f
s

News

Storyline: Joshua Seagrove

  • Südengland, Spätherbst 2040

Die Bibliothek füllte sich mit dem Duft frischer Backwaren, als Clayburns Dienstmädchen den Raum betraten, um den mittlerweile kalt gewordenen Tee durch andere Erfrischungen zu ersetzen. Die kalte Herbstsonne hing jetzt hoch am Himmel und erhellte den staubigen Raum durch die riesigen Fenster, allerdings war in ihren Strahlen keine Wärme. Erst jetzt wurde Strom bewusst, dass sie bereits seit zwei Stunden ununterbrochen geredet haben und doch hatte er das Gefühl, dass ein wichtiger Teil der Geschichte fehlte.

„Sir, eine Frage, wenn sie gestatten.“

Clayburn nickte, ohne etwas zu sagen.

„Wer war Joshua Seagrove?“

Als er keine Antwort erhielt, setzte er fort.

„Ich habe sein Dossier gelesen. Er war einer von den Konzernjungs. Ziemlich gut, aber nicht brillant. Was machte ihn so besonders, dass er in die Seahawk Task Force berufen wurde?“

Beim letzten Satz nickte Clayburn wieder.

„Die Frage ist nicht ‚was‘, Strom. „Sondern: wer.“

scr1

Biographie

Major Joshua Seagrove wurde am 30. August 2010 in London geboren. Seine Eltern waren Angehörige des Militärs und Joshua ihr einziges Kind. Sein Vater John Seagrove, ein Oberst der britischen Armee, verließ das Militär nach den massiven Budgetkürzungen der späten 2000er-Jahre, um bei Clayburn Industries als ziviler Marketingexperte anzufangen – und das keinesfalls, weil er unbedingt Teil des Konzerngefüges werden wollte, sondern weil er darin die beste Möglichkeit sah, für seine Familie aufzukommen.

Joshua Seagrove war zu jung, um sich an die freie, heile Welt der 1990er und 2000er zu erinnern. Er lebte sein ganzes Leben im Schatten von Clayburn Industries, besuchte die multikulturell ausgerichteten Privatschulen des Konzerns und pflegte einen Stolz auf die Firma, den man sonst für sein Land oder seine Religion verspürte.

Jede Art von Nationalismus oder religiösem Eifer ist in der Welt der Konzerne verpönt, man legt Wert auf kritisches Denken und die Zugehörigkeit zum Unternehmen bildet die Grundlage des korporativen Bildungssystems. Dieses wiederum kollidierte oft mit der Weltsicht von Joshuas Vater, der Ehre und Loyalität über alles schätzte und sich oft kritisch über die Konzernpolitik äußerte. Und auch wenn diese Kritik dank seiner hervorragenden Leistungen nicht ausreichte, um ihn zu feuern, kam die Karriere von John Seagrove ordentlich ins Stocken. Das ließ ihn zusehends verbittern, doch er sah angesichts der im Chaos versinkenden Welt keine Alternative zu seiner Zugehörigkeit zum Konzern und begann damit, seine Werte und das kritische Denken seinem Sohn zu vererben.

Wie so viele andere hatte auch Joshua keinen Sinn für das Leben außerhalb des Firmenanwesens unweit von Manchester. Sein Leben sollte in geordneten Bahnen verlaufen, die ihm von dem Konzern und dessen charismatischen Chef Andrew Clayburn vorgegeben wurden.

Aus diesem Grund entschied er sich im Alter von 17 Jahren unter dem Einfluss seines Vaters und dessen Erzählungen von den „guten alten Tagen“ zu einer Karriere als Sicherheitsoffizier. Seine Entscheidung wurde einerseits von seinem Wunsch bestärkt, die Schwachen der Gesellschaft zu schützen, andererseits von der Konzernpropaganda, in denen die Sicherheitskräfte als glamouröse Militärtruppe gefeiert wurden.

Zwei Jahre später, nach Inkrafttreten des Abkommens von Bordeaux, wurden die Sicherheitskräfte von Clayburn Industries teilweise in eine Privatarmee umgewandelt. Dank seiner ausgezeichneten Leistungen wurde der mittlerweile 19-jährige Joshua für ein elitäres Trainingsprogramm vorgeschlagen, das ihn zu einem Offizier machen sollte – ein solches Angebot abzuschlagen, hätte für ihn und seine Familie ernste Konsequenzen im Konzerngefüge, was ihm bei dieser Gelegenheit unmissverständlich zu verstehen gegeben wurde. Joshua sah keine andere Option, als dem Angebot zuzustimmen.

