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Fahrzeuge im Fokus: FV101 Scorpion

Der FV101 Scorpion gehört neben anderen CVR-(T)-Varianten zu den bekanntesten britischen Panzerfahrzeugen der Nachkriegszeit. Er war Teil einer überaus erfolgreichen Fahrzeugfamilie, die in Form der kampfwertgesteigerten Scimitar-Variante bis heute ihren Dienst verrichtet - über vierzig Jahre nach der Einführung des ersten Modells.

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Die Ursprünge des Scorpion reichen zurück in die turbulenten 1950er- und 1960er-Jahre, in denen das Vereinigte Königreich mit ökonomischen und politischen Problemen zu kämpfen hatte. Der siegreiche Krieg kam Britannien teuer zu stehen und die nach dem Ende des globalen Konflikts wachsenden Unruhen in den Kolonien machten den Unterhalt der auf der ganzen Welt stationierten Truppen zu einem teuren Unterfangen.

Eine Lösung dieses Problems sah man im Aufbau einer schnellen Lufteingreiftruppe, die mit leichten gepanzerten Fahrzeugen ausgerüstet werden sollte. Die Panzerung stellte eine wichtige Komponente dar, insbesondere, nachdem sich frühere leicht gepanzerte Modelle, wie das Panzerfahrzeug Saladin, als überaus erfolgreich bei der Bekämpfung der meist leicht bewaffneten Aufstände herausstellten. Die schnellen Eingreiftruppen würden die Gefahr eindämmen, bis schwere Ausrüstung auf dem Seeweg herbeigeschafft werden konnte, falls es die Situation erforderte.

Es war nicht das erste mal, dass das britische Militär die Entwicklung eines leicht gepanzerten Fahrzeugs anstrebte, bereits davor gab es Versuche, die britische Aufklärerflotte zu modernisieren. In den späten 1940er- und frühen 1950er-Jahren entwickelten die Briten das leichte FV300-Fahrgestell, das als Grundlage für zahlreiche Fahrzeugmodelle diente, darunter den Leichtpanzer FV301 mit den folgenden Charakteristiken:

  • Gewicht: 26 Tonnen
  • Panzerung (Wanne): 32 mm, Stahl, gewinkelt
  • Panzerung (Turm): 51 mm, Stahl
  • Motor: Meteorite Mk.II, 537 PS
  • Höchstgeschwindigkeit: 48 km/h
  • Bewaffnung: 77 mm QF

Ein Prototyp wurde offensichtlich gebaut. Das Fahrzeug konnte aufgrund seines Gewichts nicht per Flugzeug transportiert werden, woraufhin das Projekt schließlich eingestellt wurde.

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FV301 Attrappe

Ein Fahrzeug, das in den 1960er-Jahren dringen einen Nachfolger benötigte, war der Alvis Saladin - ein zwar erfolgreiches, aber in die Jahre gekommenes Modell. Die Briten wollten sowohl Ketten-, als auch Radfahrzeuge für ihre Aufklärungszwecke einsetzen und diese Dualität sollte die Entwicklung noch über Jahre hinaus bestimmen.

Das Programm zur Entwicklung eines neuen Aufklärungsfahrzeugs nannte man AVR (Armoured Vehicle Reconnaissance) und es umfasste in den 1960er-Jahren sowohl Rad-, als auch Kettenfahrzeuge in drei Kategorien - Feuerunterstützung, Antipanzer und Anti-MTW. Hauptentwickler war das „Fighting Vehicles Research and Development Establishment (FRDVE)“, eine im britischen Surrey angesiedelte Forschungs- und Entwicklungsgruppe.

Parallel zum AVR-Programm initiierten die Briten ein Programm namens Lightweight High Mobility Tactical Vehicle (LHMTV). Es sollte Fahrzeuge hervorbringen, die einerseits klein und leicht waren, andererseits aber über signifikante Feuerkraft verfügten. Das maximale Gewicht für die Modelle wurde auf 4,5 Tonnen festgelegt, was den Transport mit den eher gedrungenen Frachtfliegern vom Typ Armstrong Whitworth AW.660 Argosy ermöglichen sollte. Das Ergebnis war eine Serie von eher ungewöhnlichen Fahrzeugen, von denen manche sogar mit rückstoßfreien 120-mm-Geschützen ausgestattet werden sollten. Auch wenn sie aus technischer Sicht durchaus interessant waren, wurde keines der Modelle in den Dienst bestellt.

