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Schwere Geburt des BMP-2: Teil 1

Das Konzept eines Schützenpanzers (auch bekannt als IFV oder Infanterie-Kampffahrzeug) ist nicht neu. Es entwickelte sich aus gepanzerten Personaltransportern, die es in manchen Fällen schon vor dem Zweiten Weltkrieg gab. Doch erst viel später wurde diese Fahrzeugklasse auf dem Schlachtfeld prominent, dank seiner massiven Nutzung durch die NATO und die Mächte des Warschauer Pakts. Es gibt sowohl innerhalb als auch außerhalb der NATO und der früheren Staaten des Warschauer Pakts viele Fahrzeuge dieser Klasse, aber zwei von ihnen - der Bradley IFV und der sowjetische BMP - können die Anfangsprobleme dieser Fahrzeugklasse besonders gut illustrieren.

Die Probleme bei der Bradley-Entwicklung sind dank Hollywood allgemein gut bekannt: 1998 kam der Film "The Pentagon Wars" heraus, der den gesamten Konstruktionsprozess beschrieb, der praktisch 20 Jahre lang gedauert und bis 1986 14 Mrd. US-Dollar verschlungen hatte. Der Film ist - wie in Hollywood häufig der Fall - nicht ganz korrekt, denn einige Probleme wurden zwecks Satire stark aufgebauscht, während andere, insbesondere die Beteiligung Israels, schlicht fehlinterpretiert wurden.

Am Ende brachte die US-Armee ihr Kampffahrzeug jedoch in einen vernünftigen Zustand und setzte es mit unterschiedlichem Erfolg in Irak ein. Die Quellen geben verschiedene Zahlen an, aber es ist gut möglich, dass im Krieg über 100 Bradley-Fahrzeuge zerstört wurden, meistens durch reaktive Panzerbüchsen und unkonventionelle Sprengvorrichtungen (USBV).

Im Unterschied zur amerikanischen Seite ist die Entwicklung des sowjetischen Schützenpanzers weniger gut bekannt. Es herrscht ein gewisser Mythos über die Effizienz der sowjetischen Militärindustrie (im Gegensatz zu den angeblich "korrupten" privaten Rüstungsherstellern in den westlichen Ländern). Aber nichts könnte der Wahrheit ferner sein, und der BMP-2 ist ein perfektes Beispiel dafür, wie die sowjetische Entwicklung manchmal verlief. Aber lasst uns am Anfang beginnen: beim BMP-1.

Der allgegenwärtige BMP-1 wurde - nicht ohne Grund - als ein Symbol der sowjetischen Militärmacht betrachtet, und die Ängste der westlichen Militärs verdichteten sich in der Vorstellung von endlosen Strömen russischer Fahrzeuge, die aus ostdeutschen Städten, dem polnischen Flachland und den Bergen der Tschechoslowakei wie ein gepanzerter Speer ins Herz der NATO-Mächte in Europa vorstießen.

Die Realität war, wie so oft, viel weniger glorreich und die ersten Kampfoperationen des BMP-1 im Konflikt der von der Sowjetunion unterstützten arabischen Nationen gegen Israel offenbarten die Schwächen dieses leichten Schützenpanzers, insbesondere seine ungenügende Waffenausrüstung, den engen Innenraum und die schlechte Platzierung der Besatzung. Während man die Probleme in den Nahostkonflikten größtenteils unsachgemäßer Verwendung der exportierten Fahrzeuge, genauso wie falscher Taktik zuschrieb, war es ein viel längerer und mühsamerer Prozess, die Probleme mit den Fahrzeugen auf ihrem Heimatboden - in Sowjetrussland - einzugestehen, insbesondere weil dazu verschiedene einflussreiche Beteiligte ihre Fehler zugeben mussten.

Ungenügende Waffenausrüstung

Eines der Dinge, die beim BMP-1 niemals wirklich entschieden wurden, war seine offizielle taktische Nutzung. Am Anfang war das Fahrzeug - wie die Fahrzeuge der BTR-Klasse (BTR, bronetransporter, ist ein russisches Wort für einen MTW oder gepanzerten Mannschaftstransportwagen) - nur für den Infanterietransport und als Unterstützung gedacht. Darin war der BMP-1 allerdings sogar schlechter als der ältere BTR, denn er hatte außer seines PKT-Maschinengewehrs keine andere geeignete Waffe - seine Hauptwaffe, die 2A28 Grom, war im Kampf gegen feindliche Panzertruppen nur theoretisch nützlich.

