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Nordkoreanische Feuerkraft

Die Demokratische Volksrepublik Korea gilt zurzeit als das am meisten isolierte Land der Welt, hinter dessen streng bewachten Grenzen eine Millionenbevölkerung lebt, ohne Hoffnung, dem totalitären Regime zu entfliehen. Obwohl Nordkorea kein reiches Land ist und dazu seit geraumer Zeit mit Waffenembargos belegt wurde, konnte es dank seiner Beziehungen zu China, der Sowjetunion und anderen Diktaturen eine ansehnliche Zahl an Panzerfahrzeugen und anderen Waffen anhäufen.

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Das Tauwetter zwischen dem Westen, Russland und China in den 1990er Jahren hatte eine weitere politische Isolierung Nordkoreas zur Folge, was dazu führte, dass die Bewaffnung des Landes mittlerweile musealen Charakter hat. So ist zum Beispiel dokumentiert, dass Reserveeinheiten immer noch T-34-Panzer aus den Zeiten des Zweiten Weltkriegs verwenden (bzw. deren chinesische Nachbauten). Während also das nordkoreanische Militär eine riesige Organisation ist, besteht seine Ausrüstung aus bestenfalls veralteter, in den meisten Fällen jedoch völlig nutzloser Gerätschaft.

Nordkoreanische Panzer

Sobald es um nordkoreanische Panzer (oder jeden anderen Bereich des nordkoreanischen Militärs) geht, gibt es nur wenige verlässliche Quellen zu Bestand und Zustand der Ausrüstung. Die spärlichen Berichte (darunter ein Bericht der US-Regierung) sprechen von 4000-6000 Panzern unterschiedlichster Typen, die aktuell von Nordkorea betrieben werden. Die Qualität schwankt zwar deutlich, reicht jedoch in jedem Fall nicht an moderne russische, chinesische oder amerikanische Fahrzeuge heran.

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Die meisten Panzer der koreanischen Panzereinheiten sind T-54/55-Modelle und deren chinesische Kopien (Typ 59). Die ersten Fahrzeuge dieses Typs wurden wahrscheinlich in den frühen 1970er Jahren sowohl von Russland, als auch von China geliefert und sind bis heute im Einsatz. In den 80ern und 90ern konnte Nordkorea an Ersatzteile dieser Panzer gelangen, einige Fahrzeuge wurden nachweislich in den Irak exportiert. Momentan werden sie allein durch Wiederverwertung und sporadische Käufe von Ersatzteilen am Laufen gehalten, wobei niemand mit Sicherheit sagen kann, wie viele wirklich einsatzfähig sind. Sicher hingegen ist, dass diese Panzer völlig veraltet sind und ihr Kampfwert null beträgt, wofür der Irakkrieg bestes Zeugnis ablegt. Einige der T-54/55 und Typ 59-Modelle wurden zu massiven, selbstfahrenden 170mm-Artillerieeinheiten umgebaut (bekannt unter dem Namen Koksan), die in kleiner Stückzahl an den Iran verkauft wurden. Mehrere dieser SFL wurden während des Iran-Irak-Kriegs vom Irak erbeutet und als Kriegstrophäen ausgestellt, bis sie den Amerikanern in die Hände fielen. Die 170mm-Munition ist sehr ungewöhnlich und eine Produktion für die wenigen existierenden Artilleriewaffen kaum lohnenswert.

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Neben diesen Umbauten wurden einige nordkoreanische T-55 mit ERA-Panzerung und Lenkflugkörpern aus heimischer Produktion ausgestattet, deren Wert allerdings als gering erachtet werden muss. Aktuelle Erfahrungen im Kampfeinsatz (Irak, Syrien) zeigen, dass im Hinblick auf das enorme Alter der Fahrzeuge auch diese Modifikationen völlig nutzlos sind. Die Anbringung zusätzlicher Panzerung oder schwererer Bewaffnung führt unweigerlich zu einer Destabilisierung von Wanne und Geschützturm, was sich bei derart veralteten Modellen in höchstem Maße bemerkbar macht.

