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Fahrzeuge im Fokus: T-64A Model 1969

Der mittlere Panzer T-64A stellt eine Modernisierung des älteren T-64 dar, über den wir in unserem letzten Artikel berichtet haben. Als größte Änderung wurde beim T-64A die 115-mm-Glattrohrkanone 2A21 durch das erste an einem Panzer verwendete 2A26-Modell mit 125-mm-Kaliber ersetzt und damit der erste sowjetische Panzer mit der berühmten Kombination aus 125-mm-Kanone und pfannenförmigen Turm geschaffen.

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Doch zunächst ein paar Hintergrundinformationen. Im Artikel zum T-64 ist euch vielleicht eine interessante Sache aufgefallen, wie schnell nämlich die Entwicklung des T-64 vom Beginn des Projekts im Jahr 1961 über die ersten Testfahrten im Frühjahr 1963 bis hin zur Serienproduktion Ende 1963 vonstatten ging. Wenn ihr das mit der langwierigen Entwicklungs- und Testphase des IT-1 vergleicht und dabei beachtet, dass der Panzer modernste Technologie verwendete, werdet ihr zugeben müssen, dass die Entwickler unter A. A. Morosow etwas wahrlich außergewöhnliches vollbracht hatten, was andererseits aber auch das Potenzial für Schwierigkeiten mit sich brachte.

Was es auch tat. Auf der einen Seite ist der T-64 zum Zeitpunkt seiner Einführung einer der modernsten Panzer der Welt gewesen. Er war allerdings auch so unzuverlässig, schwierig in der Wartung und dermaßen teuer, dass er für die chronisch unterfinanzierte sowjetische Armee keine realistische Option darstellte. Morosows Vision bestand darin, nichts weniger als den besten Panzer seiner Zeit zu bauen, Punkt. Sein Team hatte genau das bewerkstelligt, allerdings ohne genügend Raum für Verbesserungen übrig zu lassen.

Diese Eigenschaft wurde oft kritisiert (zum Beispiel von L. N. Kartsew, dem Entwickler des T-62-Panzers), was jedoch nicht verhindern konnte, dass der Panzer in den Dienst der sowjetischen Armee als Gegenstück der westlichen, mit 105-mm-Zugrohrkanonen ausgerüsteten Panzer gestellt wurde (den T-62 sah man als Zwischenlösung an, weshalb sich auch kein Staat des Warschauer Paktes zu einer Lizenzproduktion dieses Modells durchringen konnte). Ein weiterer Grund für die rasche Inbetriebnahme des T-64 lag aller Wahrscheinlichkeit nach in der Einmischung durch Nikita Chruschtschow, der es liebte, seine Rückmeldungen zu allen mögichen Sachverhalten zu geben und zwar egal ob es sich dabei um Landwirtschaft, oder um Panzerentwicklung handelte (sehr zum Missfallen von den jeweiligen Experten, was jedoch eine ganz andere Geschichte ist).

Was die Angst vor der 105-mm-Kanone L7 betrifft, so überschätzten die Sowjets wohl die Fähigkeiten der NATO-Panzer (insbesondere die der Patton-Serie) in den frühen 1960er-Jahren, was auch die Entwicklung des neuen Panzers beeinflusste. Man glaubte, dass eine 115-mm-Glattrohrkanone nicht ausreichen würde, um die Frontalpanzerung des Patton oder der Chieftain-Panzer zu durchbrechen. Als Reaktion auf diese Annahme entwickelte das Konstruktionsbüro OKB-9 die erste Version einer sowjetischen 125-mm-Glattrohrkanone, der D-81.

Das D-81-Projekt wurde am 11. August 1962 parallel zum Schwesterprojekt D-83 gestartet, das ein Zugrohrgeschütz mit identischen Eigenschaften darstellen sollte. Das sowjetische Militär schenkte den Glattrohrkanonen damals noch kein volles Vertrauen, weshalb man auf eine Zugrohrvariante bestand für dem Fall, dass die Glattrohrversion scheitern würde. Diese Sorgen stellten sich als unbegründet heraus, denn die Testläufe zeigten, dass die Glattrohrkanone D-81 eine exzellente Waffe war, die 1968 unter der Bezeichnung 2A26 in den Dienst gestellt wurde.

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Was die Plattform anbelangt, die das Geschütz tragen würde, so begann die Entwicklung des optimierten "Objekt 432" bereits 1962 in Charkow unter der Leitung von A. A. Morosow. Der erste Prototyp mit 125-mm-Kanone wurde im Juli 1965 fertiggestellt und bis Dezember 1965 eingehend getestet. Parallel dazu entstand im September 1965 ein zweiter Prototyp, der bis zum Sommer 1966 getestet wurde.