Die 2A28 Grom ist eine 73 mm-Niederdruckwaffe mit Glattrohr, und ihre Hauptbestimmung ist da Abfeuern panzerbrechender Munition auf gepanzerte feindliche Ziele (Splittergeschosse wurden erst später, Mitte der 1970er Jahre eingeführt). Sie wurde nicht deshalb für den zukünftigen sowjetischen Schützenpanzer ausgewählt, weil sie die beste Waffe war, sondern weil sonst kein anderes Geschütz zur Verfügung stand. Diese unglückliche Situation wurde von der über die Konstruktion des BMP-1 wachende GRAU (Hauptverwaltung für Raketen und Artillerie) mitverschuldet, die es neben der "gewöhnlichen" Aufsicht für Panzerkonstruktion, dem GBTU (Hauptpanzeramt), gab. Es ist nicht schwer, aus den Namen dieser sowjetischen Institutionen ihre übliche Vorgehensweise abzuleiten. Die GRAU war stark von der Inkompetenz der Chruschtschow-Regierung geprägt und setzte auf das falsche Pferd: die frühen Raketen. Als sich diese Vorgehensweise als falsch herausstellte, wollte man natürlich nicht dafür verantwortlich gemacht werden und wies deshalb alle Anschuldigungen zurück.

Die GRAU hatte keine leichtere automatische Kanone zur Verfügung und ihr unterstand kein Institut und keine Verwaltung, die eine solche Kanone hätte konstruieren können, da die meisten von ihnen in den frühen 60ern abgeschafft worden waren. Automatische Geschütze wurden nur von der sowjetischen Luftwaffe und der Marine entwickelt, doch diese unterstanden anderen Regierungsbeamten, die der GRAU nicht nahestanden. Noch schlimmer machte das Ganze die Tatsache, dass bestimmte GRAU-Generäle sehr am 2A28-Kaliber hingen und es als "das bisher leistungsfähigste Schützenpanzer-Geschütz" anpriesen. Als die Beamten, die für diese Fahrzeuge direkt verantwortlich waren, sich über die schlechte Leistung und Präzision des Geschützes beschwerten, wurden ihnen schlechte Instandhaltung der Panzer und unzureichendes Training vorgeworfen, und alle ihre Beschwerden wurden still unter den Teppich gekehrt. Aber Gerüchte erreichten langsam die obersten Ränge, und am Ende drang das GBTU auf eine Lösung, indem es offizielle Schießversuche auf dem Kubinka-Testgelände veranstaltete. Ein BMP-1 musste aus 800 Metern auf einen ausgemusterten T-55-Panzer schießen (das Ziel bewegte sich nicht). Was dabei herauskam? Von 50 Schüssen trafen nur 17 den Panzer - andere lenkte der Wind von ihrer Flugbahn ab. Die Geschosse, die das Ziel trafen, schlugen unter verschiedenen Winkeln ein - einige prallten ab, andere nicht, aber letztendlich schaffte es kein einziger Schuss, das Fahrzeug zu durchbrechen. Nach den Versuchen fuhr ein Fahrer den unbeschädigten Panzer einfach weg - eine Erinnerung an die Ineffizienz des Grom-Geschützes.

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Die Geburt des BMP-2

Diese Versuche führten schlussendlich zu einem Skandal in den sowjetischen Truppen, und das Verteidigungsministerium ordnete umgehend eine Modifizierung des Fahrzeugs zwecks einer Verbesserung seiner Feuerkraft an. Als Teil dieser Initiative sollte es mit einem zweiachsigen Stabilisator und Panzerabwehrraketen der neusten Generation ausgerüstet werden. Was danach folgte, war ein Beweis dafür, dass die Amerikaner mit ihrem merkwürdigen Schützenpanzer-Konstruktionsprozess voller grober Fehler nicht allein dastanden.