Das vielleicht wichtigste und größte Kontingent unter den nordkoreanischen Panzerfahrzeugen stellt der sowjetische mittlere Panzer T-62 mitsamt Varianten. Die Geschichte dieses nordkoreanischen Fahrzeugkaufs ist sehr nebulös, wahrscheinlich wurden die meisten Fahrzeuge in den 70er Jahren direkt von der Sowjetunion erworben (amerikanische Quellen sprechen davon, dass die nordkoreanischen T-62 in der Tschechoslowakei gebaut wurden, was jedoch nicht stimmt). Auf Basis dieses Modells entwickelten die Nordkoreaner ihren ersten heimischen Panzer, den Chonma-ho.

Der Chonma-ho (Pegasus-Tiger) in seiner Urform ist eine abgespeckte heimische Kopie des von den Sowjets erworbenen T-62 mit einer 115mm 2A20-Kanone gewesen. Im Gegensatz zum Original fehlte dem Chonma-ho jedoch dem Laser-Entfernungsmesser. Er wurde wahrscheinlich in der Mitte der 70er als Ersatz für alle anderen Importfahrzeuge entworfen, wobei die Nordkoreaner es niemals dazu brachten, genügend Exemplare zu bauen. So dienen die Kopien bis heute an der Seite der Panzer, die sie ersetzen sollten. Um die Verwirrung noch größer zu machen, werden einige der immer noch im Dienst stehenden, importierten T-62 ebenfalls Chonma-ho genannt.

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Die zweite, in den 80er-Jahren gebaute Variante des Chonma-ho (der Chonma-ho II) besaß einen Laser-Entfernungsmesser, sowie rudimentäre Verbesserungen der Panzerung (eine dünne Schottpanzerung). Einige ausgefeilte Komponenten des Fahrzeugs wurden wahrscheinlich aus dem Ausland importiert, die meisten Teile aber stellte man in Nordkorea selbst her, gemäß der vom nordkoreanischen Militär propagierten Philosophie einer autarken Militärindustrie. Einige Chonma-ho wurden in den 80er-Jahren an den Iran verkauft und mit hoher Wahrscheinlichkeit (aber unbekanntem Resultat) im Iran-Irak-Krieg eingesetzt.

In den 90er und frühen 2000er-Jahren „erwarben“ die Nordkoreaner auf verschiedenen illegalen Wegen einige mittlere Panzer des Typs T-72, sowie (angeblich) einen T-90. Viele Elemente dieser Panzer wurden an die heimischen Produktionsmöglichkeiten angepasst und kamen bei den Modellen Chonma-ho III-V zum Einsatz. Diese besaßen mehrere neue Vorrichtungen, wie Hitzeummantelung der Kanone, einen ballistischen Computer, verbesserte Geschützstabilisierung, neue Verbundpanzerung, ein ERA-Set (basierend auf dem russischen Kontakt-Modell) und einen neuen 750 PS-Motor. Der Chonma-ho V wurde nochmals modernisiert, indem die Kopie einer russischen 2A46 125mm-Glattrohrkanone mit Autoloader aufmontiert wurde. Insgesamt wurden ca. 1000 Chonma-hos gebaut, die nahezu alle noch in Gebrauch sind. Doch selbst mit derart weitreichenden Upgrades ist der Kampfwert der gesamten Chonma-ho-Serie bestenfalls fraglich.

