. Dazu werden wir in Zukunft weitere Einzelheiten mitteilen.

Wir hoffen, dass euch dieses Fahrzeug gefallen wird und sehen uns auf dem Schlachtfeld!

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