Zum einen stellte sich die Forderung nach einem Ein-Mann-Geschützturm als ein ernster Fehler dieser Initiative heraus. Ein Geschützturm für ein einziges Besatzungsmitglied hatte sich bereits mehrmals in der Geschichte als ineffektiv erwiesen, was die Entscheidung, ihn erneut zu verwenden, als recht seltsam erscheinen lässt. Aber das war nicht das letzte Problem: Zwei sowjetische Konstruktionsbüros und Werke - das TschTS (Tscheljabinsker Traktorenwerk) und das KMS (Kurganmaschsawod) - wurden damit beauftragt, bezüglich der Verbesserung des BMP zusammenzuarbeiten und einen Prototyp dieses Fahrzeugs zu bauen. In der Vergangenheit hatte der TschTS den Zuschlag für den BMP-1 gewonnen, aber der Vertrag ging letztendlich an den KMS (unter Berufung auf die "fehlenden Produktionskapazitäten" des TschTS), was zu einer erbitterten Rivalität zwischen den beiden Büros führte. Man kann sich denken, wie gut diese "Zusammenarbeit" klappte - trotzdem wurden die beiden Konstruktionsbüros temporär zu einem Büro, dem OKB Bosk, zusammengeschlossen (OKB bedeutet im Russischen "Experimental-Konstruktionsbüro").

Zuerst versuchte der TschTS, seine faktische Bevorzugung durch die GRAU zu nutzen, und beschloss, das Grom-Geschütz zu optimieren. Das Ergebnis war ein als Objekt 768 benanntes Experimentalfahrzeug mit einem Ein-Mann-Geschützturm und einem verbesserten 73 mm-Geschütz mit der Bezeichnung "Sarniza". Diese Waffe verwendete die gleiche Munition wie die Grom, aber ihr Rohr war länger, was in verbesserter Präzision und Reichweite resultierte. Um den Forderungen der sowjetischen Soldaten nach einer besseren Infanterie-Unterstützungswaffe zu entsprechen, hat man dem Geschütz ein 12,7 mm-NSW-Maschinengewehr an die Seite gestellt. Da beide Geschütze nicht in den ursprünglichen Turm passten, und der Stabilisator-Mechanismus zusätzlichen Platz benötigte, überarbeitete und vergrößerte das TschTS den Turm. Das stellte sich ebenfalls als Problem heraus, da das größere Gewicht der Waffen und des Geschützturms das Fahrzeug seine amphibische Qualität einbüßen ließ. Was man wiederum dadurch "löste", dass man den Rumpf verlängerte und ein siebtes Laufrad hinzufügte, während der Turm nach hinten verschoben wurde. Diese "Modifikation" störte die TschTS-Konstrukteure ganz und gar nicht - schließlich würden nicht sie den Rumpf herstellen müssen, sondern ihr Konkurrent, das KMS.

Am Ende vergrößerte man das Gewicht auf 13,5 Tonnen und trotz der Tatsache, dass der Rumpf nun 83 cm länger war, konnten nur sechs Infanteristen in diesem Fahrzeug Platz nehmen. Dieses Problem verminderte den Enthusiasmus des GBTU erheblich (um es milde auszudrücken), aber trotz aller Einwände wurde das Objekt 768 fertiggestellt und konnte Ende 1972 getestet werden. Am Ende wurde das Projekt jedoch erheblich durch die "Konkurrenz" verzögert, denn die Vertreter des KMS waren unerbittlich: Das Fahrzeug musste auf dem aktuell existierenden BMP-Rumpf basieren, da die vom TschTS vorgeschlagenen "Modifikationen" eine komplette Überholung der gesamten Produktionslinie erfordern würden. Und so wurde die "Zusammenarbeit" faktisch beendet, ehe sie begonnen hatte. Die KMS-Konstrukteure beschlossen, den Forderungen der Armee zu entsprechen, und schlugen ein Fahrzeug vor, das mit einem effektiven automatischen Geschütz ausgerüstet war und als Infanterie-Unterstützung fungieren konnte (zu diesem Zeitpunkt feuerten 73 mm-Geschütze immer noch ausschließlich mit panzerbrechender Munition, Splittergeschosse kamen erst zwei Jahre später), und mit dem man weiche feindliche Ziele, langsamere Flugzeuge und - am wichtigsten - Hubschrauber, die damals bei der NATO immer beliebter wurden, bekämpfen konnte.

Wie erfolgreich das war, erzählen wir euch im nächsten Teil...

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