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Fahrzeuge im Fokus: BMD-4

In unseren letzten Artikeln haben wir uns mit der Entwicklungsgeschichte des SPz BMD-3 befasst:

Kurz zusammengefasst sollte das Luftwaffen-Gefechtsfahrzeug BMD-3 den BMD-1 ersetzen, verfehlte aber das gesteckte Ziel, zu einer neuen Hauptstütze der russischen Luftlandetruppen zu werden und wurde aufgrund des Zusammenbruchs der Sowjetunion und den finanziellen Engpässen der neu aufgestellten russischen Armee in einer Stückzahl von nur 137 anstatt hundert geplanten Einheiten hergestellt. Die Produktion endete in 1997.

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Doch die russischen Luftlandetruppen (Wozduschno-Desantnye Wojska, kurz WDW) benötigten immer noch ein passendes Fahrzeug mit stark verbesserter Feuerkraft, woraufhin der BMD-4 auf die Oberfläche trat.

Für den Produzenten des BMD-3, das Wolgograder Traktorenwerk (WgTS), waren die 1990er-Jahre alles andere als einfach. Massive Kürzungen im Budget des russischen Verteidigungsministeriums bedeuteten das Ende für zahlreiche vielversprechende Projekte und in den späten 1990er-Jahren (als die Produktion des BMD-3 nur durch Kredite sichergestellt wurde) hielt sich das Werk hauptsächlich mit der Wartung von Motoren über Wasser. Um das Ganze noch komplizierter zu machen, gerieten die WgTS-Werke mehrmals in Streitigkeiten mit der russischen Armee, die ihnen mangelnde Produktionsqualität beim BMD-3 vorwarf, auch wenn es sich später herausstellte, dass der Großteil der Probleme durch mangelhafte Wartung, missbräuchliche Nutzung und schlechtes Besatzungstraining verursacht wurde.

Und dann war da noch die ungelöste Sache mit der Feuerkraft des BMD-3. In der frühen Entwicklungsphase sollte das Fahrzeug mit einem Turm ausgestattet werden, der in der Lage wäre, eine 100-mm-Niederdruckkanone (die auch Lenkflugkörper abfeuern konnte) und eine 30-mm-Maschinenkanone zu tragen. Die Lösung für die postsowjetische WgTS bestand darin, den für den BMP-3 von KBP in Tula entwickelten Turm zu verwenden. Die Entwicklung dieser Variante begann in den späten 1990er-Jahren und schon bald darauf stellte sich heraus, dass die Wanne des BMD-3 diesen Zwei-Mann-Turm tragen konnte, der unter der Bezeichnung Bachtscha-U bekannt wurde.

Der Stahlturm wurde mit dem Waffensystem 2K23 ausgestattet, bestehend aus einer 100-mm-Kanone vom Typ 2A70 und der 30-mm-Maschinenkanone 2A72. Lenkflugkörper konnten mit dem 100-mm-Geschütz abgefeuert werden. Die beiden Kanonen konnten auf 60 Grad angehoben (eine der wichtigsten Charakteristiken des BMP-4 war die Fähigkeit, auch Hubschrauber anzugreifen) und auf -6 Grad abgesenkt werden. Das Fahrzeug trug 38 Projektile für die 100-mm-Kanone mit sich, sowie 464 30-mm-Projektile und 4 Lenkflugkörper vom Typ 9M117M1 Arkan, die gepanzerte Ziele auf bis zu 4 km Entfernung zerstören konnten. Die Waffen waren mit dem Stabilisierungssystem 2E52-2 ausgestattet. Die 100-mm-Kanone wurde über ein Karussell unter der Turmlinie automatisch geladen.

Dieser Turm wurde mit der BMD-3-Wanne kombiniert und ergab im Prinzip eine BMD-3-Variante, die Objekt 960 genannt wurde. Bis auf den neuen Turm blieb die Wanne unverändert, allerdings erhöhte sich die Besatzung von zwei auf drei Mann (im Turm saß ein Kommandant und ein Richtschütze). Das Gewicht des Fahrzeugs erhöhte sich um ca. 400 kg auf 13,6 Tonnen.