Diese Objekt 434 genannten Prototypen unterschieden sich kaum von dem Originalmodell des T-64. Die Panzerung, die Wanne, die Aufhängung und der Motor blieben gleich, während der Geschützturm eine automatisch geladene 125-mm-Glattrohrkanone vom Typ 2A26 L/51 trug. Die Kanone war voll stabilisiert (2E18 Siren-III) und hatte einen Höhenrichtwert von -6/+14 Grad. Als Zielfernrohr diente das mit einem Entfernungsmesser kombinierte TPD-2-49-Visier bei Tag und das TPN-1-432-Visier bei Nacht. Das Nachtvisier wurde von dem IR-Suchscheinwerfer L-2AG unterstützt, der links vom Kanonenrohr angebracht war. Die Kanone konnte 8 Schuss pro Minute abgeben und verfügte über ein Karussellmagazin aus 28 Projektilen (von insgesamt 37 mitgeführten Geschossen).

Folgende Munition stand für die Kanone zur Verfügung:

  • Unterkalibergeschoss 3VBM3 (durchschlug 150 mm RHAe auf 2000 m bei 60 Grad)
  • HEAT-Geschoss 3VBK7 (durchschlug 220 mm RHAe auf jede Distanz bei 60 Grad)
  • HE-Geschoss 3VOF22

Eine beschränkte Produktionsreihe wurde 1967 abgesegnet, woraufhin das Fahrzeug 1968 unter der Bezeichnung T-64A in Serienproduktion ging.

Das Serienmodell entsprach zum größten Teil dem Prototyp Objekt 434. Zu den Änderungen gehörte ein neues Paket an Zielfernrohren mit Entfernungsmesser für den Tag- (TPD-2-1) und Nachteinastz (TPN-1-43A). Die Kanone bekam außerdem einen neuen Stabilisator mit der Bezeichnung 2E23 Siren-IV. Der turboaufgeladene 700-PS-Motor 5TDF wurde optimiert, um ihn im Vergleich zu der im T-64 eingesetzten Antrieb zuverlässiger zu machen.

Bis zum Auftauchen der nächsten verbesserten Variante, des T-64B im Jahr 1976, wurde der Panzer laufend modernisiert.

Seit 1971 wurde das Zielfernrohr durch ein neues Modell ersetzt (TPD-2-49) und auch das Nachtvisier wurde mit dem Modell TPN-1-49-23 aktualisiert. Die neue Funkanlage trug die Bezeichnung R-123M. Zusätzlich wurden an den Seiten und am Heck des Turms die charakteristischen Rohre für Unterwasserfahrten und weitere Ausrüstung angebracht. Das Fahrzeug erhielt außerdem ein neues Kühlungssystem und einen neuen Kühlergrill. Schließlich wurden auch an jeder Seite vier ausfahrbare Seitenschilde angebracht, die den Flanken Schutz vor HEAT-Geschossen boten.

Im Jahr 1972 erhielt das Fahrzeug ein neues überschweres MG vom Typ NSWT, das an der Kommandantenkuppel montiert wurde. Das Maschinengewehr konnte aus dem Inneren des Fahrzeugs heraus bedient werden und verwendete ein neues periskopisches Visier vom Typ PZU-5. Das Fahrwerk wurde um zwei zusätzliche Stoßdämpfe pro Seite ergänzt, die den Fahrkomfort erhöhten.

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Im Jahr 1973 erhielt der Fahrer ein neues Nachtvisier (das Modell TVN-2BM wurde durch das Modell TVNO-2BM ersetzt), während der Richtschütze anstelle des alten VNM-Visiers ein neues Nachtperiskop vom Typ TPN-165A erhielt. Darüber hinaus wurde eine Haltevorrichtug für den Minenräumpflug KMT-6 angebracht. Schließlich wurde auch das automatische Feuerlöschsystem EEC11 durch das Modell EEC11-2 ersetzt und der frontale Treibstofftank erhielt eine neue Treibstoffpumpe.

Weitere Modernisierungen wurden nach 1974 durchgeführt, was jedoch in den kommenden Artikeln thematisiert werden soll.

Was die exakten Produktionsmengen betrifft, so variieren auch in diesem Fall die Quellen erheblich. Die glaubwürdigsten Schätzungen setzen die Anzahl der produzierten T-64A wie folgt an:

  • 1969 bis 1972: 1560 Fahrzeuge
  • 1973: 500 Fahrzeuge
  • 1974: 600 Fahrzeuge

In anderen Worten wurden 2000-2500 T64A-Panzer der frühen Produktionsvariante gebaut. Das Fahrzeug tauchte um das Jahr 1970 herum erstmals in der Öffentlichkeit auf, war im Westen jedoch praktisch unbekannt, weil es aufgrund großer Ähnlichkeiten mit einer weit verbreiteten Kampfwertsteigerung des T-72 verwechselt wurde. Dieser Irrtum hatte bis in die frühen 2000er-Jahre Bestand.