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Diese Tatsache ist auch den Nordkoreanern nicht verborgen geblieben, die daraufhin beschlossen, den Chonma-ho weiter zu entwickeln. Den Impuls dazu gab wohl der Schock, der durch die Zerstörung der irakischen T-72 im Golfkrieg ausgelöst wurde. Mit der Tatsache konfrontiert, dass Nordkoreas Panzer weitaus schwächer waren, als die von den Amerikanern im Irakkrieg komplett zerstörten Fahrzeuge, beschloss die nordkoreanische Armee, mit der Entwicklung einer modernisierten Chonma-ho-Variante zu beginnen, die importierte Komponenten des T-72 und des T-90 verwenden sollte. Diese Variante erhielt die Bezeichnung Pokpung-ho (Sturmtiger) und wurde erstmals 1992 als Prototyp produziert. Ursprünglich als Fortsetzung der Chonma-ho-Linie geplant und mit den Seriennummern VI und VII bedacht, bekam der Panzer wegen der weitgehenden Änderungen eine eigenständige Bezeichnung.

Pokpung-ho

Während frühe Pokpung-ho-Versionen noch mit einer 115mm-Glattrohrkanone ausgerüstet gewesen sind, bekamen spätere Modelle einen in Nordkorea produzierten Klon der 125mm 2A46 aufmontiert (zusammen mit Geschossen aus heimischer Produktion). Die verlängerte Wanne basierte auf dem Rumpf des T-62 und wurde mit einem zusätzlichen Räderpaar ausgestattet. Außerdem besitzt das Fahrzeug einen neuen Geschützturm mit Verbundpanzerung, der den Türmen der T-72-Exportmodelle ähnelt, sowie einen neuen Motor mit 1000 bis 1200 PS, der dem Panzer eine exzellente Beschleunigung ermöglicht. Der Pokpung-ho besitzt wohl auch ein computergesteuertes Feuerkontrollsystem unbekannter Herkunft, das wahrscheinlich auf dem des T-72 basiert. Insgesamt ist sehr wenig über diesen Panzer bekannt. Der Öffentlichkeit wurde er erst 2002 präsentiert, also ein Jahrzehnt nach seiner Entwicklung. Selbst in seiner modernsten Form (Pokpung-ho mit ERA) ist das Fahrzeug sämtlichen seit 1995 in Russland und den USA produzierten Panzern unterlegen. Es wird angenommen, dass zwischen 1992 und 2015 ungefähr 200-300 Stück produziert wurden, die heute bei nordkoreanischen Spezialeinheiten im Einsatz sind.

Neben diesen Kampfpanzern unterhält das nordkoreanische Militär eine unbekannte Zahl wirklich antiker Fahrzeuge, wie den PT-76 und den T-34. Ein interessantes Modell ist der Leichtpanzer PT-85, der zwar dem PT-76 ähnelt, jedoch auf dem Rumpf des VTT-323 basiert (welcher wiederum eine Kopie des chinesischen Schützenpanzers Typ 63 ist). Der Kampfwert dieser Varianten kann als äußerst gering eingestuft werden.

Gegen Südkorea

Ungeachtet der Drohgebärden des nordkoreanischen Regimes und der Größe des nordkoreanischen Heers ist seine gesamte Ausrüstung der südkoreanischen Armee weit unterlegen. Der koreanische Kampfpanzer K1 ist selbst in seiner ersten Version von 1987 mit den frühen Varianten des amerikanischen M1 Abrams vergleichbar und der neue K2 Black Panther überragt ungeachtet seiner hohen Produktionskosten alles, was Nordkorea momentan auffahren kann.

K2

Ohne eine Öffnung der Grenzen und einen Dialog mit dem Rest der Welt hat Nordkorea keine Chance, an die Entwicklungen der modernen Waffen- und Panzertechnik anzuknüpfen und es ist kaum vorstellbar, dass dort etwas stärkeres, als ein durchschnittliches T-72-Modell gebaut werden könnte. Die Kluft zwischen Nordkorea und der restlichen Welt wird sich nur noch ausweiten und es ist durchaus möglich, dass die Entwicklung der nordkoreanischen Panzer noch in 20 Jahren auf dem Niveau eines verbesserten T-62 liegen wird.

Koreanische Fahrzeuge werden in Zukunft auch bei Armored Warfare auftauchen, wobei kein nordkoreanischer Kampfpanzer auf einem höheren Tier als 6 landen wird.

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