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Wie sein Vorgänger war auch Objekt 960 frontal gegen schweres Maschinengewehrfeuer und panzerbrechende 12,7-mm-Geschosse auf 75 Meter geschützt, die übrige Wanne gegen 7,62-mm-Geschosse (einschließlich panzerbrechender Munition). Auch der Antrieb des Fahrzeugs blieb mit dem 450-PS-Mehrstoff-Dieselmotor 2V-06-2 unverändert. Die Höchstgeschwindigkeit fiel aufgrund des erhöhten Gewichts etwas von den ursprünglichen 67 km/h ab, das Fahrzeug behielt jedoch seine amphibischen Qualitäten.

Der BMD-4-Prototyp erschien um das Jahr 2002 auf der Oberfläche und wurde ausgiebig von den russischen Luftlandetruppen getestet, allerdings mit gemischten Ergebnissen. Das Fahrzeug war schwerer, was sich negativ auf die Handhabung auswirkte und vor allem teurer, was keinesfalls durch den relativ geringen Kampfsteigerungswert gerechtfertigt wurde. Der Turm bot zwar mehr Feuerkraft (WgTS gab den Kampfwert des BMD-4 im Vergleich zum BMD-3 als 2,5 Mal höher an), doch er basierte auf veralteter Technologie aus den 1980er-Jahren. Die wirklich modernen Module, nach denen die Luftlandetruppen verlangten, wie die Fähigkeit zum indirekten Feuer unter Verwendung von Zielnetzwerken der WDW-Verbände, waren schlichtweg nicht gegeben.

Nichtsdestotrotz wurde das Fahrzeug am 31. Dezember 2004 unter der Bezeichnung BMD-4 in den Dienst gestellt.

Je nach Quelle wurden insgesamt 14 bis 60 BMD-4 gebaut bzw. vorhandene BMD-3 auf den neuen Standard gebracht. Die wahrscheinlichste Variante lautet, dass zwischen 2004 und 2008 30 Fahrzeuge entstanden sind. Die ersten vier Fahrzeuge gingen im Mai 2005 an das 137. Regiment der 106. Garde Luftlande-Division.

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Aufgrund der oben genannten Probleme und der notorischen Unzuverlässigkeit waren die russischen Luftlandetruppen mit dem Fahrzeug niemals wirklich zufrieden. Die Probleme häuften sich auch während der Dienstzeit, nur dass es jetzt nicht mehr möglich war, jemanden dafür zu Rechenschaft zu ziehen – die Wolgograder Traktorenwerke gingen in der Zwischenzeit bankrott. Die weitere Entwicklung der BMD-Reihe wurde von Kurganmaschsawod übernommen. Dort konnte der BMD-4 erheblich verbessert werden. Das dabei entstandene Modell BMD-4M wird in einem zukünftigen Artikel separat behandelt, weil das Upgrade nicht Teil unseres Tier-6-Fahrzeugs ist.

Der ursprüngliche BMD-4 wurde, ebenso wie sein Nachfolger, der BMD-4M, zu keinem Zeitpunkt exportiert und erlebte auch keinen Kampfeinsatz.

Bei Armored Warfare ist der BMD-4 ein Schützenpanzer des 6. Tiers in Marat Shishkins Fahrzeugbaum. Sein Vorgänger in der Linie ist der BMD-2, gefolgt wird er von einer modernisierten Variante des BMD-2, dem BMD-2M.

Er ist extrem agil und wendig, kann jedoch nicht viel einstecken. Das Fahrzeug eignet sich dank der leistungsstarken Lenkflugkörper für Langstreckenangriffe aus dem Hinterhalt, der Eliminierung feindlicher Späher und, natürlich, für Aufklärungseinsätze. Dank seiner kompakten Größe verfügt der BMD-4 über exzellente Tarneigenschaften und die vortreffliche Sichtweite ermöglicht das Ausspähen nichtsahnender Gegner.

Wir sehen uns auf dem Schlachtfeld!

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