Seine technische Begabung und die außergewöhnlichen Führungsqualitäten, die während der ersten Monate seiner Ausbildung zutage traten, katapultierten ihn schnell in den engen Kreis der im Aufbau befindlichen bewaffneten Streitkräfte des Konzerns. Das Training fand weit entfernt von Manchester und seiner Familie statt. Zum ersten Mal in seinem Leben verließ Joshua seine altbekannte Welt und fand seine neue Familie in Tidworth, in der Grafschaft Wiltshire – eine Gruppe von Brüdern und Schwestern, die mit ihm dienen würde.

Die Panzertruppen von Clayburn waren in einer ehemaligen Basis der britischen Armee stationiert. Im Jahr 2030 kaufte Clayburn Industries in großem Stil ehemalige Militäranlagen, sowohl auf den britischen Inseln als auch auf dem europäischen Festland, wo der Konzern den zerrütteten Ländern seine militärischen Dienste anbot – gegen saftige finanzielle Vergütung. Die neu aufgebauten Streitkräfte benötigten einen fähigen und loyalen Führungskader und genau hier kam Joshua und seine Kameraden ins Spiel.

Im Alter von 21 Jahren führte Joshua einen Kampfzug von Abrams-Panzern an, die aus verlassenen amerikanischen Militärbasen in Europa und dem Nahen Osten stammten oder von Drittparteien aufgekauft wurden, als die Situation den Aufbau einer unabhängigen Militärmacht begünstigte. Die zugegebenermaßen wartungsintensiven Abrams-Panzer wurden gemeinsam mit den Leopard-2-Varianten zum Rückgrat von Clayburns Panzermacht.

In den darauffolgenden Jahren stieg Joshua Seagrove in den Rängen auf. Seine Vorgesetzten sahen in ihm einen fähigen Soldaten, auch wenn er bisweilen seine Schwierigkeiten hatte, alle Aktivitäten von Clayburn Industries gut zu heißen. Er erhielt mehrmals offizielle Abmahnungen für die Nutzung indizierter Medien, insbesondere den Besuch mehrerer illegaler Webseiten, die nach dem Großen Internetkollaps von 2031 im Intranet von Clayburn aufgetaucht waren.

Zwischen 2031 und 2038 nahm Joshua Seagrove an mehreren Operationen gegen nationalistische Aufständische in Großbritannien teil. Wie sich herausstellte, erhielten die Separatisten weit mehr als nur verbale Unterstützung von ihren Glaubensgenossen in der ganzen Welt.

Statt also, wie erwartet, auf einen Haufen Rebellen mit Schrotflinten zu treffen, wurde die leichte Clayburn-Infanterie mit gut trainierten und bestens ausgerüsteten Truppen konfrontiert, die über mehrere gepanzerte Fahrzeuge verfügten. Diese schienen aus den Beständen eines rivalisierenden Konzerns zu stammen. Die geplante Polizeiaktion eskalierte zu einer regelrechten Schlacht und nur die Ankunft einer von Seagroves Panzerdivisionen konnte das Blatt noch wenden, nicht ohne massive Verluste auf Seiten der Clayburn-Truppe. Für seine Rolle in der Schlacht erhielt Joshua Seagrove eine Auszeichnung der Ersten Klasse. Neben einem beachtlichen Bonus wurde er eingeladen, eine Stunde in Gesellschaft des „Alten“ zu verbringen – Andrew Clayburn selbst. Dieses Ereignis wurde nicht nur von Clayburn News Network zu Propagandazwecken ausgeschlachtet, sondern wurde zu einem Running Gag in seiner Truppe – seine Freunde triezten ihn seither mit Anfragen und Bitten, die er doch bitte seinem „alten Bekannten“ überbringen sollte.