Kürzlich veröffentlichten Dokumenten zufolge hatten die Briten erst 1976 von dem Panzer Kenntnis genommen, nachdem er vermehrt in der DDR gesichtet wurde, wo man ihn bei den dort stationierten Einheiten einsetzte. Der T-64 war das beste Pferd im Stall der sowjetischen Panzer und wurde aus diesem Grund nur an Eliteeinheiten ausgegeben. Die Briten dachten zunächst, es würde sich dabei um einen T-72 mit Gasturbine handeln, bevor eine eingehende Beschäftigung mit dem Modell weitere Details ans Licht brachte. Ausgehend von einer ansehnlichen Zahl an Informationen, die sie von ihrem zuverlässigen Agentennetz erhielten, zeichneten die Briten ein überraschend genaues Bild des neuen sowjetischen Panzers, einschließlich des Geschützkalibers, des Höhenrichtwerts, der Kadenz des Lademechanismus und anderer Eigenschaften. Sie vermuteten sogar den Einsatz von Verbundpanzerung, wussten allerdings nicht, welches Material dabei Verwendung fand (die Schutzeigenschaften des Fahrzeugs wurden jedenfalls unterschätzt). Generell machte der Panzer keinen guten Eindruck, was vor allem den Arbeitsbedingungen der Besatzung geschuldet war, die weit unter britischen Standards lag.

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Der T-64A wurde nicht exportiert und relativ selten eingesetzt – nur sehr wenige Fahrzeuge fanden ihren Weg nach Afghanistan. Auch wenn eine relativ große Zahl dieser Fahrzeuge in Ostdeutschland und anderen Ländern des Warschauer Paktes stationiert war, feuerte während der Sowjetzeit kein einziges von ihnen einen Schuss im Gefecht ab. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verblieben viele T-64 in der Ukraine und bilden bis heute das Rückgrat der ukrainischen Panzerverbände, auch wenn die meisten mittlerweile wegehend modernisiert worden sind.

Bei Armored Warfare ist der T-64A Model 1969 ein Kampfpanzer auf Tier 4.

Die sowjetischen und russischen Panzer gelten unter den KPz von Armored Warfare als sogenannte „Brawler” (oder Raufbolde). Obwohl sie nicht sehr präzise sind, sind sie relativ mobil, auch wenn ihre Panzerung nur durchschnittlich ist. Ihr Spezialgebiet ist der Kampf auf kurze Distanz und sie verlassen sich auf ihre Schaden-pro-Minute-Werte – alle ihre Kanonen (beginnend mit dem T-64 und dem T72 Ural) werden automatisch geladen und können ihre maximale Feuerrate ohne zusätzliches Besatzungstraining erreichen. Sie verwenden beinahe ausschließlich 125-mm-Kanonen, die vor allem bei Panzern niederen Tiers einen verheerenden Schaden pro Schuss anrichten und die grundsätzlich als eine der mächtigsten Waffen des Spiels gelten – zumindest bis die NATO-120-mm-Glattrohrkanone zum Einsatz kommt. Ferner können die russischen Panzer, im Gegensatz zu amerikanischen, beides abfeuern: HE-Munition als auch kanonenlancierte Lenkflugkörper, die obgleich ihrer geringen Geschwindigkeit und der Möglichkeit, diese via APS abzufangen, über signifikante Zerstörungskraft verfügen, wenn sie richtig eingesetzt werden.

Auf der anderen Seite verfügen sie nur über drei Besatzungsmitglieder, was die Auswahl an Besatzungsfähigkeiten erschwert.

Im Allgemeinen haben sie niedrigere Silhouetten und sind kleiner, was sie dazu befähigt, sich besser verstecken zu können als ihre größeren Gegenstücke. Gleichwohl geht die geringere Größe im Normalfall mit einer geringeren Menge an Trefferpunkten als auch einer schlechteren Rohrsenkung einher, die auf die niedrigen Geschütztürme zurückzuführen ist.

Was den Aspekt der Panzerung betrifft, so ist der Frontalschutz für gewöhnlich aufgrund des Vorhandenseins (selbst bei niedrigen Tiers) einer Verbundpanzerung und einer explosiven Reaktivpanzerung exzellent. Auf der anderen Seite lässt die Seitenpanzerung üblicherweise viel zu Wünschen übrig und kann leicht penetriert werden.

Die russischen und sowjetischen KPz sind ideal für Spieler, die ein aggressiveres Gameplay, das Aufzwingen von Kämpfen sowie Kämpfe auf mittlere und kurze Distanz bevorzugen. Es fällt ihnen leicht, einen Angriff anzuführen, und sie sind wegen ihrer Größe und ihrer exzellenten schwergewichtigen Frontalpanzerung verhältnismäßig schwer zu treffen. Ihre schwache Rohrsenkung sowie die niedrige Rücklaufgeschwindigkeit machen sie wiederum weniger geeignet für defensive Operationen, da sie sich nicht schnell genug zurückziehen können, falls Gefahr droht.

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