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AW.660 Argosy Militär-Transporter

Bei den Kettenmodellen des AVR-Programms handelte es sich um mehrere Variationen, darunter einen Leichtpanzer mit 76-mm-, bzw. 105-mm-Kanone. Die Briten erwägten auch den Bau eines Kombisystems aus Kanone und Raketenwerfer á la Sheridan, entschieden sich letztendlich jedoch dagegen. Die Hauptwaffe sollte dabei auf einen frontal angebrachten, nicht schwenkbaren Turm montiert werden, während die Lenkflugkörper am Wannenheck abgefeuert werden sollten.

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Eines der AVR Konzepte

Mit 13 Tonnen eignete sich das Fahrzeug jedoch nicht für den Flugtransport. Die Entwicklung des Modells wurde eingestellt, ohne das jemals ein Prototyp gebaut wurde. Konstruktionen aus Stahl waren zu schwer, um die vorgegebenen Gewichtsparameter zu erfüllen, weshalb sich die Briten schließlich für Aluminium entschieden. Im Jahre 1963 stellte man bei FRDVE eine alternative Studie für eine Serie von leichten Fahrzeugen vor - einen Leichtpanzer mit einer rückstoßfreien 120-mm-Kanone vom Typ WOMBAT, einen Leichtpanzer mit kurzer 76-mm-Kanone und ein selbstfahrendes 105-mm-Artilleriegeschütz. Das Militär rückte schließlich von der Forderung ab, die Fahrzeuge für den Transport mit dem Argosy kompatibel zu gestalten, ebenso wie von einer Radaufhängung für den AVR. Die neue Bezeichnung des Programms lautete CVR (Combat Vehicle Reconnaissance). Die Radaufhängung tauchte mit der Zeit auch im CVR-Programm auf und resultierte schließlich in der Entwicklung des FV721 Fox.

Ein experimenteller Prototyp, der als Teil des CVR-Programms entwickelt wurde, war der TV15000 - ein direkter Vorfahre des Scorpion. Anders als frühere Modelle bestand er aus Aluminium und verfügte über eine große Bandbreite fortschrittlicher Komponenten, darunter hyperleichten Ketten, einer hydropneumatischen Aufhängung und einer optimierten Übertragung. Den Antrieb übernahm ein 4,2-Liter-Jaguar-Motor mit 195 Pferdestärken.

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TV15000

Zwei Prototypen (ein statischer, ein mobiler) wurden 1966 gebaut und machten einen derart guten Eindruck auf die Verantwortlichen des Militärs, dass 17 Prototypen geordert wurden, die fortgeschrittenen Tests unterworfen werden sollten. Der erste Prototyp dieser Reihe wurde am 23. Januar 1969 fertiggestellt.

Die Tests fanden in Australien, Abu Dhabi, Iran und Kanada statt und waren ein voller Erfolg. Im Mai 1970 wurde Alvis mit der Produktion von 2000 Fahrzeugen beauftragt, worauf die ersten Exemplare im Jahr 1972 an die (damals in Deutschland stationierten) 17th/21st Lancers ausgeliefert wurden, auch wenn diese ersten Fahrzeuge ihren Dienst offiziell erst 1973 antraten. Die 76-mm-Variante des Modells erhielt die offizielle Bezeichnung FV101 Scorpion.

Während der Scorpion mit 76-mm-Bewaffnung die Rolle des Anti-Infanterie-Fahrzeugs erfüllte (und mit seiner kräftigen Waffe und den HESH-Projektilen auch gegen leicht gepanzerte Ziele und Stellungen eingesetzt werden konnte), wurde der mit einem 30-mm-Geschütz ausgerüstete Scimitar für den Einsatz gegen gegnerische MTW ausgelegt. Seine 30-mm-ARDEN-Maschinenkanone kam auf eine viel flachere Flugbahn und schnellere Salven, was sie geeigneter für den Beschuss von beweglichen Zielen machte.