Und während seine Karriere beim Militär ein voller Erfolg war, stand Joshua Seagroves Beziehung zu seiner Familie zusehend unter Belastung. Mit den Jahren wurde sein Vater zu einem überzeugten Gegner Clayburns und es kam oft zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Vater und Sohn, was die Lebensweise im Konzerngefüge betraf, die zwar stabil war, aber doch so anders, als die freie Welt, die John Seagrove gekannt hatte. Ihre Beziehung verschlechterte sich noch weiter, als sein Vater 2038 wegen der Teilnahme an einer Protestkundgebung gegen Clayburn kurzzeitig in Haft kam und es nur Joshuas Einfluss zu verdanken war, dass er keine Haftstrafe verbüßen musste.

Schon bald musste er erfahren, dass in der Welt der Konzerne die Sünden des Vaters auf den Sohn übergehen. Seine Leistungen wurden immer öfter evaluiert und er erhielt zusehends unwesentliche Aufgaben, die nichts mit den wichtigen Missionen der Vergangenheit zu tun hatten. Aus diesem Grund waren er und seine Familie mehr als überrascht, als ihm das Kommando eines großen Teils der Seahawk Task Force übertragen wurde. Die Spezialeinheit wurde für eine Friedensmission auf dem Balkan zusammengestellt.

Charaktereigenschaften

Joshua Seagrove ist äußerst intelligent, ein fähiger Kommandant mit natürlichem Talent für Ingenieurwesen und angeborenen Führungsqualitäten, was ihn zu einem höchst qualifizierten Befehlshaber für Panzereinheiten prädestiniert. Er besitzt eine optimistische, extrovertierte Persönlichkeit und ist bei seinen Kameraden und Untergebenen für seinen Humor beliebt. Wenn andere in Panik verfallen und aufgeben, rettet Joshuas positive Einstellung oft den Tag. Joshua Seagroves tiefgehender Sinn für Humor ist etwas, was er von seinem Vater geerbt hat.

Überzeugungen

Trotz seiner Intelligenz ist er aufgrund des jahrelangen Einflusses des konzerneigenen Schulsystems anfällig für Firmenpropaganda. Joshua Seagrove sieht in den Konzernen die Retter der Menschheit und die nächste Stufe der Evolution nach den Nationalstaaten und Föderationen. Auch wenn er einigen Aspekten der offiziellen Doktrin durchaus kritisch gegenübersteht, glaubt er im Großen und Ganzen, dass die Konzerne ihren Subjekten ein Ausmaß an Sicherheit angesichts der zusammenbrechenden Weltordnung bietet, der den Verlust von Freiheiten definitiv rechtfertigt. Für ihn ist die Beschränkung der Rede- und Versammlungsfreiheit ein akzeptabler Preis für den Schutz und die Versorgung durch die konzerneigenen Strukturen. Abweichende Meinungen erachtet er als gefährlich und beharrt auf diesem Standpunkt auch angesichts der Zweifel, die ihn bei Diskussionen mit seinem Vater befallen. Und doch gibt es auch für ihn rote Linien, die niemals überschritten werden dürften – und überschritten wurden, als am Ende der Intervention auf dem Balkan der Befehl gegeben wurde, ein Massaker unter der Zivilbevölkerung anzurichten. Joshua Seagrove akzeptierte schweren Herzens die darauf einsetzende Rebellion in der Hoffnung, dass seine Familie von der Rache des Konzerns verschont bleiben würde. Diese Hoffnung spiegelt eine gewisse Naivität wieder, sowie die Schattenseite seines Optimismus – einen Hang zur Selbsttäuschung.

Kommandanteninfo

  • Alter: 28
  • Größe: 175 cm
  • Gewicht: 78 kg
  • Geburtsort: London
  • Nationalität: Clayburn Industries (ehemals britisch)

Kampftaktik

  • Defensiv (zieht es vor, den Feind auf eigenem Gebiet zu konfrontieren)
  • Adaptive Taktik (statt auf statischen defensiven Stellungskampf setzt er auf Mobilität und Flankenmanöver)
  • Kampf auf Distanz (zieht Kämpfe auf größere Distanz dem Nahkampf vor)
  • Natürlicher Anführer (die Truppen sehen in ihm „einen von ihnen“ und vertrauen ihm bedingungslos)

Joshua Seagrove kehrt in der 2. Episode der Storyline-Kampagne, die schon bald beginnt, zurück!

Nach oben

Sei dabei!