Um das Gewicht gering zu halten, wurden beide Fahrzeuge mit einer Aluminiumwanne ausgestattet. Der Einsatz von Aluminium beim Panzerbau ist nicht frei von Risiken und die Briten waren sich der prekären Erfahrungen bewusst, die die Amerikaner mit diesem Material machten. Statt also wie beim M113 eine 5083er Aluminiumlegierung zu verwenden, entschied man sich für eine 7017er Aluminium-Zink-Magnesium-Legierung. Diese war zwar schwerer in der Verarbeitung, sicherte dem Fahrzeug jedoch eine wesentlich erhöhte Strapazierfähigkeit. Anders als bei vielen Fahrzeugen mit Aluminiumwanne bestand der Turm des Scorpion aus dem gleichen Material. Die dadurch erreichten Gewichtseinsparungen ermöglichten den Flugtransport des Fahrzeugs durch die gängigen NATO-Frachtflieger, insbesondere den amerikanischen C-130 Hercules.

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Das ist jedoch nicht die einzige Anforderung an das Modell gewesen. Das Militär wollte den Stealthfaktor des Scorpion möglichst hoch halten und ihn gleichzeitig auch bei widrigsten Bedingungen geländetauglich gestalten. Während man beim Wort „Stealth“ nicht unbedingt an gepanzerte Kettenfahrzeuge denkt, konnte sich der Scorpion mit seinem Jaguar-XK-Motor extrem leise fortbewegen. Dank seiner gedrungenen Konstruktion und der geringen Bodenpressung konnte es in Gebieten eingesetzt werden, die den meisten Panzern verwehrt bleiben. Die Kombination aus leisem Motor und exzellenten Offroad-Eigenschaften machten ihn zu einem erstklassigen „Lauerjäger“. Alles in allem machten die Ergebnisse des Entwicklungsprogramms im Vergleich zu anderen Programmen der Nachkriegszeit eine sehr gute Figur und hatte kaum mit Verzögerungen und Budgetkürzungen zu kämpfen.

Die erfolgreiche Einsatzgeschichte des Scorpion angemessen zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Es sei jedenfalls gesagt, dass die CVR(T)-Serie einige der erfolgreichsten britischen Panzerfahrzeuge der Nachkriegszeit hervorgebracht hat. Sie kamen während der türkischen Invasion auf Zypern, im Falklandkrieg, dem Golfkrieg und bei weiteren Operationen zum Einsatz. Die Scorpions wurden auch erfolgreich exportiert und versehen bis heute ihren Dienst in vielen Ländern, auch wenn sie in ihrer Heimat bis 1994 ausgemustert worden sind.

Bei Armored Warfare

Bei Armored Warfare wird der Scorpion neben dem M41 und dem T92 zu den ersten Leichtpanzern gehören, die der Spieler im Spiel antreffen kann. Er verkörpert die typischen Eigenschaften der Leichtpanzerklasse, wie hohe Mobilität und exzellente Feuerkraft auf Kosten der Panzerung.

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Seine legendäre Reputation im Spiel erkämpfte sich der Scorpion in der Early-Access-Phase, als er auf Tier 2 angesiedelt war und mit seiner 76-mm-Kanonen viele Ziele mit einem einzigen Schuss außer Gefecht setzen konnte. Auch wenn seine Charakteristiken seitdem angepasst wurden und er sich nunmehr auf Tier 3 befindet, stellt er in geübten Händen immer noch ein potentes Fahrzeug dar.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt im geschickten Einsatz der Mobilität, da die Panzerung gegen viele Bedrohungen nur unzureichend schützt und das Fahrzeug selbst mit leichten Maschinenkanonen schwer beschädigt werden kann. Wähle deine Ziele mit Bedacht, flankiere deine Gegner und attackiere seitlich oder am Heck - so lautet die richtige Taktik für Leichtpanzer.

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